Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat ein Expertenpapier zur Umsetzung einer bundeseinheitlichen Terminologiearchitektur für die Pflege vorgelegt. Wie der DPR in der Vorwoche mitgeteilt hat, soll damit die Grundlage geschaffen werden, pflegerische Daten künftig einheitlicher zu erfassen, auszutauschen und für Versorgung, Qualitätssicherung, Forschung sowie gesundheitspolitische Steuerung nutzbar zu machen.
Nach Einschätzung des DPR ist die Datenlage zur pflegerischen Versorgung in Deutschland bislang unzureichend. Pflegerische Informationen würden derzeit mit unterschiedlichen Fachsprachen und Dokumentationssystemen erfasst und seien deshalb nur eingeschränkt interoperabel.
Zwei-Ebenen-Modell für Datenaustausch
Kern des Papiers ist ein Zwei-Ebenen-Modell. Die in der Praxis etablierten Fachsprachen und Dokumentationssysteme sollen auf einer ersten Ebene bestehen bleiben. Auf einer zweiten Ebene sollen sie über eine gemeinsame Referenzterminologie miteinander verknüpft werden.
"Pflege wird in unterschiedlichen Versorgungsbereichen mit unterschiedlichen Fachsprachen und Dokumentationssystemen erfasst. Diese Vielfalt lässt sich nicht durch ein einziges System ersetzen", sagte der Leiter der DPR-Fachkommission Digitalisierung in der Pflege, Thomas Meißner.
Vorgesehen sind nach Angaben des DPR die internationale Referenzterminologie SNOMED CT sowie die International Classification for Nursing Practice (ICNP), die die pflegespezifische Fachlogik abbilden soll.
Forderung nach verbindlichen Standards
Der DPR fordert, den vorgeschlagenen terminologischen Rahmen bundesweit verbindlich festzulegen. Zudem müsse pflegerische Expertise dauerhaft in den zuständigen Institutionen und Entwicklungsprozessen vertreten sein.
"Die terminologische Transformation kann nur gelingen, wenn die Profession Pflege von Beginn an beteiligt ist und ihre Expertise dauerhaft in den zuständigen Institutionen und Entwicklungsprozessen verankert wird", so Meißner.
Nach Angaben des Verbands müssten außerdem Systemanpassungen, die Entwicklung technischer Verknüpfungen zwischen den Terminologien sowie Qualifizierungsmaßnahmen für Beschäftigte finanziert werden.
Pflege-Informatik-Initiative als Rahmen
Die Umsetzung der Terminologiearchitektur soll nach Vorstellung des DPR in eine "Pflege-Informatik-Initiative (PII)" eingebettet werden. Diese soll die Entwicklung semantischer Standards, pflegerischer Kerndatensätze und verbindlicher Steuerungsstrukturen koordinieren. Darüber hinaus schlägt das Papier den Aufbau von Forschungs- und Förderprogrammen sowie pflegerischen Datenintegrationszentren vor.