Korrekte hygienische Händedesinfektion ist die wirksamste Prävention von nosokomialen Infektionen. Zusätzlich dienen Schutzkleidung und spezielle Vorgehensweisen beim Legen von zentralen Venenkathetern der Sicherheit der Patienten und des Pflegefachpersonals. Unsere Autorin gibt eine Vielzahl an Praxistipps und einen Einblick in das Hygiene Empowerment am Universitätsklinikum Heidelberg.
400.000 bis 600.000 behandlungsassoziierte Infektionen treten laut Schätzung des Robert Koch-Instituts pro Jahr in deutschen Krankenhäusern auf. Davon verlaufen 10.000 bis 20.000 Infektionen tödlich [1]. Laut Aussage einiger Studien ist ein Drittel dieser Infektionen vermeidbar [2].
Die hygienische Händedesinfektion zählt zu den wirksamsten evidenzbasierten Einzelmaßnahmen zur Unterbrechung der Infektionsketten und zur Prävention von nosokomialen Infektionen [3]. Daneben dient die korrekte Anwendung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) dem Schutz der Beschäftigten und leistet einen Beitrag zur Vermeidung von Keimverschleppung und -übertragung [4]. Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen wären bis zu 70 Prozent vermeidbar, würden präventive Maßnahmen bei der Anlage und Pflege konsequent umgesetzt [5].
Ungenügende Infektionsprävention
Das Aalener Institut für Unternehmensführung untersuchte im Jahr 2019 im Rahmen einer Studie die Hygiene-Compliance in Krankenhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mittels eines Online-Fragebogens, bestehend aus geschlossenen und offenen Fragen, wurden zufällig ausgewählte 1.077 Krankenhäuser per E-Mail kontaktiert. Die Studienteilnahme lag bei 15 Prozent und zeigte, dass im Bereich der Hände- und Flächenhygiene nach wie vor Nachholbedarf besteht.
Noch immer werden nicht alle in hygienischen Belangen verantwortlichen Mitarbeitenden ihrer Verantwortung gerecht und halten die Regeln der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht ein. Als Rechtfertigungsgründe für die Nichteinhaltung nennen sie nach wie vor Stress, Zeitmangel und personelle Unterversorgung [6] oder eine nicht ausreichend vorhandene Zahl an Desinfektionsmittelspendern [7].
Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte 2016 im Rahmen der neuen Empfehlung zur Händehygiene aktuelle Zahlen zur Compliance-Rate, die mit einer hohen Variationsbreite zwischen 41 und 55 Prozent lag [8].
Über mittlerweile 200 Jahre währende Erkenntnisse des Frauenarztes Ignaz Semmelweis, regelmäßig wiederkehrende Aufrufe der WHO [9] und der seit 2009 initiierte Internationale Tag der Händehygiene, die Kampagne „Aktion saubere Hände“ – vom Bundes ministerium für Gesundheit, vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung 2008 ins Leben gerufen –, haben die Compliance verbessert [10].
Die Umsetzung dieser effektivsten Einzelmaßnahme der Infektionsprävention ist allerdings noch immer ungenügend [11–14]. Die seit 2019 empfohlene Einwirkzeitreduktion von vormals 30 Sekunden auf 15 Sekunden trägt erheblich dazu bei, die Compliance zu erhöhen [15]. Diese Empfehlung ist annehmbar, da eine Studie aufzeigte, dass sich mit einer auf 15 Sekunden verkürzten Einwirkzeit die Häufigkeit der Händedesinfektion von 5,8 auf 7,9 Anwendungen pro Stunde signifikant verbessern ließ [16].
Laut Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS), das für Deutschland Daten zur Häufigkeit der Katheter-assoziierten Sepsis (CABSI, catheter associated blood stream infections) zur Verfügung stellt, beträgt die via zentralen Venenkatheter (ZVK) assoziierte Sepsisrate auf Intensivstationen in Deutschland im Mittel mindestens 1,1 Sepsisfälle pro 1.000 ZVK-Tage [17]. Dies sind 20.000 nosokomiale primäre Sepsisfälle pro Jahr, von denen die meisten bei Patientinnen und Patienten mit Gefäßkathetern auftreten [18].
Nicht nur die Einhaltung einer Einzelmaßnahme, wie der hygienischen Händedesinfektion, vermeidet nosokomiale Infektionen, sondern auch die Anwendung von Maßnahmenbündeln für einzelne Interventionen. Um diese Maßnahmenbündel konsequent einzuhalten, anzupassen, zu schulen und zu evaluieren, benötigt es starke Teams und interprofessionelle Zusammenarbeit.
Zur Vermeidung nosokomialer Infektionen dienen neben anderen exemplarisch drei Maßnahmenbündel für Händehygiene, persönliche Schutzausrüstung (PSA) und die Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen.
Maßnahmenbündel Händehygiene
Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen zählen alle Maßnahmen, die dem Eigenschutz dienen und das Übertragungsrisiko reduzieren. Die zweifelslos wichtigste Maßnahme ist die Händehygiene.
Hände waschen, desinfizieren und pflegen
Hände desinfizieren (wann) – die fünf Momente der Händehygiene [8]:
- vor Patientenkontakt
- vor jeder aseptischen Tätigkeit
- nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten und nach dem Ausziehen der Handschuhe
- nach Kontakt mit dem Patienten
- nach Kontakt mit der Patientenumgebung
Hände desinfizieren und pflegen (wie):
- eigenverantwortliche Händedesinfektion – nur trockene Haut, mit 3 ml Desinfektionsmittel, 15 Sekunden Einwirkzeit
- weder Ringe noch Unterarmschmuck, auch keine Uhren, tragen
- Fingernägel mit den Fingerkuppen abschließend kurz geschnitten halten und unlackiert [19]
Hände waschen und desinfizieren (wann):
Händewaschung mit einer schwach sauren (pH 5,5) oder pH-neutralen Waschlotion
- vor Dienstbeginn
- nach Dienstschluss
- nach Toilettengang
- vor und nach einer Pause
- nach jedem Naseputzen Hände desinfizieren [8, 20]
Praxistipp. Hände mit Wasser und Seife nur bei genannter Indikation, bei sichtbarer Verschmutzung und nach möglicher oder erfolgter Kontamination mit Clostridioides diffcile waschen. Hände nach dem Waschen nur desinfizieren, wenn diese vollständig getrocknet sind. Staunässe in Handschuhen vermeiden. Sind Handschuhe länger zu tragen, vorher eine Hautschutzcreme auftragen. Zur Verbesserung der Hautverträglichkeit sollten Händedesinfektionsmittel farbstoff- und parfümfrei sein. Unterschiedliche Handschutzcremes sollten zur Verfügung stehen.
Handschuhe reduzieren Übertragungsrisiko
Das Tragen von Handschuhen reduziert das Übertragungsrisiko von Erregern – ohne absoluten Schutz vor Kontamination, da stets Perforationsgefahr besteht. Schutz- oder OP-Handschuhe nur anziehen, wenn die Hände trocken sind. Bei Feuchtigkeits- und Desinfektionsarbeiten immer Handschuhe tragen. Nach dem Ablegen der Handschuhe sind die Hände immer zu desinfizieren.
Nicht sterilisierte Handschuhe tragen
- zum Waschen des Patienten
- zur Unterstützung und Durchführung der Mundpflege
- zur Blutentnahme und zum Anlegen peripherer Verweilkanülen
- bei Kontaktgefahr mit potenziell oder sichtbar kontaminiertem Material (Urin, Stuhl, AP-Beutel)
- vor jedem Kontakt mit Flächendesinfektionsmitteln
Sterile Handschuhe tragen
- zum Verbandwechsel von Wunden, Kathetern, Drainagen
- zum Wechsel einer Trachealkanüle
- zum endotrachealen Absaugen
- zum Legen eines Urinkatheters
- bei invasiven Maßnahmen, zum Beispiel ZVK-Anlage, Einschwemmen von Rechtsherzkathetern, Bronchoskopien, Einlegen von Thoraxdrainagen
Schutzhandschuhe sicher ausziehen
- Außenseite von außen anfassen – Innenseite von innen anfassen [21]
- am besten über einem Abfallbehälter nach der Elf-Schritte-Methode
Maßnahmenbündel Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Neben der Händehygiene gehören auch Kleidung, Schutzkittel, Mundschutz und Schutzbrille zu den persönlichen Schutzmaßnahmen.
Schutzkleidung
Auf Intensivstationen trägt das Pflegepersonal Bereichskleidung, die der sichtbaren Abgrenzung zu anderen Bereichen dient. Bereichskleidung ist keine Schutzkleidung und ist mittels Schutzkleidung (Schutzkittel) bei zu erwartender Kontamination zu schützen. Mindestens täglich, aber sofort bei erfolgter oder sichtbarer Kontamination ist diese zu wechseln. Mitbehandelnde, die keine Bereichskleidung tragen, wie Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Konsiliarärztinnen und -ärzte, ziehen sich während des direkten Patientenkontakts Schutzkittel an.
Schutzkittel sind bei allen Patientenkontakten mit möglicher Kontamination einzusetzen, zum Beispiel
- bei der Unterstützung von Ausscheidungen (Stuhl, Urin, Blut, Sekrete, Erbrechen),
- zum Schutz vor Nässe bei der Körperpflege (gegebenenfalls Plastikschürzen),
- bei Verbandwechseln,
- bei Mobilisation und jedem nahen Kontakt mit dem Patienten (Pflege).
Mund-Nasen-Schutz
Alle Masken
- müssen gut sitzen und dicht am Gesicht anliegen.
- nicht „herunterhängend“ tragen, sondern nach Beendigung der Maßnahme sofort entsorgen.
- sind kontaminiert.
Deshalb müssen die Hände, nachdem die Maske angefasst wurde, desinfiziert werden. Zu unterscheiden ist zwischen chirurgischen Masken und sogenannten FFP („face filtering piece“) Typ 2 oder 3:
- Chirurgische Masken verhindern die Übertragung via aerogener Infektionen vom Behandelnden zum Patienten und vom Patienten zum Behandelnden (Influenza, Meningokokken, Norovirus).
- FFP Typ 2 oder 3 sind partikelfiltrierende Atemschutzmasken zum Eigenschutz bei der Behandlung von Patienten mit zum Beispiel Tuberkulose, SARS (schweres akutes respiratorisches Syndrom) oder COVID-19.
Schutzbrillen
Schutzbrillen sind zu tragen als Kontaminationsschutz der Augen vor potenziell infektiösem Material oder bei bestehenden Infektionen, zum Beispiel Influenza, Hepatitis B und C, COVID-19, während
- Punktionen,
- Bronchoskopien,
- Intubationen oder dem Absaugen.
Angehörige auf Intensivstationen
Alle Angehörigen
- sind stets in die Händehygiene einzuweisen.
- benötigen nur spezielle Schutzkittel, wenn die zu besuchenden Patienten MRE-besiedelt oder umkehrisoliert sind.
- benötigen eine Mund-Nasen-Maske, wenn sie selbst den Verdacht auf eine Infektion haben oder der Patient infiziert ist.
Maßnahmenbündel Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen
Blutstrominfektionen, ausgehend von Gefäßkathetern, sind eine häufige Form nosokomialer Infektionen. Präventive Maßnahmen sind daher sowohl beim Legen von Kathetern als auch für deren Pflege angezeigt.
Legen eines ZVK
Für die Vorbereitung des Materials eine ausreichend große und freie Arbeitsfläche bereitstellen, die leicht zu reinigen und zu desinfizieren ist [5]. Welche Aufgaben medizinisches und pflegerisches Personal hat, verdeutlicht Tabelle 1.
Pflege des Katheters
Die Katheterpflege dürfen nur geschulte Pflegefachpersonen übernehmen, die alle zwei Jahre eine Kompetenzerhaltungsschulung absolvieren, damit sie ihre Fähigkeiten trainieren und ihre Abläufe evaluieren können. Erfolgt die Anlage von Kathetern seitens spezieller Katheterteams – solche sind in den USA etabliert und dort für die Anlage und Pflege der intravenösen Katheter verantwortlich –, reduziert sich die Zahl der Infektionen deutlich. Die tägliche Evaluation, ob der Katheter noch benötigt wird, ist eine infektionspräventive Maßnahme (Kat. IB) und führt dazu, 25 Prozent der Katheter früher entfernen zu können [5]. Für die Katheterpflege gilt:
- hygienische Händedesinfektion
– vor und nach jeder Manipulation am Katheter (Kat. IB)
– vor und nach jedem Verbandwechsel (Kat. IB)
- tägliche Inspektion der Verbände und Palpation der Insertionsstelle (Kat. II)
- Verbandwechsel mittels Non-Touch-Technik (Pinzette oder Watteträger, steril) oder mittels steriler Kompressen und steriler Handschuhe (Kat. IB)
- sterile Reinigung der Einstichstelle bei jedem Verbandwechsel mit steriler 0,9-prozentiger Natrium-Chlorid-(NaCl-)Lösung und Behandlung mit einem Hautantiseptikum – Chlorhexidin- oder Octenidin-haltig – unter Einhaltung der Einwirkzeit (Kat. IB)
- Wechsel der Gaze- und Pflasterverbände mindestens nach 72 Stunden, bei Patienten, die bei Palpation keine Angaben zu Schmerzen machen können, täglicher und sofortiger Verbandwechsel bei durchnässten, durchgebluteten und verschmutzten Verbänden oder wenn der Verband sich löst (Kat. II)
- transparente und Folienverbände alle sieben Tage wechseln
- sofortige Inspektion der Insertionsstelle bei Zeichen einer Infektion wie Druckschmerz, Rötung, Schwellung, Verhärtung, Fieber, Leukozyten- oder CRP-Anstieg
Ergänzende Hinweise. Für die Katheterpflege ist ferner Folgendes zu beachten:
- Es gibt keine Aussage zum Stilllegen einzelner Lumina zentraler Venenkatheter oder zum „Ruhen“ von Lumina zwischen Medikamentengaben (Kat. III).
- Doppel- und Triple-Lumen-Katheter sind bei strikter Einhaltung der Hygienerichtlinien ebenso sicher wie Ein-Lumen-Katheter (Kat. IB).
- Keine antibakteriellen Cremes oder Salben auf die Insertionsstelle aufbringen (Kat. IB).
- Kein routinemäßiger Wechsel der Katheter nach bestimmten Zeitintervallen (Kat. IA).
- Katheter, die notfallmäßig unter eingeschränkten aseptischen Bedingungen gelegt wurden, sind baldmöglichst zu wechseln (Kat. IB).
- Die Indikation eines Katheters täglich evaluieren (Kat. IB).
- Katheter bei Infektionszeichen entfernen und neu anlegen (Kat. IB).
- Die Spülung mit heparinverdünnten Lösungen bietet keinen Vorteil zu steriler 0,9-prozentiger NaCl-Lösung (Kat. II).
Hygiene Empowerment am UKHD
Der Pflegedienst der Chirurgischen Klinik und Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) hat zur Sicherstellung der Erfüllung der Hygienemaßnahmen unterschiedliche Formate unter dem Schirm „Hygiene Empowerment“ etabliert. Ziel dieses Maßnahmenbündels ist, dass alle Berufsgruppen regelmäßig in unterschiedlichen Workshops, an Aktionstagen, in Schulungen und Fortbildungen zusammen lernen, üben, sich austauschen und diskutieren.
Hygienebeauftragte in der Pflege. Laut Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) soll neben Hygienefachärzten und Hygienefachpersonal pro Station eine sogenannte Link Nurse (eine Hygienebeauftragte oder ein Hygienebeauftragter) in der Pflege benannt sein. Aufgabe der Link Nurse ist, die Regelungen und Vorgaben zur Vermeidung von Keimübertragungen und der Entstehung nosokomialer Infektionen allen Mitarbeitenden bekannt zu machen, und darauf zu achten, dass die Mitarbeitenden diese auch konsequent anwenden.
Der Arbeitskreis Hygienebeauftragte in der Pflege am UKHD, gegründet im Jahr 2010, trifft sich sechsmal im Jahr. Alle hygienebeauftragten Pflegenden und medizinischen Fachangestellten der sieben Allgemeinstationen, der drei Intensivbereiche und des Aufwachraums, der Zentral-OPs und des ambulanten OPs inklusive der Tagesklinik, der Interdisziplinären Notaufnahmen, der Sprechstunden sowie die hygienebeauftragte Physiotherapeutin und die medizinisch-technischen Assistentinnen und Assistenten für Radiologie (MTRA) sind, neben der oder dem Hygienefachpflegenden und der Pflegedienstleitung, Mitglieder dieser Gruppe.
Die Arbeitsgruppe definiert ihre Ziele nach aktuellen Vorgaben und Neuerungen, aber insbesondere nach medizin- und pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Einführung neuer Vorgehensweisen planen die Mitglieder gemeinsam und setzen sie auch gemeinsam um. Der regelmäßige Austausch stärkt das Team sowie jede Einzelne und jeden Einzelnen.
Besonders wichtig ist, dass jede Hygiene-Link-Nurse einen festgesetzten Punkt im Rahmen der Teambesprechung der eigenen Station hat, um über aktuelle Vorhaben und Ergebnisse zu sprechen. Eine Hygiene-Link-Nurse nimmt auch stets an den Stationsbegehungen der Hygieneabteilung teil. Einer der ersten Erfolge der Gruppe war die Verstetigung von Händedesinfektionsspendern an jedem Patientenbett, da der Desinfektionsspender am Point of Care die Händehygiene um 15 Prozent erhöht [22].
Hygiene- und Wundworkshops. Alle neuen Mitarbeitenden nehmen innerhalb der ersten zwei Monate an einem dreistündigen Hygieneworkshop teil. In diesem Workshop üben sie die Basis-Hygienemaßnahmen und erhalten einen aktuellen Überblick über die Resistenzsituation am UKHD. Der ebenfalls dreistündige Wundworkshop ergänzt spezielle Hygieneaspekte im Umgang mit akuten und chronischen Wunden.
Interdisziplinärer Hygienezirkel. Der interdisziplinäre Hygienezirkel existiert seit 30 Jahren. In den ersten Jahren bestand die Gruppe aus den hygienebeauftragten Ärzten, der Pflegedienstleitung und der Abteilung Krankenhaushygiene. Inzwischen haben die Pflegeleitungen der unterschiedlichen Abteilungen das Team bereichert. Der Austausch aufgrund der Interdisziplinarität und der immer wieder spannenden Unterschiedlichkeit besonderes bei Umsetzungsanforderungen stärkt jedes einzelne Mitglied. Die Teammitglieder schauen die aktuellen Entwicklungen der KISS-Daten an und entwickeln gemeinsame Strategien zur Vermeidung Device-assoziierter nosokomialer Infektionen.
Aktionstage. Jährlich veranstaltet das UKHD Aktionstage zum Welthändehygienetag und zum Welt-Sepsis-Tag. Am Welthändehygienetag erhalten alle Mitarbeitenden Gelegenheit, ihre persönliche Händehygieneperformance zu überprüfen und sich über die aktuellen Aspekte der Hautpflege, aber auch den komplexen Zusammenhang zwischen Händehygiene und nosokomialen Infektionen mit den Expertinnen und Experten an einem dafür eingerichteten Stand auszutauschen. Mittlerweile präsentieren sich an beiden Aktionstagen die Experten der Arbeitsgruppen Hygiene und Sepsis, um den Zusammenhang sowohl für alle Mitarbeitenden, aber auch für Patienten sowie Besucherinnen und Besucher des Klinikums zu verdeutlichen.
Schulungen für Assistenzpersonal und alle anderen Mitarbeitenden. Versorgungsassistentinnen und -assistenten, Reinigungsfachpersonal, Mitarbeitende der Bettenaufbereitung und des Fahrdienstes sowie Hausarbeitende erhalten in diesem Format jeden Monat für jeweils 30 Minuten eine Schulung. Das Expertenteam der Pflegenden, das diese Schulungen leitet, berichtet, dass die Mitarbeitenden sowohl den Wissenszuwachs als auch im Besonderen die Reduktion von Angst und Unsicherheit sehr begrüßen. In diesen Schulungen steht nicht nur die Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen Fragen zu stellen und Unsicherheiten offenzulegen.
Fortbildungen. Neben den wöchentlichen Kurzfortbildungen erreichen die monatlichen Abendfortbildungen im Schnitt pro Veranstaltung über 100 Mitarbeitende und flechten gezielt zu jedem Themenkomplex die hygienische Sicht und deren Erfordernisse ein. Jede Fortbildung, zum Beispiel zu den Themenbereichen Beatmung, Ernährung oder Wunde, betont die Bedeutsamkeit und die Erfordernisse der Hygiene.
Interprofessionelle Workshops. Wegen des großen Zuspruchs für die monoprofessionellen Hygieneworkshops starteten die Hygieneteams 2024 mit einem neuen Profil. Eine Hygieneexpertin und ein Oberarzt gestalten einen gemeinsamen Workshop für Ärzte, Pflegende und Physiotherapeuten der Intensivstationen. Praktisches Üben, fachlicher Austausch und viele Umsetzungsideen stehen im Mittelpunkt. Eine verbesserte Kommunikation innerhalb des Teams wird mit diesem Seminar automatisch mitgeschult.
[1] Zacher B et al. Application of a new methodology and R package reveals a high burden of healthcare-associated infections (HAI) in Germany compared to the average in the European Union/European Economic Area, 2011 to 2012. Euro Surveillance 2019; 24 (46)
[2] Haley RW et al. The efficacy of infection surveillance and control programs in preventing nosocomial infections in US hospitals. American journal of epidemiology 1985; 121 (2): 182–205
[3] Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 5/2020 (30.06.2020). Im Internet: edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/6473/5_20_Artikel.pdf; Zugriff: 26.01.2025
[4] Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS). TRBA 250 – Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Im Internet: www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRBA/pdf/TRBA-250.pdf; Zugriff: 26.01.2025
[5] Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen: Teil 1 – Nichtgetunnelte zentralvenöse Katheter; Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 2017; 60: 171–206. doi.org/10.1007/s00103-016-2487-4
[6] Ulrich P, Scheuermann I (Hrsg.). Hygiene-Compliance im Krankenhaus. Studienserie „Erfolgsfaktoren der Unternehmensführung“. Band 6, 2020: ISBN 978–3–947393–05–3. Im Internet: opus-htw-aalen.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/1015/file/AAUF_Band_6_Hygiene-Compliance.pdf; Zugriff: 26.01.2025
[7] Lengerke T et al. Psychologie der Händehygiene-Compliance: Von der Motivation zum Verhalten. In: Krankenhaushygiene up2date 2016; 11 (02): 135–150. DOI: 10.1055/s-0042-107371
[8] Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI), Bundesgesundheitsbl 2016, 59: 1189–1220
[9] World Health Organization (WHO). Adherence to long-term therapies: evidence for action. Geneva: WHO; 2003
[10] Aktion Saubere Hände. Im Internet: www.aktion-saubere haende.de; Zugriff: 26.01.2025
[11] Kampf G, Loffler H, Gastmeier P. Hand hygiene for the prevention of nosocomial infections. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 649–655
[12] World Health Organization (WHO). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care: First Global Patient Safety Challenge Clean Care is Safer Care. Geneva: WHO Press; 2009
[13] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut. Händehygiene: Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2000; 43: 230–233
[14] Arbeitskreis „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der AWMF. Händedesinfektion und Händehygiene. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 029/027, Klassifikation S1. Hyg Med 2015; 40: 369–385
[15] Stellungnahme des Vorstands der DGKH zur Verkürzung der Einwirkzeit der Händedesinfektion von 30 auf 15 Sekunden, Hygiene & Medizin 2019; 44 (11)
[16] Kramer A et al. Shortening the Application Time of Alcohol-Based Hand Rubs to 15 Seconds May Improve the Frequency of Hand Antisepsis Actions in a Neonatal Intensive Care Unit. Infect Control Hosp Epidemiol 2017; 38, 1430–1434
[17] Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) (Hrsg.). KISS Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System. Infektionssurveillance im Modul ITS-KISS. Referenzdaten. Berechnungszeitraum: Januar 2009 bis Dezember 2013 (28.03.2014)
[18] Tacconelli E et al. Epidemiology, medical outcomes and costs of catheter-related bloodstream infections in intensive care units of four European countries: literature- and registry-based estimates. J Hosp Infect 2009; 72 (2): 97–103. CrossRef MEDLINE
[19] Trick W et al. Impact of ring wearing on hand contamination and comparison of hand hygiene agents in a hospital. CID 2003; 36 (1 June): 1383
[20] Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. BGW Hautschutz- und Händehygieneplan für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kranken- und Altenpflege Stand 10/2023. Im Internet: www.bgw-online.de/resource/blob/20186/2426176672e5d6cc32f4fe70a1786c2b/bgw06-13- 110-hautschutzplan-pflegeberufe-data.pdf; Zugriff: 26.01.2025
[21] RKI. Schutzhandschuhe sicher ausziehen. Im Internet: www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaus hygiene/Infektionshygiene-A-Z/M/Maske/PSA_Fachpersonal/ Handschuhe_ausziehen.pdf?__blob=publicationFile&v=1
[22] Bischoff W et al. Handwashing compliance by health care workers: the impact of introducting an acccessible, alcohol-based hand antiseptic. Archives ot internal medicine 160.7 (2000): 1017–1021