Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) haben eine neue S2k‑Leitlinie zur zahnmedizinischen Betreuung geriatrischer Patientinnen und Patienten veröffentlicht.
Fünf weitere in der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) organisierte Fachgesellschaften waren an der Entwicklung beteiligft, darunter die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) - vertreten durch Pflegewissenschaftlerin Erika Sirsch von der Universität Duisburg-Essen, die die Arbeitsgruppe zur Entwicklung des 2021 erschienenen Expertenstandards "Förderung der Mundgesundheit in der Pflege" geleitet hatte.
Pflege früh einbeziehen
Mit der neuen Leitlinie soll die Versorgung älterer Menschen verbessert und die Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin und Pflege gestärkt werden. Sie macht zugleich deutlich: Gute Mundgesundheit im Alter sei ohne qualifizierte Pflege kaum erreichbar.
Pflegebedürftigkeit und hohes Alter seien laut Leitlinie eigenständige Risikofaktoren für eine Verschlechterung der Mundgesundheit. Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher, pflegerische Unterstützung bei der täglichen Mundhygiene frühzeitig einzubeziehen – denn ein großer Teil der älteren Menschen sei nicht mehr in der Lage, Zähne und Prothesen eigenständig zu pflegen. Angehörige und professionell Pflegende sollen daher aktiv in Unterweisungen einbezogen werden.
Besonders betont wird die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit: Das Pflegepersonal fungiere in vielen Fällen als Schnittstelle zwischen der haus- und zahnärztlichen Versorgung, Angehörigen und Betreuungspersonal. Es übernehme Terminorganisation, Begleitung von Patienten zu Behandlungen und sei maßgeblich an der Nachsorge beteiligt. Die Leitlinie empfiehlt daher eine strukturierte Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Inhaltliche Aspekte: Demenz, Hilfsmittel, Prävention
Die Leitlinie geht zudem ausführlich auf den Umgang mit funktionellen und kognitiven Einschränkungen ein – darunter Demenz, Schluckstörungen oder motorische Probleme. Pflegefachpersonen spielten eine Schlüsselrolle bei der Beobachtung solcher Beeinträchtigungen und beim Erkennen möglicher Komplikationen wie Schmerzen, Abwehrverhalten oder eingeschränkter Kaufunktion. Auch Maßnahmen zur stressreduzierten Kommunikation, etwa bei Menschen mit Demenz, werden hervorgehoben.
In der Prävention empfiehlt die Leitlinie den Einsatz geeigneter Hilfsmittel zur Mundpflege, etwa elektrische Zahnbürsten, fluoridierte Zahnpasta oder Interdentalbürsten. Eine regelmäßige Inspektion der Mundhöhle – häufig ebenfalls durch Pflegepersonal – sei besonders wichtig, um frühzeitig Veränderungen zu erkennen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die aufsuchende Versorgung: Könne eine betroffene Person die Zahnarztpraxis nicht aufsuchen, gehört der Hausbesuch zur vertragszahnärztlichen Versorgung. Pflegefachpersonen unterstützten dabei nicht nur organisatorisch, sondern auch durch Vorbereitung und Sicherstellung der pflegerischen Nachsorge.