• News
Equal Pay Day

Faire Löhne im Pflegeberuf dringend nötig

Pflegeverbände machen am heutigen Aktionstag auf die Missstände der ungleichen Bezahlung zwischen Männern und Frauen aufmerksam.

Vom 1. Januar an bis zum 10. März haben Frauen in Deutschland de facto umsonst gearbeitet – denn erst vom Equal Pay Day an verdienen Frauen, aufs Jahr gerechnet, genauso viel Geld wie Männer. Das ist auch in der Profession Pflege so.

Frauen verdinen rd. 18 % weniger als Männer

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienten Frauen 2020 durchschnittlich 18 % weniger als Männer.

Anlässlich des Aktionstags hat die Bundespflegekammer am Mittwoch daher an die Politik appelliert, sich entschiedener für die Schließung der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in sozialen Berufen zu engagieren.

Ursachen ungleicher Bezahlung

Die Ursachen für den geringeren Verdienst von Frauen liegen laut Bundespflegekammer v. a. in 3 Fakten:

  1. Frauen fehlen – insbesondere in Pflegeberufen – nach wie vor in den gut bezahlten Führungsetagen.
  2. Frauen arbeiten aufgrund der schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Pflege häufig in Teilzeit.
  3. Berufe, die überwiegend Frauen ausüben, werden per se schlechter bezahlt.

80 % der Profession Pflege weiblich

Das müsse sich dringend ändern. Der Pflegeberuf sei nach wie vor weiblich: Rd. 80 % der Beschäftigten in dieser Branche seien Frauen. Doch:

"Leider ist es so, dass in frauendominierten Berufen nicht nur die Frauen vergleichsweise schlecht bezahlt werden, sondern auch die Männer."

Das sagte das Präsidiumsmitglied der Bundespflegekammer, Patricia Drube.

Frauen in der Langzeitpflege verdienen 13 % weniger als das Durschnittseinkommen

Das Einkommen von Pflegefachpersonen sei im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen mit vergleichbarer Qualifikation unterdurchschnittlich, so Drube weiter.

Z. B habe der Verdienst von Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege 2018 knapp 13 % unter dem Durchschnittseinkommen gelegen.

Die Bundespflegekammer fordert deshalb ein "gleiches und angemessenes Gehalt", das es den Pflegefachpersonen ermöglich, auch im Alter von der Rente auskömmlich zu leben. Ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro brutto sei "dringend notwendig".

Fehlende Lobby der Profession Pflege

Auch wenn es in Krankenhäusern häufig nicht zu einem eklatanten Unterschied in der Bezahlung der männlichen und weiblichen Pflegenden komme, sei der Verdienst hier zwar verglichen mit anderen Branchen gering, in der Regel aber immerhin tarifvertraglich gebunden, führte Drube aus.

Dramatischer sei die Situation in der ambulanten Langzeitpflege und in stationären Pflegeeinrichtungen. Von "zu vielen prekären Beschäftigungsverhältnissen" sprach Drube. Die auch daran lägen, dass es keinen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt.

Drube führt die "unsägliche Diskussion über eine nachhaltig bessere Bezahlung in der Pflege" auch auf die fehlende Lobby der Berufsgruppe zurück. Denn:

"Sowohl die Politik als auch die Gesellschaft sollten endlich begriffen haben, dass der Berufsstand Pflege systemrelevant ist. Je weniger Pflegende wir haben, desto mehr Menschen sterben."

Wertschätzung zeigt sich auf dem Gehaltszettel

Die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Christel Bienstein, stellte die provozierende Frage:

"Der Gender Pay Gap beruht auch auf der schlechten Bezahlung in den Care-Berufen. Es sind die beruflich Pflegenden, die Hebammen und die Pädagoginnen, die sich um unser aller Leben und den sozialen Zusammenhalt kümmern. Ist uns das als Gesellschaft wirklich so wenig wert?"

Politik und Arbeitgeberinnen wie Arbeitgeber müssten endlich reagieren, denn Wertschätzung zeige sich hauptsächlich auf dem Gehaltszettel, bekräftigte auch der DBfK-Regionalverband Südost.

DIE SCHWESTER | DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester | Der Pfleger 
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Zeitschriftencover

PflegenIntensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Zeitschriftencover

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten