Passwort vergessen
  • News

Proteste in Schleswig-Holstein

Pflegende gegen "Kammer des Schreckens"

"Pflegekräfte entern Kiel, um die Zwangsketten zu sprengen" – unter diesem Motto protestierten am Donnerstag vor dem Landtag in Kiel rund 500 Pflegende und Unterstützer gegen eine "Zwangsmitgliedschaft" in der Pflegekammer Schleswig-Holstein.

Die Kammer sei ein zahnloser Tiger, ein Bürokratiemonster, sagte eine der Organisatorinnen, Daniela Grabowski, gegenüber der Deutschen Presse Agentur. Keiner wisse, wofür die Kammer Mitgliedsbeiträge erhebe und was sie leiste.

Pflegekräfte hielten Banner hoch u. a. mit den Aufschriften "No Pflegekammer" oder "Kammer des Schreckens".

Minister zeigt Verständnis für protestierende Pflegende und Kammer

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) und Mitglieder des Sozialausschusses, der zeitgleich tagte, suchten am Donnerstag das Gespräch mit den aufgebrachten Pflegenden. Garg erwarte, dass die Pflegekammer alles tue, um die Akzeptanz zu erhöhen sowie ihre Kritiker von Sinn und Zweck der Mitgliedschaft zu überzeugen. Er sehe die Kritik, stelle aber auch fest, dass die Kammer den Dialog suche.

CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann sagte: "Die neue Entwicklung sehen wir mit einem gewissen Maß an Besorgnis. Die Pflegeberufekammer tut gut daran, den Unmut der Mitglieder nun ernst zu nehmen und Wege zu finden, die Situation in der gebotenen Eile auch zu heilen."

Die Pflegekammer ist um Aufklärung bemüht. Die Kammerarbeit sei wichtig, um Pflege als Player auf Augenhöhe mit anderen Heilberufen eine starke Stimme zu geben, sagte Kammerpräsidentin Patricia Drube gegenüber BibliomedPflege.

Dank der Kammer könne Pflege erstmals auf politischer Ebene aktiv mitgestalten, ergänzte Vizepräsident Frank Vilsmeier am Donnerstag. Politische Entscheidungen, die die Berufsausübung der Pflege betreffen, könnten künftig nicht mehr ohne die Berufsgruppe selbst getroffen werden. "Dadurch können wir wesentlichen Einfluss auf die Qualität der pflegerischen Versorgung nehmen und die Bedingungen in der Pflege langfristig verbessern", ist Vilsmeier überzeugt.

Kammer setzt sich für bessere Bedingungen in der Pflege ein

Ein wichtiger Nutzen der Kammer sei u. a., dass die Berufsgruppe erstmals selbst festlegen könne, wie und mit welchen Kompetenzen gepflegt werden soll. "Dazu werden wir eine Berufsordnung und eine Weiterbildungsordnung erstellen, in denen die berufsrechtlichen und ethischen Grundlagen der beruflichen Pflege sowie die Weiterbildung geregelt werden – so wie das in anderen Berufen auch üblich ist", erläuterte Vilsmeier.

Außerdem könnten mit der Kammer erstmals wichtige statistische Daten erhoben werden: Wie viele Pflegefachpersonen sind in der Pflege in Schleswig-Holstein tätig – mit welcher Qualifikation, in welchem Alter, in welcher Region? Diese Pflegeberufe-Statistik sei wichtig, um die Beschäftigungssituation in der Pflege landesweit abzubilden.

Kammerarbeit kommt erst nach und nach bei Pflegenden an

Zur Kritik, dass die Kammer bislang noch nicht viel erreicht habe, sagte der Vizepräsident: "Die Pflegeberufekammer hat ihre Arbeit erst vor eineinhalb Jahren aufgenommen, und die Agenda der Aufgaben ist lang." Dazu gehöre auch, eine öffentliche Verwaltung mit gut organisierten Prozessen aufzubauen. Nur so könne die Kammer langfristig im Interesse der Pflegenden agieren. Zudem gebe es viele Themen, in denen die Pflegeberufekammer bereits politisch aktiv sei, wie die Integration von Pflegenden aus Drittstaaten oder die Umsetzung des Pflegeberufegesetzes.

"Wir verstehen, dass die Berufsangehörigen schnelle Ergebnisse in Form von spürbaren Verbesserungen sehen möchten", so Vilsmeier weiter. "Allerdings können Missstände, die über Jahrzehnte kultiviert wurden, nicht in wenigen Monaten beseitigt sein. Die Ergebnisse unserer Arbeit werden erst nach und nach im Berufsalltag der Pflegenden zu spüren sein."

Die Kritik an der Pflichtmitgliedschaft nehme die Kammer ernst, versicherte der Kammervize. "Wir sind an einem konstruktiven Austausch mit unseren Mitgliedern sehr interessiert. Hierzu organisieren wir auch regelmäßig Kammertalks und Regionaldialoge, um über unsere Arbeit zu informieren und stehen hier unseren Kritikern Rede und Antwort."

Diese Treffen seien eingeführt worden, um eine intensive Beteiligung der Mitglieder zu ermöglichen. "Nur so können wir deren Meinungen und Wünsche in Erfahrung bringen und an die Politik weitertragen."

Auch könne jedes Krankenhaus und jede Pflegeeinrichtung in Schleswig-Holstein die Kammer zu einer Info-Veranstaltung einladen, um mit den Mitarbeitenden über Aufgaben und Ziele der Kammer ins Gespräch zu kommen.

Unsere Zeitschriften


DIE SCHWESTER DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester Der Pfleger -
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Pflegen­Intensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten