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Demenzforschung

Alzheimer‑Antikörper ohne relevanten Nutzen

Ein Cochrane Review zeigt: Antikörper‑Therapien gegen Alzheimer haben wahrscheinlich keinen klinisch relevanten Nutzen und bergen Risiken.

Antikörper‑Therapien gegen Alzheimer‑Demenz zeigen nach aktueller Studienlage wahrscheinlich keinen klinisch bedeutsamen Nutzen für Betroffene. Gleichzeitig erhöhen sie offenbar das Risiko für bestimmte Veränderungen im Gehirn. Das geht aus einem neuen Review des internationalen Wissenschaftsnetzwerks Cochrane hervor.

Die Autorinnen und Autoren werteten in der systematischen Übersichtsarbeit internationaler Studien die Ergebnisse aus 17 klinischen Studien mit insgesamt 20.342 Teilnehmenden aus. Untersucht wurden sieben monoklonale Antikörper, die gegen das Protein Beta‑Amyloid gerichtet sind und vor allem bei Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder einer frühen Alzheimer‑Demenz eingesetzt wurden.

Keine klinisch relevante Wirkung festgestellt

Über einen Beobachtungszeitraum von rund eineinhalb Jahren zeigten die Antikörper‑Therapien entweder keine oder nur sehr geringe Effekte auf den Abbau kognitiver Fähigkeiten und die Alltagsbewältigung. Diese Effekte seien so gering gewesen, dass sie nicht als klinisch relevant einzustufen seien, heißt es im Review.

"Leider legt die Evidenz nahe, dass diese Medikamente für die Erkrankten keinen klinisch bedeutsamen Unterschied machen", sagt der Erstautor des Reviews, der Neurologe und Epidemiologe Francesco Nonino. Zwar seien in einzelnen Studien statistisch signifikante Effekte beobachtet worden. "Aber es ist wichtig, zwischen der statistischen Signifikanz und der klinischen Relevanz der Ergebnisse zu unterscheiden."

Zu den untersuchten Wirkstoffen zählen auch Lecanemab und Donanemab, die in der Europäischen Union für die Behandlung von Alzheimer‑Demenz im Frühstadium zugelassen sind. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) hatte jedoch für beide Präparate keinen Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard festgestellt.

Erhöhtes Risiko für Hirnveränderungen

Neben der begrenzten Wirksamkeit weisen die Studien auf ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen hin. Die Antikörper‑Therapien steigerten demnach wahrscheinlich die Häufigkeit von Hirnschwellungen und kleinsten Blutungen im Gehirn, die mithilfe bildgebender Verfahren nachgewiesen wurden.

Über alle Wirkstoffe hinweg stieg die Zahl dieser Veränderungen von etwa 12 pro 1.000 Studienteilnehmenden in der Placebogruppe auf rund 119 pro 1.000 Teilnehmende unter Antikörper‑Therapie. Häufig traten diese Veränderungen ohne erkennbare Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Gangstörungen auf. Welche langfristigen Folgen sie haben könnten, ist laut Review bislang unklar.

Fokus der Forschung soll sich verschieben

Angesichts der Ergebnisse kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass künftige Studien mit Beta‑Amyloid‑Antikörpern voraussichtlich keinen klaren Nutzen für Erkrankte zeigen werden. Zwar könne das Protein aus dem Gehirn entfernt werden, daraus ergebe sich jedoch kein klinisch relevanter Vorteil.

"Die bereits zugelassenen Medikamente bieten einigen Patientinnen und Patienten einen gewissen Nutzen, aber es besteht weiterhin ein großer Bedarf an wirksameren Behandlungen", sagt der Neurologe Edo Richard, Mitautor des Reviews. "Leider bieten die Medikamente gegen Beta‑Amyloid dies nicht und bringen zusätzliche Risiken mit sich. Wir müssen daher andere Wege erkunden, um mit dieser verheerenden Erkrankung umzugehen."

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