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Pflegeausbildung

Debatte über Altenpflegeabschluss

Fachverbände diskutieren über den drohenden Wegfall des spezialisierten Berufsabschlusses in der Altenpflege.

Nach dem Bericht des Bundesfamilienministeriums und des Bundesgesundheitsministeriums zur Ausübung des Wahlrechts in der Pflegeausbildung Anfang Februar formieren sich in der Altenpflegebranche deutliche, jedoch unterschiedlich akzentuierte Reaktionen.

Die Ministerien hatten festgestellt, dass nur rund ein Prozent der Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeit nutzt, einen spezialisierten Abschluss in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder in der Altenpflege zu wählen. Daraus leiten sie ab, dass die Nachfrage zu gering sei, um diese Wahloption dauerhaft gesetzlich zu verankern. Zudem würden Spezialisierungen ohnehin erst über Fort- und Weiterbildungen oder Studiengänge erworben. Bevor eine Entscheidung fällt, schlagen die Ministerien allerdings eine "flächendeckende fachliche Anhörung" vor.

bpa fordert Wiedereinführung der eigenständigen Altenpflegeausbildung

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) wertet die Zahlen hingegen nicht als Bestätigung der seit 2020 generalistisch ausgerichteten Pflegeausbildung, sondern als "Folge verfehlter Ausbildungspolitik". 

bpa-Präsident Bernd Meurer kritisiert, dass der spezialisierte Altenpflegeabschluss kaum gewählt werde, weil viele Schulen diese Vertiefung gar nicht anböten. Die Abschaffung der eigenständigen Altenpflegeausbildung – laut Meurer ein "Azubimagnet mit 60-prozentigem Zuwachs innerhalb von zehn Jahren" – habe die Versorgungslandschaft geschwächt.

Aus Sicht des Verbands brauche es deshalb erneut eine Debatte über die parallele Wiedereinführung eines eigenständigen Ausbildungswegs, um Berufseinsteiger gezielt für die Altenpflege zu gewinnen.

bad: Generalistik setzt Anreize zulasten der Altenpflege

Ähnlich positioniert sich der Bundesverband Ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen (bad), der das "faktische Aus" des Altenpflegeabschlusses deutlich kritisiert. Der Verband habe bereits beim Beschluss der generalistischen Ausbildung vor einem Qualitätsverlust in der Versorgung älterer Menschen gewarnt.

Der bad verweist auf spezifische Anforderungen – etwa Demenz, Multimorbidität, Palliativkompetenzen und psychosoziale Begleitung –, die aus seiner Sicht in der generalistischen Ausbildung zu kurz kämen. Der Verband befürchtet, dass mit der Abschaffung des spezialisierten Abschlusses sowohl die Versorgungsqualität als auch die berufliche Identität in der Altenpflege weiter unter Druck geraten könnten.

Zudem setze die Generalistik derzeit Anreize zulasten der Altenpflege, etwa durch attraktivere Rahmenbedingungen in der Krankenpflege.

"Eine Vernachlässigung der speziellen altenpflegerischen Aspekte bei der Ausbildung ist das falsche Signal und gefährdet sowohl die Versorgungsqualität als auch die berufliche Identität und Motivation der Beschäftigten, die aus Überzeugung in der Altenpflege tätig werden", monierte der bad-Bundesvorsitzende Andreas Kern.

VKAD: generalistische Ausbildung beibehalten, aber weiterentwickeln

Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) widerspricht dagegen der Forderung nach einer Rückkehr zur eigenständigen Altenpflegeausbildung. Geschäftsführer Andreas Wedeking hält dies für den "falschen Weg". Auf LinkedIn betonte er, dass die Pflege insgesamt komplexer geworden sei und heute eine durchgängige, ganzheitliche Qualifikation brauche. Die generalistische Ausbildung sei hierfür die richtige Grundlage, müsse aber konsequent weiterentwickelt werden.

Der VKAD fordert unter anderem eine bessere Verzahnung der neuen Pflegefachassistenz mit der dreijährigen Fachkraftausbildung, eine stärkere Berücksichtigung der Langzeitpflege im Curriculum sowie mehr Ressourcen und Anreize für Praxisanleitende. Auch klare Aufstiegs- und Spezialisierungsmöglichkeiten nach der Ausbildung seien entscheidend.

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