Die aktualisierte S3-Leitlinie Demenzen empfiehlt erstmals den Einsatz der neuen Antikörpertherapien Lecanemab und Donanemab für Frühstadien der Alzheimer-Erkrankung. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) von Montag hervor. Empfehlungen zur nach dem aktuellen Wissensstand optimalen Diagnostik und Therapie werden seit 2023 jährlich als Living Guideline in der S3-Leitlinie Demenzen veröffentlicht. Nun ist die zweite Aktualisierung der Living Guideline erschienen. Sie enthält 117 Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie.
Neue Antikörper für Alzheimer-Frühstadien
Die Leitliniengruppe aus 37 Fachgesellschaften und Organisationen spricht sich mit großer Mehrheit dafür aus, die beiden Antikörper Lecanemab und Donanemab bei gesicherter Beta-Amyloid-Pathologie einzusetzen. Voraussetzung ist unter anderem ein APOE‑ε4‑Gentest. Zudem muss die Antikörperbehandlung der Leitlinie zufolge in einen umfassenden medizinischen und psychosozialen Behandlungsplan eingebettet sein. Diese darf derzeit nur durch Fachärztinnen und -ärzte für Neurologie oder Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgen, die Erfahrung in der Alzheimer-Behandlung sowie Möglichkeiten zu einer zeitnahen MRT-Diagnostik haben.
Ankündigung: Eine ausführliche Darstellung der Leitlinienaktualisierung erscheint in einer der kommenden Ausgaben von Die Schwester | Der Pfleger.
Der Koordinator der Leitlinie für die DGPPN, Frank Jessen, verdeutlichte: "Wir haben erstmalig die Möglichkeit, die Alzheimer-Erkrankung kausal zu behandeln – also die Ursachen zu therapieren und nicht lediglich die Symptome." Studien zeigten, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung damit um rund 30 Prozent verlangsamen lasse.
Bewertung durch den G‑BA weiter offen
Während die Expertengruppe die neuen Antikörper unterstützt, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) Lecanemab zuletzt keinen Zusatznutzen zuerkannt. Zur Bewertung habe das zuständige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jedoch nur 44 Prozent der Studienpopulation einbezogen, ergänzte der Koordinator der Leitlinie für die DGN, Richard Dodel. Die Entscheidung zum Antikörper Donanemab stehe noch aus.
Weitere Neuerungen der Leitlinie
Neben der Einführung der Antikörpertherapien spricht sich die Leitlinie klar gegen die transkranielle Ultraschallpulsstimulation aus, da für deren Wirksamkeit keine Evidenz vorliege.
Die S3-Leitlinie Demenzen ist auf dem Portal der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) und außerdem auf der nicht kommerziellen Online-Plattform MAGICApp publiziert. Die digitale Darstellung ermöglicht es, unmittelbar auf die Leitlinie und jede einzelne Empfehlung zuzugreifen. Auch die Studien, die den Empfehlungen zugrunde liegen, können direkt aus der App aufgerufen werden.