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Berufspolitik

Debatte um Zukunft der Pflegekammern

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, warnt vor einer "strukturellen Ohnmacht" der Pflege. Ein aktueller Bericht zeigt politische Konflikte, strukturelle Defizite und mögliche Wege für eine starke Selbstverwaltung.

Die Zukunft der Pflegekammern in Deutschland bleibt ungewiss. Das geht aus einem neuen Beitrag von Stephan Lücke hervor, der die aktuelle Lage und die Einschätzungen der Präsidentin des Deutschen Pflegerats (DPR), Christine Vogler, zusammenfasst. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigten, dass zentrale Strukturen der beruflichen Selbstverwaltung ins Wanken geraten und damit politische Gestaltungsmöglichkeiten der Pflege geschwächt werden.

Pflege in der "strukturellen Ohnmacht"

Vor gut zehn Jahren nahm in Rheinland-Pfalz die erste Landespflegekammer ihre Arbeit auf. Was damals als Aufbruch galt, sei heute von Unsicherheit geprägt: Kammern wurden in mehreren Bundesländern abgewickelt, in Baden‑Württemberg kam es gar nicht erst zur Gründung. Vogler beschreibt die Folgen deutlich: Die Folge sei eine "strukturelle Ohnmacht", die den Beruf dauerhaft schwäche.

Sie kritisiert, dass in den meisten Ländern selbstverwaltete Organisationen fehlen, die berufspolitische Verantwortung übernähmen und Expertise in Entscheidungsprozesse einbringen könnten. Während andere Gesundheitsprofessionen stabile und gut ausgestattete Körperschaften nutzten, sei die Pflege vielfach ohne vergleichbare Strukturen.

Politische Fehlentscheidungen und innere Konflikte

Auf Bundesebene seien zwar Fortschritte erzielt worden – etwa die Anerkennung des DPR als maßgebliche Organisation sowie eine zeitlich befristete Finanzierung –, doch laut Vogler verdeutlichst dies eher bestehende Defizite. "Der Rat übernimmt Aufgaben, die eigentlich in den Händen gut finanzierter Körperschaften liegen müssten."

Zugleich kritisiert sie politische Entscheidungen, darunter wiederkehrende Befragungen zur Abschaffung von Pflegekammern. Sie bewertet diese als demokratisch fragwürdig und als Ausdruck parteipolitischer Rücksichtnahmen.

Auch innerhalb der Profession sieht Vogler Missverständnisse: "Pflegekammern dienen nicht primär dem Wohlergehen der Pflegefachpersonen, sondern primär der Sicherstellung einer angemessenen pflegerischen Versorgung."

Mögliche Wege und Grenzen der Übergangsstrukturen

Für die nächsten Jahre skizziert Vogler mehrere mögliche Wege aus der aktuellen Situation. Ein denkbares Modell sei ein bundesweit einheitlicher Startpunkt für Pflegekammern, verbunden mit einer verpflichtenden Mitgliedschaft für alle neu ausgebildeten Pflegefachpersonen. Übergangsweise könne der DPR als "maßgebliche Organisation" bestimmte Aufgaben übernehmen, die eigentlich in die Verantwortung berufsständischer Körperschaften gehörten. Allerdings sei das nur eine temporäre Lösung, da die Bundesförderung für den DPR Ende 2028 ende und danach ein Rückfall in rein ehrenamtliche Strukturen drohen könnte.

Zudem habe der Dachverband seine Satzung angepasst, um die bestehenden Landespflegekammern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie die Vereinigung der Pflegenden in Bayern aufnehmen zu können – ein Schritt, der Länderinteressen besser abbilden soll. Damit entstünden pragmatische Übergangsstrukturen, die den Berufsstand stärkten. Für Vogler bleibt jedoch entscheidend, worum es im Kern gehe: "Am Ende geht es um Versorgung – um nichts anderes."

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