Spezielle Trinknahrung könnte bei mangelernährten älteren Klinikpatienten das Sterberisiko und schwere Komplikationen verringern. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Cochrane-Review, über den Cochrane Deutschland vergangenen Freitag informiert hat.
Untersucht wurden verschiedene Formen der Ernährungsunterstützung bei älteren Menschen im Krankenhaus, die bereits mangelernährt sind oder ein entsprechendes Risiko haben. Die Datenlage bleibe jedoch insgesamt unsicher, ist der Kurzzusammenfassung zu entnehmen.
Möglicher Effekt auf Sterblichkeit und Komplikationen
Laut Analyse kann medizinische Spezialnahrung – häufig als Trinknahrung verabreicht – im Vergleich zur üblichen Versorgung das Sterberisiko bis zur Entlassung oder innerhalb eines Monats reduzieren. In den ausgewerteten Studien traten mit Standardversorgung 106 Todesfälle pro 1.000 Patienten auf, mit Trinknahrung "möglicherweise" 57 weniger.
Auch schwerwiegende Komplikationen könnten seltener sein: Hier lagen die Zahlen bei 192 Ereignissen pro 1.000 unter Standardversorgung und "möglicherweise" 84 Fälle weniger unter Trinknahrung.
Die Autorinnen und Autoren betonen allerdings die geringe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Viele Studien seien klein oder methodisch eingeschränkt gewesen.
Kaum Unterschiede bei anderen Maßnahmen
Für andere Ansätze – etwa eiweißangereicherte Kost, zusätzliche Kalorien, individuelle Essensunterstützung oder umfassende Ernährungstherapie – zeigten die Daten keine klaren Vorteile gegenüber der Standardversorgung.
Auch bei "patientenrelevanten Endpunkten" wie Lebensqualität, Selbstständigkeit, Aufenthaltsdauer oder Körpergewicht blieben die Ergebnisse unklar, resümiert die Kurzzusammenfassung. Teilweise sei die Evidenz "sehr unsicher", teilweise zeigten sich "nur geringe oder gar keine Auswirkungen".
Direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Maßnahmen fehlten weitgehend. "Wir können nicht sicher sagen, ob eine Maßnahme besser oder schlechter wirkt als eine andere", wird Erstautorin Eva Kiesswetter zitiert.
Mangelernährung häufig und klinisch relevant
Der Review basiert auf 21 Studien mit insgesamt 3.309 älteren Patienten im Krankenhaus.
Mangelernährung ist in dieser Gruppe weit verbreitet: Schätzungen zufolge sind etwa ein Drittel bis zwei Drittel der älteren Klinikpatienten betroffen oder gefährdet.
Die Folgen können erheblich sein – von verzögerter Wundheilung über längere Krankenhausaufenthalte bis hin zu erhöhter Sterblichkeit.
Vor diesem Hintergrund wächst auch gesundheitspolitisch der Druck: Bis Ende 2027 sollen verbindliche Qualitätsvorgaben zur systematischen Erkennung und Behandlung von Mangelernährung im Krankenhaus entwickelt werden.