Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat am Montag die Methodik des aktuellen Cochrane-Reviews zu Alzheimer-Antikörpern kritisiert und davor gemahnt, Beta-Amyloid-Antikörpern „jegliche Wirksamkeit“ abzusprechen. Die Ergebnisse seien zwar „ernüchternd“, jedoch hätten nur zwei der 17 in der Metaanalyse bewerteten Studien die zugelassenen Antikörper Lecanemab und Donanemab untersucht. „Die übrigen Antikörper betrafen Substanzen, die bereits in der klinischen Prüfung gescheitert waren; zum Teil handelt es sich dabei um sogenannte Antikörper der ersten Generation, die bereits vor über 10 Jahren entwickelt, geprüft und verworfen worden waren“, so Özgür Onur, Professor an der Neurologischen Uni-Klinik Köln.
Interpretation greife zu kurz
Von den Studienautorinnen und -autoren werde laut DGN gefolgert, dass monoklonale Antikörper gegen Amyloid-Beta bei leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz infolge einer Alzheimer-Krankheit keine Wirkung hätten und die in der Bildgebung nachweisbare Entfernung von Amyloid-Plaques nicht zu einem klinisch bedeutungsvollen Effekt führe. „Diese Interpretation ist aber zu kurz gegriffen – und birgt Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten“, unterstreicht Onur.
Auch die Alzheimer Forschung Initiative verweist auf die methodische Anlage des Reviews und fordert: „Die Schlussfolgerungen sollten jedoch vor dem Hintergrund der methodischen Einschränkungen kritisch eingeordnet werden.“
Forschung müsse weitergehen
Die DGN bedauere, „dass die aktuelle Auswertung so gelesen wird, als handele es sich um eine Forschungssackgasse“, und macht sich dafür stark, dass die Forschung weitergehen müsse: „Wir brauchen nun Real-World-Daten, um zu sehen, welche Patientengruppen besonders von den zugelassenen Antikörpern profitieren, um die Therapie gezielt individualisieren zu können“, sagt DGN-Generalsekretär Peter Berlit.