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  • 21.06.2018
  • Bildung

Ausbildungs- und Prüfungsverordnung

"Die Altenpflege wird zum Assistenzberuf degradiert"

Mitte Juni hat das Bundeskabinett die neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe verabschiedet. Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner, sieht in der jetzigen Fassung allerdings eine Degradierung der Altenpflege.

Herr Wagner, wie bewerten Sie die jetzt vom Bundeskabinett beschlossene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflege?

Das Kabinett hat damit einen wichtigen und drängenden nächsten Schritt zur Umsetzung des Pflegeberufegesetzes gemacht. Einige der Verbesserungsvorschläge des Deutschen Pflegerats wurden dabei aufgegriffen, zum Beispiel die Regelung zur Zwischenprüfung und die Anforderung bei der Berufserfahrung der Praxisanleitenden. Höchst bedenklich bis fragwürdig sind jedoch Änderungen bei den Kompetenzen insbesondere für den gesonderten Abschluss zur Altenpflegerin und zum Altenpfleger. Damit wird die Altenpflege zum Assistenzberuf degradiert. Das ist weder ein Beitrag für eine adäquate Versorgung pflegebedürftiger Menschen noch führt dies zur Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufs. Im Bemühen um eine Niveauabsenkung der Ausbildung wurden auch fachlich falsche und teilweise absurde Änderungen vorgenommen.

Welche zum Beispiel und welche Auswirkung hat das?

Das gilt zum Beispiel für die Ersetzung von „Pflegediagnosen“ durch „Verwenden pflegediagnostischer Begriffe“ oder „Evaluation“ durch „Bewerten“. Beides negiert den international eindeutig definierten Pflegeprozess und wirft uns inhaltlich in die 1980er-Jahre zurück. Das widerspricht jedem Anspruch an kompetente Pflegefachpersonen und wird den komplexen Versorgungserfordernissen der Menschen nicht gerecht.

Hat also das Pflegeberufegesetz sein Ziel, die Pflege aufzuwerten, verfehlt?

Ja, das Ziel, die Pflege auf ein zeitgemäßes Niveau weiterzuentwickeln, wird zumindest für die zukünftigen Altenpflegerinnen und Altenpfleger fahrlässig gefährdet. Der berechtigte Anspruch der Bevölkerung bestmöglich und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen versorgt zu werden, wird hier vom Gesetzgeber nicht umgesetzt. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wagner. 

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