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Generalistische Pflegeausbildung

Das Wir-Gefühl stärken

Eine Abbrecherquote von unter 4 % statt der üblichen 30-40 % - wie das dem DHZB in der Pflegeausbildung gelingt.

Am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) startete 2021 die Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann bereits in die dritte Runde. Während die Pflegeausbildung in vielen Einrichtungen eine relativ hohe Abbrecherquote von 30-40 % aufweist, gelingt es dem DHZB, diese konsequent unter 4 % zu halten. Das Autorenteam beschreibt, woran das liegt.

Jeder Start eines neuen Kurses in der praktischen Pflegeausbildung wird im DHZB mit einem Willkommenstag begonnen. An diesem Tag lernen sich die neuen Auszubildenden, die Pflegedozentinnen und -dozenten sowie die Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter kennen. Der Pflegedirektor, Stellvertretende wie auch das Leitungsgremium stellen sich persönlich bei den Auszubildenden vor und sind für sie jederzeit ansprechbar.

Zusätzlich werden das DHZB, die einzelnen Einsatzbereiche und der Ablauf der praktischen Ausbildung erklärt.

Azubis als Kollegen auf Augenhöhe

Die Auszubildenden werden auf den jeweiligen ersten Einsatzstationen vorgestellt und können erste Kontakte knüpfen. So ist es möglich, Ängste und Aufregung schon an diesem Tag abzubauen und den Auszubildenden den Start in die praktischen Einsätze zu erleichtern.

Dieser erste Tag stärkt das Wir-Gefühl im DHZB. Die Auszubildenden gelten von Beginn an als neue Kolleginnen und Kollegen des Teams. Das zeigt sich auch in der Kommunikation und im Verhalten miteinander.

Um eine gute Bindung mit den Auszubildenden zu starten sind am DHZB v. a. 3 Dinge wichtig:

  • Corporate Behaviour
  • Corporate Communication
  • Corporate Culture.

Das bedeutet: Auszubildende tragen die gleiche Dienstkleidung, bekommen Hausausweise und sind als Auszubildende auf den Diensttafeln bzw. Schichttafeln der Stationen vermerkt.

Auszubildende im Schichtplan zusätzlich eingeplant

Die Auszubildenden werden nicht nur in den eigenen Teamsitzungen vorgestellt, sondern auch in interprofessionellen Terminen – z. B. mit der Ärzteschaft, dem Sozialdienst oder Assistenzpersonal aus anderen Abteilungen. Die Auszubildenden werden also über Abteilungsgrenzen hinaus als Mitarbeitende des DHZB wahrgenommen. Sie tragen lediglich an ihrem Namensschild eine schlichte farbliche Kennzeichnung. Diese dient dem Kollegium auf den Stationen zur schnelleren Erkennung, in welchem Ausbildungsdrittel sich der Azubi gerade befindet. Das vermeidet eine Überforderung oder Überschreitung der erlernten Tätigkeiten.

Die Mitarbeitenden der einzelnen Bereiche haben die Chance, in einer Übersicht den Lernstand der jeweiligen Farbkennzeichnung einzusehen.

Darüber hinaus werden Auszubildende im Schichtplan grundsätzlich zusätzlich eingeplant. Jeder Mitarbeitende, der nicht explizit Praxisanleitender ist und somit Bezugsperson für die Auszubildenden, wird vorab über die Begleitung des Auszubildenden informiert und kennt den jeweiligen Ausbildungsstand.

Intensive Vorbereitung auf Praxiseinsätze

Neben der praktischen Ausbildung erfolgt auch der Theoriepart engmaschig betreut. Insgesamt 10 Lehrende der eigenen DHZB-Schule bereiten die Azubis intensiv auf ihre Praxiseinsätze vor.

Der wöchentliche Austausch zwischen Dozierenden, Praxisanleitungen und Pflegedirektion unterstützt dabei, die Pflegeausbildung stetig zu verbessern. 

Für die Verantwortlichen im DHZB war von Anfang an klar, dass eine gute generalistische Pflegeausbildung nur in enger Zusammenarbeit mit Lehrenden der Schulde und der Praxis zu meistern ist – und v. a. nur mit Ehrlichkeit und Transparenz gegenüber den Auszubildenden.

 

Das Deutsche Herzzentrum Berlin in Zahlen

  • 205 Betten
  • 3 Intensivstationen (davon eine Kinderintensiv)
  • 5 Normalstationen
  • 1 Transplantationsstation
  • 1 Kinderstation
  • ca. 500 Pflegende
  • 30 Praxisanleitende
  • 5 Pflegedozentinnen und -dozenten (freigestellte Praxisanleitende)
  • Ca. 22 Auszubildende pro Jahr; seit 2021 33 Auszubildende/Jahr
  • Ca. 20 Abschlüsse pro Jahr
  • 4 % Abbruchquote im Jahr 2020/2021
  • Ca. 90-100 Stunden strukturierte Anleitung pro Auszubildenden des ersten Ausbildungsdrittels intern im DHZB
  • Übernahme von 80 % der Auszubildenden

Die neue Ausbildungsform ab 2020 war für alle Beteiligten eine Premiere. Kritik und Feedback sind bis heute essenziell, um die Ausbildung möglichst positiv zu gestalten und weiterzuentwickeln.

Vom ersten Moment der Planung der Generalistik waren alle Praxisanleitenden miteingebunden. In monatlichen Sitzungen wurden zunächst Themen für Anleitungssituationen gesammelt. Danach wurde eine gemeinsame und stationsübergreifende Struktur festgelegt, sodass nun alle Anleitungen im DHZB nach demselben Schema aufgebaut sind. Dies erleichtert den Ablauf für die Auszubildenden und macht auch – falls nötig – eine schnelle Vertretung durch einen Praxisanleitenden aus dem Pool möglich.

Lernaufgaben sind individuell angepasst

In einer dieser Sitzungen fand sich die "AG strukturierte Anleitungen" zusammen. In dieser Gruppe von Pflegedozenteninnen und -dozenten, Praxisanleiterinnen und Praxisanleitern aller Organisationseinheiten sowie zu Beginn der Pflegedirektion werden alle Anleitungen kontrolliert und auf fachliche und pädagogische Kompetenzen geprüft. Erst nach Freigabe durch die AG kommen die Anleitungen in den praktischen Einsatz. Das sichert ein einheitliches Lernniveau.

All das erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Ausbildungsstätte und aufbauend auf das Theoriecurriculum.

Mit der Anmeldung der Auszubildenden auf der Station über die zugehörige Pflegeschule, beginnt schließlich die Planung des Einsatzes und der strukturierten Anleitung. Die Pflegedozierenden erstellen in Tabellen eine Übersicht, wann die oder der Auszubildende mit welchen Praxisanleitenden die 3 vorgesehenen begleitenden Gespräche des Einsatzes führt, wann welche praktische Lernaufgabe umgesetzt wird und wann die Begleitung durch die Lehrenden der Schule erfolgt. Dieser Plan wird von den Stationsleitungen direkt im Dienstplan hinterlegt. Das erfolgt etwa 3 Monate im Voraus des Einsatzes.

Die Auszubildenden haben vor dem Einsatz die Möglichkeit ihre Dienstplanwünsche zu äußern. Jede Lernaufgabe wird individuell auf den jeweiligen Lerntyp und Wissensstand abgestimmt.

Die gesetzlich festgelegte praktische Anleitung gilt im DHZB als Mindestanforderung, wie die Grafik verdeutlicht.

Quelle: DHZB

Elementar ist im DHZB die transparente Bewertung des Einsatzes. Pro praktischen Einsatz wird mind. eine praktische Lernaufgabe nach einem festgelegten Bewertungsschema benotet. Diese Bewertung fließt 2:1 in die Bewertung des Gesamteinsatzes ein.

Ziel: Für den Pflegeberuf begeistern

Die Ausbildung im DHZB ist geprägt von einer engen Bindung an die Klink, durch Wertschätzung der Auszubildenden und v. a. durch Enthusiasmus, Motivation und Engagement der Praxisanleitenden, Pflegedozierenden und Mitarbeitenden der Pflege. Ziel aller Beteiligten ist, die Kolleginnen und Kollegen von morgen bestmöglich auszubilden, am DHZB zu halten und für einen der vielseitigsten, herausforderndsten und spannendsten Berufen zu begeistern: die Pflege.

 

Das Autorenteam vom DHZB: Nancy Gerth, Manuela Siegel, Markus Weber, Andreas Stark, Michael Wappler und Elena Wuzel.

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