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  • 04.09.2018
  • Praxis

Grundlagen pflegerischen Handelns

Was bei der Grundpflege zu beachten ist

Die Grundpflege ist für Pflegende und Pflegebedürftige gleichermaßen eine sensible Angelegenheit. Gleichzeitig ist dieser intime Moment kostbar und kann zu einer vertrauensvollen Pflegebeziehung führen. Was sollten Pflegende bei der Grundpflege beachten? Wie und mit welchen Materialien sollte eine Ganzkörperwäsche ablaufen? Der Beitrag klärt typische Fragen und gibt konkrete Anleitung. 

Wenn professionell Pflegende die Körperpflege übernehmen, dann mit dem Bewusstsein, dass ein Eingriff in die Intimsphäre erfolgt, den keiner gern zulässt. Gefühle wie Scham aber auch Ekel vor sich selbst sind begleitet von Verzweiflung, sich nicht mehr selbst pflegen zu können. Es braucht eine Zeit der Auseinandersetzung mit der eigenen veränderten Lebenssituation, ehe Pflegebedürftige Unterstützungen zulassen können. Auf Seiten der Pflegenden erfordert es viel Sensibilität und Geduld, um diese Probleme wahrzunehmen und sich auf den Patienten einzulassen. 

Probleme und Ziele bei der Körperpflege

Auch ein pflegebedürftiger Mensch hat ein elementares Bedürfnis, erfrischt zu sein, gut zu riechen und sich wohl zu fühlen. Solange es allein möglich ist, kümmert sich jeder Mensch selbst darum. Dann geht es niemanden etwas an, wann, wie und in welcher Weise die Körperpflege erfolgt. Ob Baden, Duschen oder Waschen, jeder von uns entwickelt alltägliche Rituale, die uns wichtig sind. Ist die Körperpflege nicht mehr allein möglich, müssen wir anderen Menschen deutlich machen, welche Rituale uns wichtig sind und auf was wir verzichten können. Wir müssen andere Menschen ganz nah an uns heranlassen, damit sie sich unserer Hilflosigkeit annehmen. Jemand sieht uns nackt, hilfebedürftig und vielleicht auch ein wenig ungepflegt. Hinzu kommen diverse Krankheitssymptome, eine allgemeine körperliche Schwäche und das Bewusstsein, vielleicht selbst für kleinste Bewegungen einer Unterstützung zu bedürfen. Der Lebenspartner, die Tochter, der Enkel oder die Pflegenden greifen dann in einen hochprivaten Lebensbereich ein.

Aus Sicht der Pflegenden ergeben sich wiederum folgende Probleme und Ziele:

Probleme:

  • Die Körperpflege eines anderen Menschen zu übernehmen bedeutet, in einen hochprivaten Intimbereich einzudringen,
  • Hemmungen, in die Privatsphäre eines anderen einzudringen, obwohl es notwendig ist,
  • die Nähe des Pflegebedürftigen zulassen zu müssen,
  • der eigene Ekel vor dem Bedürftigen,
  • den Grad einer möglichen Aktivierung und Ressourcennutzung zu erkennen.

Ziele:

  • der Patient ist aktiviert,
  • die Selbstpflegekompetenz des Bedürftigen ist gesteigert,
  • die Bedürfnisse des Patienten in Bezug auf sein körperliches Wohlbefinden sind erkannt,
  • gegenseitiges Vertrauen,
  • eine professionelle Pflegebeziehung ist aufgebaut,
  • die Sicherheit des Bedürftigen in dieser Pflegesituation ist gewährleistet,
  • die Intimsphäre bleibt gewahrt,
  • körperliches Wohlbefinden des Patienten ist gewährleistet.

Aus Sicht des Pflegebedürftigen ergeben sich folgende Probleme und Ziele:

Probleme:
Sich bei der Körperpflege unterstützen lassen (müssen) bedeutet:

  • von jemandem gewaschen werden,
  • von jemanden nackt gesehen werden,
  • sich vor sich selbst zu ekeln,
  • Scham zu empfinden, nicht mehr allein zurecht zu kommen,
  • Hilfe annehmen müssen.

Ziele:

  • Ich bin gern gepflegt und möchte mich wohlfühlen.
  • Ich möchte mich wieder selbst waschen und kleiden können.
  • Ich möchte eigentlich bei der Körperpflege allein sein.
  • Ich will meine „Waschgewohnheiten" beibehalten.

Pflegende und Pflegebedürftige verfolgen also eigentlich ähnliche Ziele. Während der Bedürftige danach strebt, sich wieder selbst pflegen zu können, zielt die pflegerische Unterstützung darauf ab, dieses Ziel schrittweise zu ermöglichen. Außerdem ist die Unterstützung bei der Körperpflege gut geeignet, den Bedürftigen intensiv zu beobachten, zu befragen und ganz allgemein in ein Gespräch zu kommen. Einerseits festigt sich darüber eine vertrauensvolle Pflegebeziehung, andererseits können neue Pflegeprobleme und auch Ressourcen zeitnah erkannt werden.

Beispiele für mögliche Beobachtungen während der Körperpflege:

  • Zustand der gesamten Haut sowie des Hautturgors und der Hautfarbe,
  • Verletzungen der Haut oder Schleimhäute,
  • Aussehen von Finger- und Zehnägeln sowie Kopf- und Körperhaar,
  • an der Haut sichtbare Infektionszeichen wie Rötung, Schwellung, Überwärmung,
  • Beweglichkeit des Körpers, insbesondere Arme, Beine, Hände, Kopf und Rumpf,
  • krankheitsbedingte Einschränkungen wie Schmerzen, Lähmungserscheinungen, Beweglichkeitseinschränkungen,
  • das Erkennen von neurologischen Problemen wie Konzentrationsstörungen und Gedächtnislücken,
  • Motivation des Patienten und der geäußerte Eigenwille,
  • Beurteilung der Eigenaktivität und der Belastungsgrenzen des Patienten,
  • Zeichen der Wachheit.

Materialien zur Körperpflege

Prinzipiell können die Handtücher und Waschlappen des Patienten auch in einer Einrichtung des Gesundheitswesens genutzt werden. Voraussetzung ist dabei, dass ein regelmäßiger Wechsel erfolgen kann. Gut geeignet sind Handtücher und Waschlappen in mehreren Farben, damit eine Zuordnung zu den Körperbereichen, die damit gewaschen werden, einfacher wird. Auch private Seifen und Hautpflegemittel wie Lotion oder Gesichtspflege können weiterbenutzt werden.

Die Materialien gehören auf einen Nachtschrank oder einen separaten rollbaren Tisch. Bevor das Material dort abgelegt wird, sollte die Fläche desinfiziert werden und private Utensilien aus dem Weg geräumt sein. Zur Vorbereitung gehört auch das Schließen des Fensters, die eventuell notwendige Erhöhung der Zimmertemperatur und das Schaffen eines Bereiches, der ein bisschen Privatsphäre zulässt – eine fahrbare Trennwand zum Beispiel braucht nicht viel Platz und ist einfach zu platzieren. Sich ungestört zu waschen beziehungsweise gewaschen zu werden ist in Krankenhäusern aber oft nicht möglich. Am Morgen können Untersuchungstermine, Blutentnahmen oder auch die Visite den Ablauf unterbrechen. Mit einem Türschild ließe sich dies Problem angehen, doch trotz Empfehlungen (1) wird es in der Praxis selten genutzt.  

Materialien zur Körperpflege:

  • 2-3 Handtücher
  • 2 Waschlappen (WL) in zwei Farben
  • 3-5 Einmalwaschlappen
  • flüssige Seife oder Syndet (oder ein Seifenstück des Patienten)
  • Hautpflegeprodukte des Patienten
  • frische Kleidung für den Bedürftigen
  • frische Bettwäsche (sofern erforderlich)
  • 1 Waschschale
  • eventuell Inkontinenzmaterialien
  • Spiegel und Kamm
  • Bürste für Haarpflege
  • Händedesinfektionsmittel
  • Einmalhandschuhe
  • Einmalschürze (sofern vorhanden)
  • Flächendesinfektionsmittel

Der Ablauf einer Körperpflege

Steht das Material bereit, sind zunächst die individuellen Bedürfnisse des Patienten abzuklären. Je nach aktuellem Aktivierungsgrad kann die Körperpflege liegend, halb sitzend, an der Bettkante sitzend oder am Waschbecken erfolgen. Außerdem ist eine Unterstützung beim Duschen möglich. Die Temperatur des Waschwassers, Seifenzusatz und das Bereitlegen der Sachen wird gemeinsam abgesprochen. Kann sich der Bedürftige nicht mitteilen, empfiehlt es sich zum einen, Informationen bei seinen Angehörigen zu den individuellen Wünschen zu beschaffen und andererseits ein systematisches Waschritual anzuwenden, das an jedem Tag gleichermaßen wiederholt wird. Dieses Muster der Pflegehandlungen stärkt die Wiedererkennungseffekte für den Patienten und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Der eigentliche Ablauf des Waschens ist den Patientenbedürfnissen und Wünschen anzupassen. Möglich wäre der folgende Beginn: Der Bedürftige prüft zunächst die Wassertemperatur. Mit seiner jetzt nassen Hand erhält er einen Waschlappen, den er für Arme und Oberkörper, aber auch das Gesicht nutzen kann. Die weitere Reihenfolge des Waschens folgt dann den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen.

Der hier vorgestellte Ablauf einer Ganzkörperwäsche im Bett ist demnach eine mögliche Variante von vielen:

  1. Prüfen der Wassertemperatur durch die Hand des Patienten,
  2. ein Handtuch unter den Kopf legen (Bettschutz),
  3. Gesicht ohne Seifen- oder Syndetzusatz waschen,
  4. Gesicht gut abtrocknen, dabei zunächst Stirn und Wangen waschen, dann die Augen von außen nach innen und am Schluss die Ohren nicht vergessen,
  5. eventuell Gesicht eincremen,
  6. den Oberkörper entkleiden, Decke oder Handtuch als Sichtschutz und zum Wärmen des Patienten auflegen,
  7. das Bett mit einem Handtuch vor Nässe schützen, es wird unter den jeweils zu waschenden Bereich gelegt,
  8. jetzt je nach Wunsch des Patienten Seife oder Syndet zusetzen,
  9. Oberkörper waschen, dabei nur den Bereich aufdecken, der zunächst gewaschen werden soll,
  10. zuerst den von der Pflegekraft körperfernen Arm waschen und abtrocknen,
  11. den zweiten Arm waschen und abtrocknen,
  12. Brust und Bauch waschen und abtrocknen,
  13. eventuell den Oberkörper eincremen oder Deodorant des Patienten nutzen,
    Variante 1: Patient aufsetzen lassen und den Rücken waschen und abtrocknen, eventuell Rücken eincremen
    Variante 2: Patient kann nicht aufsitzen, dann erfolgt das Rückenwaschen in Seitenlage zu einem späteren Zeitpunkt,
  14. Ankleiden mit frischer Oberbekleidung,
  15. die Bettdecke entfernen, zusammenlegen und bettnah lagern,
  16. die Beine und Füße waschen, dabei zunächst das von der Pflegekraft entfernt liegende Bein und den Fuß waschen und mit einem zweiten Handtuch abtrocknen,
  17. bei Vorliegen einer Infektion an den Füßen zunächst nur die Beine waschen und abtrocknen,
  18. die Füße mit je einem separaten Einmalwaschlappen waschen und sorgfältig mit einem separaten Handtuch abtrocknen (Zehenzwischenräume nicht vergessen!),
  19. eventuell Beine eincremen und Fersen eincremen.

Bis hier ist das Tragen von Einmalhandschuhen nicht notwendig (Ausnahmen sind isolierte Patienten).

Intimpflege

Das Waschwasser für die Intimpflege sollte ohne Seife vorbereitet sein. Alternativ können ausschließlich Einmalwaschlappen benutzt werden, die am Waschbecken frisch vorbereitet werden. Private Waschlappen sollten eine andere Farbe haben und  an einem bestimmten Platz lagern.  Bei groben Verschmutzungen werden immer Einmalwaschlappen benutzt.
Und: Zur Intimpflege werden Einmalhandschuhe getragen!

Ablauf Intimpflege bei der Frau:

  1. Beine aufstellen lassen oder mit Hilfe aufstellen und leicht spreizen lassen,
  2. eventuell Inkontinenzmaterial entfernen beziehungsweise die Unterwäsche ausziehen,
  3. die äußeren Labien waschen, die Waschrichtung führt von den Symphyse Richtung Anus,
  4. die inneren Labien waschen, Waschrichtung wie eben einhalten und gut abtrocknen,
  5. insbesondere Hautfalten gut abtrocknen,
  6. eventuell spezielle Hautpflege durchführen.


Bei der Nutzung von Einmalwaschlappen gilt: 1 WL für die äußeren Labien, 1 WL für die inneren Labien. UND: Die Waschrichtung bleibt immer gleich, um Schmierinfektionen vorbeugen.

Ablauf Intimpflege beim Mann:

  1. 1 WL Hoden und Penisschaft waschen, dabei die Waschrichtung (siehe Frau) beachten,
  2. Vorhaut zurückziehen,
  3. 1 WL zum Waschen der Eichel,
  4. den gesamten Bereich gut abtrocknen, insbesondere die Hautfalten,
  5. Vorhaut wieder vorschieben.


Für beide Formen der Intimpflege gilt: Auf ungewöhnliche Hautveränderungen, Gerüche und Ausfluss achten.

Waschen von Rücken und Gesäß

Kann der Patient sich nicht aufsetzen, erfolgt in Seitenlage das Waschen des Rückens und des Gesäßes:

  1. Patient in eine gesicherte Seitenlage bringen (zweite Pflegeperson erforderlich, Halt an der Bettseite anbringen),
  2. das Laken mit einem Handtuch vor Nässe schützen,
  3. zunächst den Rücken waschen und abtrocknen, dabei bedenken, dass der Patient auf einem Teil seines Rückens liegt, der zunächst ungewaschen bleiben muss,
  4. evtl. Hautpflege,
  5. evtl. Atemübungen mit dem Patienten durchführen,
  6. Waschen des Gesäßes (Einmalhandschuhe tragen), dabei die Waschrichtung beachten (Vorgehensweise wie bei der Frau),
  7. bei grober Verschmutzung Einmalwaschlappen nutzen,
  8. Haut gut abtrocknen,
  9. eventuell Hautpflege,
  10. eventuell Erneuern des Lakens und der Patientenunterlage (falls erforderlich),
  11. eventuell Inkontinenzmaterial vorbereiten oder Unterwäsche anziehen, soweit in dieser Lage möglich,
  12. Drehen des Patienten auf die andere Seite (das Waschen der anderen Seite von Rücken und Gesäß nach dem Drehen wird oft vergessen),
  13. Waschen der fehlenden Rücken- und Gesäßanteile,
  14. gut abtrocknen,
  15. eventuell Hautpflege,
  16. den Patienten wieder in eine bequeme Lage bringen und eventuell weiter anziehen,
  17. Klingel bereitlegen,
  18. das Bett herunterfahren,
  19. den Nachtschrank aufräumen und erneut desinfizieren,
  20. die privaten Sachen wieder in Griffnähe legen,
  21. eventuell angefallenen Müll  und benutzte Wäsche sowie Materialien korrekt entsorgen.


Wichtig bei der Ganzkörperpflege ist die Aktivierung des Pflegebedürftigen. Das stärkt seinen Mut, motiviert und macht beiden Seiten deutlich, wie hoch der Hilfebedarf vielleicht auch auf längere Sicht sein könnte.  

Neues von der Körperpflege

Im Verlauf der vergangenen Jahre hat es einige Entwicklungen im Bereich der Pflegematerialien zur Körperpflege gegeben. Inzwischen können Pflegebedürftige mit Feuchttüchern gewaschen werden. Es gibt präparierte Materialien, so dass sogar eine MRSA-Behandlung mit ihnen erfolgen kann. Wasser, Waschschale und andere Waschlappen sind dann nicht mehr notwendig. Ein Paket der Tücher reicht genau für eine komplette Ganzkörperpflege. Sie können mit der Verpackung in der Mikrowelle (für circa 18 Sekunden bei 1000 Watt) erwärmt werden und sind dann angenehm warm für die Anwendung. Feuchttücher halten aber auch Einzug in die Pflege, wenn es um die Intimpflege des Patienten geht. Die groben Verschmutzungen werden zunächst herkömmlich entfernt, danach können Feuchttücher das Waschen mit Einmalwaschlappen ersetzen. Die Anbieter werben für eine gute Hautverträglichkeit – zum Beispiel durch den Zusatz von Silikon.  Auch Seifen beziehungsweise Syndets haben sich weiterentwickelt. Sie haben inzwischen den Anspruch, hypoallergen und bakterizid zu sein sowie für eine Rückfettung der Haut zu sorgen.

Für die Haarwäsche sind neben mobilen Waschwannen mit Abfluss in vielen Ausführungen auch sogenannte Waschhauben entwickelt worden, die eine Haarwäsche ohne Wasserkontakt ermöglichen. Der Kopf und die Halswirbelsäule werden dabei komplett entlastet. Diese Form der Haarwäsche erfordert von den Pflegenden nur noch das Aufsetzen der Haube, das Einhalten der Einwirkzeit und die Entfernung der Haube sowie das Trocknen und Frisieren der Haare.

Das Prinzip der Ganzkörperpflege hat sich hingegen wenig verändert. Heute wird insgesamt weniger strikt auf einen bestimmten Ablauf geachtet. Solange hygienisch gearbeitet wird, ist die Reihenfolge individuell für den Patienten anpassbar. Wichtig ist es, den Pflegebedürftigen zu aktivieren und seine Ressourcen zu unterstützen. Neu aber ist die Möglichkeit, auch zum Thema Körperpflege zu beraten und anzuleiten. Mögliche Themen für ein Gespräch könnten Unterstützungsmaßnahmen für zu Hause sein – zum Beispiel Hilfsmittel für einen sicheren Zugang in die eigene Dusch- oder Badewanne (Lifter, Griffe, spezielle Sitze).

Typische Fragen bei der Durchführung der Körperpflege

Pflegeanfänger als auch Pflegende mit jahrelanger Berufserfahrung stellen immer wieder fest, dass sie sich bei bestimmten Fragen zum Thema Ganzkörperpflege unsicher fühlen.

Oft kommt beispielsweise die Frage auf, ob das Waschwasser gewechselt werden muss. Aus der Darstellung oben geht hervor, dass das Wasser gewechselt werden muss, wenn es Seife enthält und eine Intimpflege vorgesehen ist. Außerdem muss man das Wasser wechseln, wenn eine Pilzinfektion an Körperteilen (Leistengegend, Füße) vorliegt. Eine Ausnahme ist die Verwendung von Einmalwaschlappen für die erkrankten Hautanteile. Dabei darf der benutzte Waschlappen nicht erneut in das eigentliche Waschwasser getaucht werden.

Eine weitere typische Frage lautet, welche Körperstellen ohne Seife gewaschen werden. Die Antwort: Intimbereich und Gesicht sowie der gesamte Patient werden ohne Seife gewaschen, wenn er auf verschiedene Materialien allergisch reagiert und spezielle Pflegemittel nicht verträgt. Gerade der Intimbereich ist empfindlich. Dort sollte das typische Hautmilieu nicht durch Seifennutzung zerstört werden.

Wann werden Einmalwaschlappen eingesetzt, ist eine weitere Frage. Man nutzt den Einmalwaschlappen für das Waschen des Intimbereiches, wenn man das Waschwasser nicht wechseln möchte und der Einmalwaschlappen direkt am Wasserhahn gut befeuchtet werden kann. Wenn eine Hauterkrankung (zum Beispiel eine Pilzinfektion) vorliegt, nutzt man Einmalwaschlappen, um eine Ausbreitung des Hautproblems zu vermeiden. Einmalwaschlappen eignen sich auch für die gesamte Körperpflege – insbesondere dann, wenn die Gefahr besteht, dass durch private Wäschenutzung ein immunabwehrgeschwächter Mensch zusätzlich gefährdet werden würde.

Oft klagen Pflegende über den fehlenden Platz im Patientenzimmer und häufig wissen sie nicht so recht, wohin mit den zur Körperpflege notwendigen Pflegematerialien. Die Waschschale gehört auf eine vorab desinfizierte Fläche des Nachtschrankes. Daneben kommen frische Handtücher und Waschlappen. Hautpflegeprodukte und Seifen des Patienten können dort auch liegen. Benutzte Handtücher gehören nicht in das Bett, sondern entweder in den Abwurf oder sie erhalten einen Platz auf der anderen Seite neben der Waschschale. Verschmutzte Handtücher immer sofort in den Wäscheabwurf geben. Nicht benutzte Materialien, die schon direkt am Patient gelagert wurden, dürfen nicht wieder als „sauber" mit zum nächsten Patienten genommen werden. Diese Materialien müssen am Patienten verbleiben. Die Nutzung von Feuchtpflegetüchern zur Ganzkörperwäsche führt dazu, dass man nur noch mit den Tüchern (eine Packung) und zwei Handtüchern zum Patienten gehen muss. Platzprobleme gibt es dann am Patientenbett nicht mehr.

Immer wieder sind die Unsicherheiten groß, wenn es darum geht, zu entscheiden, wann bei der Ganzkörperpflege der Einsatz der Händedesinfektion und das Tragen von Einmalhandschuhen erforderlich sind. Mit Blick auf die "five moments" erolgt die Händedesinfektion unter anderem mit Betreten des Patientenzimmers, vor jedem Griff an saubere Wäsche oder Kleidung, an Schränke, bei notwendigen Gängen zum Nachbarbett sowie vor und nach jedem Patientenkontakt. Handschuhe zu tragen ist bei der gesamten Körperpflege erlaubt. Handschuhe während der Körperpflege zu tragen, ist zu jedem Zeitpunkt angezeigt, vor allem wenn damit zu rechnen ist, dass es zu Kontakt mit potenziell infektiösem Material kommt. Das ist beispielsweise bei der Intimpflege und im Umgang mit verschmutzten Inkontinenzmaterialien und Ausscheidungen erforderlich. Denn der Eigenschutz geht an dieser Stelle vor. Muss beispielsweise ein Patient aufgrund einer Infektion isoliert werden, so gelten zusätzlich die dafür festgelegten Hygieneregeln, also auch jene für das Tragen von Einmalhandschuhen. Bei Unsicherheiten gibt es dazu eine Empfehlung des RKI sowie eine Regelung durch die TRBA 250. Eine häufige Frage lautet auch: Wasche ich erst die Beine und dann die Füße oder ist es egal? Auf diese Frage gibt es keine Pauschalantwort. Liegt eine Pilzinfektion an den Füßen vor, dann sollte man zunächst die Beine waschen und für die Füße gesondert vorgehen, zum Beispiel unter Verwendung von Einmalwaschlappen und einem separatem Handtuch.

Materialkosten kritisch hinterfragen

Gerade heute sind Pflegende oft in Eile, huschen durch die Zimmer und für eine konsequente für beide Seiten (Patienten und Pflegende) zufriedenstellende Form der Körperpflege bleibt oft zu wenig Zeit. Gerade dieser Aspekt hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass neue Pflegeprodukte auf den Markt kommen, die damit werben, einfach im Gebrauch, hygienisch in der Anwendung und zeitsparend zu sein. Bei genauerer Betrachtung dieser Entwicklung ist es sinnvoll, neben den Zeitaspekten und den Auswirkungen für die Pflegebedürftigen auch die Materialkosten kritisch zu hinterfragen. Anstatt zu unterstützen, zu motivieren und die Ressourcen des Patienten zu aktivieren, wird manchmal oder vielleicht auch häufiger nicht geduldig abgewartet, ob der Pflegebedürftige sich zumindest in Anteilen selbst waschen kann. Da wird der Waschlappen selbst übernommen, weil es doch schneller geht. Doch die Körperpflege ist als klassische pflegerische Aufgabe ein wichtige Tätigkeit, um Patienten zu beobachten, miteinander zu sprechen, zu motivieren und zu aktivieren. Diese Neben-Aspekte der Körperpflege werden häufig unterschätzt. Die Unterstützung bei der Körperpflege verkommt in der Pflege gern als täglicher Ballast, der viel von kostbarer Pflegezeit schluckt, aber im Ergebnis nur wenig bringt. Dabei kann gerade diese Form der Unterstützung intensiv dazu beitragen, dass eine vertrauensvolle Pflegebeziehung entsteht.

Literatur:

(1) Pflege heute, 4. Aufl., 2008
(2) Thiemes Pflege, 11. Aufl., 2009
(3) In guten Händen, Band 1: Pflegerische Kernaufgaben, 2007
(4) In guten Händen, 2010 Pflegebasiswissen, Schülerbuch

 

 

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