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  • 27.02.2018

Kongress Klinische Pflege

Pflegeforscher und Pflegende müssen enger zusammenarbeiten

Was leisten Pflegewissenschaftler für die Praktiker am Bett? Wie kann eine Brücke geschlagen werden zwischen Wissenschaft und Praxis? Darum ging es auf dem ersten Kongress für Klinische Pflege Ende Februar an der Uniklinik Köln. 

Eine unzureichende Förderung und bislang zu wenige erfahrene Pflegewissenschaftler erschweren den Auf- und Ausbau von tragfähigen Forschungsstrukturen in der Pflegepraxis. Diese ist aber nötig, um die Pflege am Patientenbett zu verbessern. Das war der Tenor auf dem ersten Kongress Klinische Pflege vergangenen Freitag an der Uniklinik Köln.

Rund 130 Teilnehmer aus Pflegeforschung, Pflegemanagement und Pflegepraxis trafen sich zum intensiven Austausch.

Enger Austausch nötig

Pflegeforscher und Pflegende müssten enger zusammenarbeiten. „Praktiker kennen die Fragestellungen, die für eine gute Patientenversorgung von Bedeutung sind. Wissenschaftler dagegen haben die Kompetenz, konkrete Forschungsfragen in Studien umzusetzen“, begründete die Pflegedirektorin der Uniklinik Köln, Vera Lux. Nur ein enger Austausch stelle sicher, dass die Ergebnisse der Pflegeforschung einen direkten Nutzen für die Praxis hätten und am Ende auch tatsächlich zu einer besseren Patientenversorgung führten. „Dafür muss einerseits die Pflegeforschung näher an die Praxis rücken und andererseits muss sich die Praxis mehr für Forschungsergebnisse interessieren“, so Lux weiter.

Auch Katrin Balzer von der Universität Lübeck kritisierte, dass Evidence-based Nursing bislang nur unzureichend Einzug gehalten habe in das tägliche pflegerische Handeln. „Die Forschungsergebnisse, die uns vorliegen, sind noch nicht ausreichend“, betonte sie. Rund die Hälfte aller randomisiert-kontrollierter Studien werde nicht einmal publiziert. Mehr als 80 Prozent der Cochrane Reviews enthielten keine Daten zu wichtigen potenziellen Schäden untersuchter Interventionen.

Cochrane Reviews als wichtige Ressource

Dennoch seien Cochrane Reviews eine wichtige Ressource, um Ergebnisse aus klinischen Studien für die Praxis nutzbar zu machen, betonte Ralph Möhler von Cochrane Deutschland. Allerdings seien die Studien fast ausschließlich in Englisch publiziert. „Das schränkt den Nutzen dieser Ergebnisse für die tägliche Versorgung ein“, sagte der Pflegewissenschaftler vom Universitätsklinikum Freiburg. Aber: Mittlerweile werden die Reviews mit einer allgemeinverständlichen Zusammenfassung veröffentlicht, die zudem in mehreren Sprachen zur Verfügung stehen.

Was Forschung konkret für die Praxis erzielen kann, verdeutlichten Christiane Kugler von der Universität Freiburg und Birgit Vogt vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Kugler zeigte, dass Ergebnisse aus Langzeitstudien in der klinischen Transplantationspflege helfen können, das Selbstmanagement betroffener Patienten zu verbessern. Denn diverse Studien zeigten beispielsweise, mit welchen Herausforderungen betroffene Patienten am meisten zu kämpfen hätten. So etwa mit der Medikamenteneinnahme. „Die Ergebnisse unterstützen Pflegende in der Praxis, besser auf die Patienten einzugehen“, sagte Kugler.

Europäische Datenbank für Pflegequalität gefordert

Vogt ging auf Nutzen und Möglichkeiten von Routinedaten in der Pflegepraxis ein. Kombiniere ein Pflegemanager Routinedaten mit Daten aus der Pflegedokumentation, könnten konkrete Bedarfe sichtbar gemacht und der Pflegeaufwand gemessen werden. Zudem böten Routinedaten drei Möglichkeiten der Analyse: krankheitsbezogen, stations- oder abteilungsbezogen und klinikweit. Vogt sprach sich für eine europäische Datenbank für Pflegequalität aus, um Routinedaten besser nutzbar zu machen.

Christiane Krämer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn ging auf Fördermöglichkeiten für Nachwuchsforscher ein und gab Tipps für einen erfolgreichen Förderantrag. Denn: Lediglich rund 33 Prozent der eingereichten Anträge auf Einzelförderung würden auch genehmigt. „Ohne Promotion gibt es keine Fördergelder“, stellte Krämer klar und verwies auf den Leitfaden der Gemeinschaft, mit dem man sich gut auf das Begutachtungsverfahren vorbereiten könne.

Auslandsbeispiel Dänemark

Einen interessanten Blick über den Tellerrand bot Preben Pedersen von der University of Aalborg in Dänemark. Der Direktor des Danish Centre of Clinical Guidelines sorgt mit seinem Team seit 2008 dafür, dass Leitlinien zu pflegepraktischen Themen aus wissenschaftlichen Untersuchungen entwickelt werden. Mittlerweile gibt es 65 solcher systemischen Reviews, die entsprechende Empfehlungen für die Praxis enthalten.

Deutschland müsse jetzt die Konsequenzen tragen, die sich aus 15 Jahren fehlender Pflegeforschung ergeben hätten, kritisierte Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung. „Uns fehlen in Deutschland einfach die Daten, um bestimmen zu können, welche Outcomes mit welchen personellen Besetzungen erreicht werden können“, betonte Isfort. Solche Daten würden nicht systematisch erhoben in den Kliniken. Ein Fehler, wie ein Blick auf die Arbeit internationaler Kollegen zeige. Hier belegten Studien die Wirkung etwa von Personaluntergrenzen. Diese Studienergebnisse könnten aber nicht einfach auf deutsche Verhältnisse übertragen werden, da es große Unterschiede in den Gesundheitssystemen gebe.

"Uns fehlen Daten"

Trotzdem plädierte Isfort für Personaluntergrenzen in der Pflege – diese müssten aber zwingend für alle Bereiche umgesetzt werden. „Sonst kommt es zu einem gigantischen Verschiebebahnhof“, mahnte er. Wichtig sei jetzt außerdem, endlich für eine solide Datengrundlage zu sorgen. Diese sei aber nur möglich, wenn in Forschung, Entwicklung und Akademisierung investiert werde. Im Rahmen eines „Masterplan Pflege“ müssten unter anderem 500 Millionen Euro für 20.000 primärqualifizierende Studienplätze sowie Versorgungskonzeptforschung, Technologieforschung und Forschungsschwerpunkte in der klinischen Praxis zur Verfügung gestellt werden, forderte Isfort.

Dass die Finanzierung der Pflege im Krankenhaus künftig nicht mehr über Fallpauschalen, sondern ein gesondertes Pflegehonorar abgedeckt werden soll, wie es die Partner einer möglichen Großen Koalition planen, wertete Isfort positiv. „Dann gäbe es für die Kliniken keinen Anreiz mehr, weniger Personal einzustellen.“

Interdisziplinäres Netzwerk forscht für die Praxis

Peter Nydahl vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zeigte auf, was gemeinsame Forschung in der Frühmobilisierung seit 2011 erreicht hat. Seitdem gibt es das interdisziplinäre und interprofessionelle Netzwerk Frühmobilisierung beatmeter Intensivpatienten mit aktuell rund 240 Mitgliedern. Zu den Projekten des Netzwerks zählen unter anderem eine Prävalenzstudie zur Frühmobilisierung beatmeter Intensivpatienten und eine Umfrage, welche Personen für die Mobilisierung verantwortlich ist. Das werde im Alltag sehr unterschiedlich oder oft auch überhaupt nicht geregelt. Außerdem schätzten unterschiedliche Professionen die Mobilisierbarkeit von Patienten teilweise signifikant anders ein.

Neben den Fachvorträgen gab es drei Workshops zu einem empathiebasierten Entlastungskonzept für Pflegende, über Sterbebegleitung und die Einführung eines strukturierten Ernährungsmanagements. Außerdem gab es eine Posterausstellung. Hier stellten fünf Studierende ihre Forschungskonzepte vor. 

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