Der Bundesverband Gesundheits‑IT (bvitg) hat davor gewarnt, dass die Pflegepersonalregelung (PPR) 2.0 in ihrer aktuellen Form zu "erheblichen Mehrbelastungen" für Pflegefachpersonen, Krankenhäuser und IT‑Anbieter führt – trotz grundsätzlicher Befürwortung des Instruments. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das der Verband am Donnerstag veröffentlicht hat.
Die PPR 2.0 solle eine bedarfsgerechte Personalbemessung in der stationären Akutpflege ermöglichen und damit zur Bewältigung der Personalnot beitragen. Aus Sicht des bvitg bleibt dieses Ziel jedoch bislang unerreicht: Fehlende digitale Strukturen und unklare Vorgaben führten in der Praxis zu zusätzlichem Aufwand, statt die Pflege zu entlasten.
Verband: PPBV spiegelt "papierbasiertes Denken" wider
Insbesondere kritisiert der Verband, dass die Umsetzung der Pflegepersonalbemessungsverordnung (PPBV) weiterhin papierbasiertes Denken widerspiegele. Es gebe keine standardisierten digitalen Verfahren zur Erfassung, Verarbeitung und Übermittlung der PPR-2.0-Daten. Medienbrüche, manuelle Einstufungen und zusätzlicher Dokumentationsaufwand bindeten wertvolle Pflegezeit.
Auch IT‑Unternehmen litten unter fehlenden Richtlinien und Schnittstellen. Ohne rechtsverbindliche Standards drohten hohe Investitionskosten und Doppellösungen, so der Verband. Zudem fehle Transparenz bei der Auswertung der an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) übermittelten Daten – unklar bleibe, wie diese für die Weiterentwicklung der PPR genutzt würden.
System digital, praxistauglich und wirtschaftlich weiterentwickeln
Der bvitg fordert daher unter anderem:
- verbindliche digitale Standards für Erfassung, Berechnung und Datentransfer
- Planungssicherheit und klare Übergangsregeln für Hersteller
- frühzeitige Einbindung der Industrie in Weiterentwicklung und Pilotierung
- transparente Auswertung der PPR‑Daten durch das InEK sowie eine zentrale Anlaufstelle für fachliche Fragen
Die PPR 2.0 könne ein "echter Fortschritt" sein, betont der Verband – dafür müsse das System jedoch digital, praxistauglich und wirtschaftlich umsetzbar gestaltet werden, um sowohl Pflegequalität als auch Arbeitsbedingungen spürbar zu verbessern.