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  • 28.06.2017

Reform der Pflegeberufe

"Die Generalistik – viele Fragen bleiben offen!"

In der vergangenen Woche hat der Bundestag die Reform der Pflegeberufe beschlossen. Wir sprachen mit dem Präsidenten des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, was das jetzt für Pflegende und Pflegeschulen bedeutet. 

Wie zufrieden sind Sie mit dem verabschiedeten Pflegeberufegesetz? 

Die generalistische Pflegeausbildung kommt. Das ist das wichtigste, auch wenn wir uns mutigere Schritte von der Regierung gewünscht hätten. Potenzielle Auszubildende können sich für die generalistische Pflegeausbildung entscheiden. Allerdings wurde der ursprüngliche Reformansatz mit diesem Kompromiss aufgeweicht und er wirft zunächst mehr Fragen auf als er Antworten liefert.

Inwiefern?

Gut ist, dass nun generalistisch ausgebildet werden kann. Eine einheitliche Regelung, künftig generalistisch auszubilden, hätte den Schulen und den Schülern Klarheit und Orientierung gegeben. Mit der jetzt möglichen Aufspaltung wird die Umsetzung eine Herausforderung. Auch den potenziellen Auszubildenden fällt die Orientierung immens schwer: Wann kommt das Gesetz, wann tritt es endlich auch in Kraft und was mache ich in der Zwischenzeit? Einen Rückgang von Ausbildungszahlen können wir uns nicht leisten.

Wird die Pflege damit tatsächlich aufgewertet oder bleibt sie nach wie vor eher Schlusslicht im europäischen Vergleich? 

Mit der Akademisierung und der Regelung vorbehaltener Aufgaben macht die Pflege einen großen Schritt nach vorne. Das wertet den Pflegeberuf auch im internationalen Kontext auf. Die weiterhin geltende Absenkung der Zugangsvoraussetzungen in den Pflegeberuf läuft dem allerdings entgegen.

Vor allem die Altenpflege sieht sich als Verlierer. Wie sehen Sie das? 

Die Altenpflege ist sicherlich der Verlierer des jetzigen Beschlusses. Trotzdem müssen wir nun nach vorne schauen. Die generalistische Ausbildung kommt zwar schrittweise, aber sie kommt. Nun müssen wir abwarten, wie die Reform umgesetzt wird und für welche Ausbildung sich die Auszubildenden entscheiden. 

Noch fehlt die notwendige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Ist es nicht fast fahrlässig, ein Gesetz zu verabschieden, dessen konkrete Inhalte man noch nicht kennt? 

Wir hätten uns gewünscht, dass beides, das Gesetz sowie die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, verabschiedet worden wäre. Aber nun kommt das Gesetz scheibchenweise. Problematisch ist, dass man zwar jetzt das Gesetz verabschiedet hat, es aber nicht in Kraft treten lässt, und ein neuer Bundestag über die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung abstimmen soll. Möglicherweise gibt es dann wieder langwierige Diskussionen mit den Bedenkenträgern und wir verlieren noch mehr Zeit. Jetzt ist uns vor allen Dingen wichtig, dass die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung unter maßgeblicher Beteiligung des Deutschen Pflegerats sowie unter Einbeziehung von Experten aus Bildung und Wissenschaft entwickelt wird.

Über die Berufereform wurde monatelang teils heftig diskutiert. Das Chaos ist aber immer noch nicht beseitigt. Vor allem Ausbildungsstätten fühlen sich desorientiert und erwarten einen massiven organisatorischen Mehraufwand. Wie bewerten Sie die Situation? 

Die Reform schafft Mehraufwand für Schulen, Träger und Auszubildende. Sie ist schwer zu durchschauen und handzuhaben. Benötigt werden verschieden Curricula und es müssen verschiedene Ausbildungsgänge angeboten werden. Da stellen sich viele Fragen, auf die es bisher keine Antworten gibt. Was tut eine Ausbildungsstätte, bei der sich von 30 Auszubildenden nach zwei Jahren nur zwei für die Altenpflege entscheiden? Hier gibt es also noch viel Klärungsbedarf. 

Was raten Sie jetzt den Pflegeschulen und Bildungszentren?

Ich rate ihnen ab 2020 "generalistisch" auszubilden.

Herrr Westerfellhaus, herzlichen Dank für das Gespräch.

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