Mecklenburg-Vorpommern hat erstmals einen Landesdemenzplan verabschiedet. Das Konzept benennt zehn Handlungsfelder für den Umgang mit Demenz und soll die Versorgung, Unterstützung und gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen sowie ihren Angehörigen verbessern. Das teilte das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern bei der Vorstellung des Plans am Dienstag in Schwerin mit.
Nach Angaben von Gesundheits- und Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) leben derzeit mehr als 40.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung im Bundesland. Aufgrund des demografischen Wandels sei in den kommenden Jahrzehnten mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Zwar werde die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt laut Prognosen nicht weiter wachsen, der Anteil der Pflegebedürftigen mit Demenz jedoch zunehmen.
Zehn Handlungsfelder definiert
Der Demenzplan wurde im Rahmen des "Pakts für Pflege" unter Federführung des Sozialministeriums und der Landesfachstelle Demenz Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet. Beteiligt waren unter anderem Fachleute aus Pflege, Gesundheitssystem, Wissenschaft, Kommunen und Interessenvertretungen sowie Menschen mit Demenz und deren Angehörige.
Zu den zehn Handlungsfeldern gehören:
- Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit
- Gesundheitsförderung und Prävention
- Ganzheitliche Versorgung
- Informations-, Beratungs- sowie Hilfs- und Unterstützungsangebote
- Unterstützung für Nahstehende von Menschen mit Demenz
- Wohnen
- Teilhabe von Menschen mit Demenz in der Kommune
- Demenz und Netzwerkarbeit
- Menschen mit Demenz in stationärer Krankenhausbehandlung
- Monitoring, Grundlagen- und Versorgungsforschung
Der Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, Lars Krychowski, betonte die Bedeutung einer sektorenübergreifenden Zusammenarbeit: "Menschen mit Demenz können wir nur dann gut begleiten, wenn wir Versorgung gemeinsam denken."
Empfehlungen ohne Finanzierungszusagen
Der in Schwerin vorgestellte Plan hat nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur empfehlenden Charakter. Konkrete Aussagen zur Finanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen enthält er nicht.
Zu den Empfehlungen gehören die Prüfung weiterer Demenzzentren nach dem Vorbild des Zentrums Demenz Schwerin, die Weiterentwicklung von Rehabilitationsangeboten für Angehörige sowie der Ausbau niedrigschwelliger Präventionsangebote zur Verzögerung des Krankheitsverlaufs.
Krychowski verwies darauf, dass der erwartete Anstieg der Erkrankungszahlen nicht nur Pflegeeinrichtungen und das Gesundheitssystem betreffe. Auch Kommunen, Rettungskräfte, Feuerwehren, Banken oder Einzelhandel müssten sich stärker auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz einstellen.
Prävention rückt stärker in den Fokus
Ein Schwerpunkt des Landesdemenzplans ist die Prävention. Nach Angaben des Sozialministeriums kann das Demenzrisiko durch die Beeinflussung bestimmter Risikofaktoren gesenkt werden. Besonders wichtig sei die Lebensphase zwischen 45 und 60 Jahren.
Krychowski verwies auf die Bedeutung eines gesunden Lebensstils. Dazu gehörten ausgewogene Ernährung, Bewegung und die Vermeidung von Alkohol- und Drogenexzessen. Drese nannte zudem soziale Kontakte und geistige Aktivitäten als wichtige Faktoren für die Gesundheitsvorsorge.
Der Demenzplan baut auf bestehenden Strukturen im Land auf. Dazu zählen unter anderem das Demenzmonitoring im Landespflegeplan, der Demenzkompass, der "Runde Tisch gegen Einsamkeit im Alter", der Geriatrieplan sowie die demenzbezogene Forschungslandschaft an den Standorten Rostock und Greifswald.