Menschen mit Demenz und sogenanntem herausforderndem Verhalten haben schlechtere Chancen auf einen Pflegeplatz. Besonders betroffen sind Personen mit Hinlauftendenz, auch "Wandering" genannt. Das geht aus einer Studie hervor, die das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben hat.
Für die Untersuchung befragte die Hochschule Kiel im Auftrag des Kompetenzzentrums 106 An- und Zugehörige sowie 58 stationäre und teilstationäre Pflegeeinrichtungen in Schleswig-Holstein.
Mehr Ablehnungen und längere Wartezeiten
Laut dem Forschungsbericht steigt mit der Häufigkeit einer Hinlauftendenz die Dauer der Pflegeplatzsuche. Gleichzeitig nähmen die Ablehnungen durch Einrichtungen signifikant zu.
Im Erhebungszeitraum dauerte es im Durchschnitt acht Wochen, bis Betroffene eine Zusage für einen Pflegeplatz erhielten. Das seien zwei Wochen mehr als in früheren Erhebungen. Nach der Zusage vergingen im Mittel weitere drei Wochen bis zum tatsächlichen Einzug.
Als häufigste Gründe für Ablehnungen nannten die befragten Einrichtungen fehlende Plätze in geschützten und ungeschützten Wohnbereichen sowie die fehlende Möglichkeit, einen angemessenen Umgang mit den Verhaltensweisen der Betroffenen sicherzustellen.
Verhalten auch häufigster Kündigungsgrund
Nicht nur bei Neuaufnahmen, sondern auch bei bestehenden Versorgungsverhältnissen spielt herausforderndes Verhalten eine zentrale Rolle. Nach Angaben der Forschenden ist das Verhalten von Menschen mit Demenz der häufigste Grund für Kündigungen von Pflegeverträgen.
Das Studienteam sieht deshalb Bedarf für zusätzliche Angebote. Insbesondere für Menschen mit einem "unruhigen, aktiven, aber nicht aggressiven Verhalten" müssten mehr Versorgungsplätze geschaffen werden. Zudem seien weitere Qualifizierungsmaßnahmen und regelmäßige Fallbesprechungen in den Einrichtungen notwendig, um die Kompetenzen im Umgang mit herausforderndem Verhalten auszubauen.
Kompetenzzentrum fordert bessere Unterstützung
Die Leiterin des Kompetenzzentrums Demenz, Anna Jannes, verweist auf die Folgen für pflegende Angehörige. "Für pflegende Angehörige ist das fatal", sagte sie. In Schleswig-Holstein lebten mehr als 70.000 Menschen mit Demenz, von denen die meisten zu Hause versorgt würden.
Als Ursachen für Schwierigkeiten bei der Platzsuche nennt Jannes neben dem Mangel an Pflegeplätzen auch fehlendes Fachpersonal und bauliche Einschränkungen in Einrichtungen. Politik und Kommunen müssten vorhandene Daten und Studien stärker für die Pflegeplanung nutzen, forderte sie.