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40. Fortbildung für Pflegende

Pflegende selbst müssen die Pflege voranbringen

Die Zukunft der Pflege kann nur von Pflegenden selbst gestaltet werden – sei es in berufspolitischer oder pflegepraktischer Hinsicht. Deshalb sollten Pflegende noch viel selbstbewusster werden, sich einmischen und mit einer starken, gemeinsamen Stimme sprechen. Darin waren sich die Referenten auf der 40. Fortbildung für Pflegende am Freitag in Kassel einig.

Die Berufsgruppe müsse als solche zusammenstehen und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, wie etwa die Pflege im Krankenhaus mit der Altenpflege, betonte die Vizepräsidentin der rheinland-pfälzischen Pflegekammer, Sandra Postel. Viel wichtiger sei es, mit einer Stimme zu sprechen. Dies gelinge am besten über Pflegekammern. "Ohne Pflegekammern gibt es keine autonome Entscheidungen für uns Pflegende", betonte Postel.

Bundespflegekammer kommt in Kürze

Sie forderte die rund 1.200 Pflegenden im Kongress Palais in Kassel auf, dass derzeit so noch nie dagewesene mediale Interesse für die Pflege zu nutzen und versprach: "Mit einer Bundespflegekammer werden wir auf Bundesebene gehört. An einer solchen arbeiten wir derzeit. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie kommt."

Für mehr Selbstverantwortung von Pflegenden warb der Vorstandschef der Rhön-Klinikum AG, Stephan Holzinger. "Wie kann es sein, dass die Pflege ein so unausgeprägtes Selbstbewusstsein hat? Das würde den Ärzten nicht passieren", sagte er. "Wir müssen ganz dringend aufhören, diesen Beruf schlechtzureden, sonst kommt keiner mehr in den Beruf."

Robotik und Digitalisierung können helfen, sind aber keine Allheilmittel 

Bevor allerdings versucht werde, neue Mitarbeiter für die Pflege zu gewinnen, müssten die bestehenden gehalten werden. Robotik und Digitalisierung könnten helfen, die Arbeit von Pflegenden zu erleichtern und die Patientenversorgung zu verbessern. Sie seien zwar kein Allheilmittel, aber diese nicht zu nutzen, "halte ich für fahrlässig".

Mit der Digitalisierung würden auch neue Berufsbilder in der Pflege Einzug halten, wie IT- und Robotik-Pflegende. Das wiederum könne dafür sorgen, dass "Jüngere wieder Interesse an diesem Beruf haben".

Holzinger rief das Auditorium auf, sich einzubringen und aktiv mitzudiskutieren, wie Robotik in der Pflege unterstützen könne und welche Weichen dafür gestellt werden müssten – dies auch hinsichtlich der akademischen Curricula, die entsprechend angepasst werden müsse.

Robotik für die Pflege kann nur von den Pflegenden selbst gestaltet werden

Auch Patrick Jahn, Leiter der Stabsstelle Pflegeforschung des Universitätsklinikums Halle, betonte, wie wichtig es sei, dass sich Pflegende einmischten. Robotik für die Pflege könne nur von den Pflegenden selbst gestaltet werden. "Das muss aus unserer Berufsgruppe heraus passieren und mit unseren Erfahrungen.

Er zeigte, was technisch derzeit schon alles möglich ist: vom intelligenten Pflegewagen über Exoskelette bis hin zu humanoiden Robotern, die vor allem in der Demenzversorgung und Altenpflege eingesetzt werden.

Der Bedarf an Schulungen für diese neuen Techniken sei da, noch mangele es aber an entsprechenden Weiterbildungsmöglichkeiten.

RKU will erstes Magnet-Krankenhaus in Deutschland werden

Wie wichtig Qualifizierung ist, wurde auch im Vortrag von Helene Maucher deutlich. Die Pflegedirektorin der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) verwies auf sie als strategisches Element von Magnet-Krankenhäusern. In den USA gelte deren Managementform als Gold-Standard. Bis 2020 wolle man dort 80 % der Pflegenden mit einem Bachelor-Abschluss beschäftigen. Derzeit liegt die Akademisierungsquote bei 40 %. In Deutschland seien lediglich 1,7 % der Pflegenden akademisch qualifiziert, nur etwa 0,7 % von ihnen seien in der direkten Pflege tätig.

Maucher will das RKU bis 2023 zu einem Magnet-Krankenhaus machen – das erste in Deutschland. Bislang gibt es in Europa nur eine Magnet-Klinik in Antwerpen.

"Exzellente Pflege beginnt bei jedem Einzelnen. Anfangen muss jeder bei sich selbst", sagte Maucher.

Visionen junger Pflegenden 

4 junge Pflegende haben genau das getan. Unter dem Programmpunkt "Next Generation" kamen auf der Fortbildung für Pflegende erstmals junge Berufsanfänger selbst zu Wort und präsentierten ihre Vision von Pflege. Deutlich wurde dabei, dass auch sie sich ein selbstbewussteres und starkes, gemeinsames Auftreten ihrer Berufsgruppe wünschen. Pflege sei ein wundervoller Beruf, der stolz mache. Abseits von den Diskussionen um Personalnot stehe menschliche Zuneigung im Fokus der Pflege. Doch aktuell werde zu einseitig über deren "Schattenseiten" berichtet. Außerdem brauche es in der Pflege noch mehr wissenschaftlich fundierte Daten, um den Forderungen von Pflegenden mehr Aussagekraft zu verleihen.

 

 

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