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  • 20.07.2018
  • Bildung

Weiterbildung Intermediate Care Pflege

"Pflegende nehmen eine Schlüsselrolle ein"

Seit November 2016 regelt eine Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) die Weiterbildung Intermediate Care Pflege. Bereits seit fünf Jahren bietet die Abteilung für Interdisziplinäre Fortbildung der Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz diese Weiterbildung an. Sie bereitet detailliert auf die Versorgung von Patienten mit erhöhtem Überwachungsbedarf vor. Zu dem ursprünglichen Konzept und die inzwischen erfolgte Anpassung an die DKG-Empfehlung sprachen wir mit Weiterbildungsleiterin Verena Miller. Sie hat das Konzept entwickelt.

Frau Miller, warum sind Intermediate-Care-Stationen oder ähnlich aufgebaute Überwachungsstationen für Kliniken heute sinnvoll?

Der Bedarf an Überwachungspflege ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Zudem hat sich der Pflegeaufwand aufgrund der zunehmenden Zahl multimorbid erkrankter Patienten, aber auch durch den medizinischen Fortschritt insgesamt deutlich erhöht. Viele Kliniken beobachten eine steigende Zahl an Patienten, die wegen ihrer komplexen Krankheitsbilder oder ihres schlechten Allgemeinzustands nicht mehr auf einer Normalstation gepflegt werden können, aber dennoch keiner intensivpflegerischen Betreuung bedürfen. Gleichzeitig zwingt die Personalnot in der Pflege die Krankenhäuser immer häufiger, Intensivbetten zu reduzieren, sodass die verbleibenden intensivmedizinischen Kapazitäten nicht mit Patienten ausgelastet werden sollten, die nicht in einem lebensbedrohlichen Zustand sind. Um dieser Situation effizient zu begegnen und im Interesse der Patienten zu handeln, sind Stationen, die diesen Bereich fachlich qualifiziert abdecken, für viele Kliniken heute unverzichtbar.

Werden examinierte Gesundheits- und Krankenpflegefachpersonen ohne weitere Qualifikation diesen Anforderungen auf solchen Stationen nicht gerecht?

Es gibt nicht umsonst die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste, mindestens 40 Prozent der Pflegenden auf diesen Stationen in Intermediate Care Pflege zu qualifizieren. Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin empfiehlt einen Anteil solcher qualifizierter Fachpflegepersonen auf den Stationen. Belastbare Erfahrung in der Pflege, aber auch der Umgang mit speziellen technischen Anforderungen ist eine Mindestvoraussetzung für den Einsatz auf einer Intermediate-Care-Station. Die Herausforderungen des besonderen Pflegealltags auf einer solchen Station können ohne das spezifische Wissen und die entsprechende Erfahrung durchaus zu einer Überforderung der Pflegenden führen. Diese gilt es unbedingt zu vermeiden. Fundiertes Fachwissen in Überwachungspflege, eine entsprechende pflegerische Routine, strukturelle Kenntnisse wie Projekt- und Qualitätsmanagement sowie medizinische Hintergrundkenntnisse helfen, das Überlastungsrisiko für Pflegenden zu minimieren. Wer an einer Intermediate-Care-Weiterbildung teilnehmen möchte, muss daher auch mindestens sechs Monate Berufserfahrung in der Überwachungs- oder Intensivpflege nachweisen. Wer über mehr als fünf Jahre Erfahrung in diesem Bereich verfügt, kann sich bis November 2019 auch über einen entsprechenden Anerkennungskurs bei uns weiterqualifizieren. Dazu hat die DKG eigens eine Übergangsregelung geschaffen.

Was haben Teilnehmer der Weiterbildung fachlich zu erwarten?

Der Schwerpunkt auf einer Intermediate-Care-Station liegt in der engmaschigen Überwachung der Vitalfunktionen. Hinzu kommen komplexe Infusionstherapien über Infusomat oder Perfusor und gegebenenfalls auch die non-invasive Beatmung. Immer häufiger werden zudem invasive Maßnahmen durchgeführt wie die arterielle Blutdruckmessung. Das bedeutet, dass sich die Teilnehmer stark mit den technischen Aspekten auseinandersetzen müssen. Wir legen außerdem viel Wert auf Soft Skills, die im Umgang mit Patienten und Angehörigen besonders wichtig sind. Pflegende nehmen in dieser hochtechnisierten Umgebung eine Schlüsselrolle in der Patienten- und Angehörigenkommunikation ein, auf die sie vorbereitet sein müssen. Zugleich beschäftigen wir uns mit ethischen Fragen und behandeln relevante Themen aus der palliativpflegerischen Versorgung. Auch ein Blick auf das eigene Erleben und den eigenen Umgang mit bestimmten Situationen unterscheidet sich für Pflegende auf einer Intermediate-Care-Station und ist daher ein wichtiges Thema im Rahmen der Weiterbildung.

Noch vor den meisten anderen Anbietern haben Sie vor fünf Jahren die Weiterbildung konzipiert. Was hat sich an der ursprünglichen Ausrichtung seit der DKG-Empfehlung geändert?

Inhaltlich mussten wir an unserem Konzept keine großen Änderungen vornehmen. Wir haben uns seinerzeit stark an die Empfehlungen für die Fachweiterbildung in der Intensiv- und Anästhesiepflege orientiert und an die damals existierenden Definitionen für Intermediate Care. Der jetzt festgelegte Stundenumfang in der Theorie, die geforderten Modulprüfungen sowie die praktischen Anleitungen mussten auch schon in unserer ursprünglichen Version eingehalten werden. Im Rahmen der Anpassung an die Empfehlung haben wir die Weiterbildung um ein anrechenbares Modul zur Praxisanleitung erweitert, die Vertiefung zum Projektmanagement dafür reduziert, mehr Stunden für die praktischen Anteile eingeplant und praktische Leistungsnachweise ergänzt. Insgesamt haben wir kleinere thematische Schwerpunktverschiebungen vorgenommen, die sich auch auf die Stundenverteilung ausgewirkt haben, aber ganz grundsätzlich lagen wir von Anfang an offenbar schon nahe an der Empfehlung der DKG.

Die Teilnahme an der Weiterbildung kann auch auf andere Maßnahmen zur beruflichen Entwicklung angerechnet werden.

Ja, das war tatsächlich früher nicht möglich, ist aber in der DKG-Empfehlung so vorgesehen. Das kommt den Teilnehmern natürlich sehr zugute, wenn sie sich später für andere Bereiche weiterqualifizieren möchten. So können beispielsweise 64 Theorie-Stunden auf eine Weiterbildung Praxisanleitung angerechnet werden und sogar alle theoretischen Stunden sowie ein Teil der praktischen Einsatzstunden auf die Weiterbildung zur Fachkraft Intensiv- und Anästhesiepflege. Wir stellen in unserem Fort- und Weiterbildungs-Alltag immer wieder fest, dass der Bedarf da ist. Es ist in der Pflege generell ein starkes Bewusstsein für berufliche Weiterentwicklung und lebenslanges Lernen vorhanden. Dem versuchen wir mit unseren Angeboten gerecht zu werden.

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