Das Verbändebündnis "Digitalisierung in der Pflege" begrüßt die im Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) vorgesehene Transformationsklausel (§ 113e SGB XI), sieht jedoch deutlichen Nachbesserungsbedarf. Die Regelung soll es Pflegeeinrichtungen ermöglichen, Mittel aus dauerhaft unbesetzten Stellen in digitale und technische Lösungen zu investieren.
Bündnis: Umwidmungsquote zu gering
Nach Ansicht des Bündnisses reagiert die Klausel auf ein drängendes Problem: Viele Pflegeeinrichtungen könnten offene Stellen bereits heute nicht mehr besetzen. Digitale Anwendungen wie sprachgestützte Dokumentation, Sensorik, digitale Tourenplanung oder automatisierte Dienstplanung könnten dazu beitragen, die Folgen des Personalmangels abzufedern und Pflegefachpersonen von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Die Verbände betonen jedoch, dass Technik keine Pflegekräfte ersetze, sondern lediglich einen Beitrag zur Sicherung der Versorgung leisten könne.
Kritisch sehen die Organisationen vor allem die vorgesehene Umwidmungsquote von zehn Prozent. Diese sei zu niedrig, um nennenswerte Investitionen in digitale Unterstützungsangebote zu ermöglichen. Das Bündnis fordert daher eine Anhebung auf mindestens 50 Prozent. Zudem müsse die Refinanzierung nicht nur Anschaffungskosten, sondern auch laufende Ausgaben für Betrieb, Wartung und Schulungen dauerhaft abdecken.
Höhere Investitionen in Pflegetechnologie nötig
Weitere Kritik richtet sich gegen die Begrenzung der Fördermöglichkeiten auf einzelne Anwendungsfelder. Entlastung entstehe erst durch das Zusammenspiel von Technik, Arbeitsorganisation und Prozessen. Darüber hinaus sprechen sich die Verbände für eine wissenschaftlich begleitete Evaluation, verbindliche Interoperabilitätsstandards sowie eine übergreifende Digitalisierungsstrategie für die Pflege aus. Zusätzliche Dokumentations- und Nachweispflichten dürften den erhofften Entlastungseffekt nicht wieder zunichtemachen.
Das Bündnis "Digitalisierung in der Pflege" besteht aus neun Verbänden des Sozial-, Pflege- und Gesundheitswesens. Es wurde 2020 gegründet und vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von Pflegenden, Einrichtungen, IT-Anbietern sowie Akteuren aus Forschung und Beratung. Ziel sei es, die Rahmenbedingungen für den Einsatz digitaler Technologien in der Pflege weiterzuentwickeln.