• 12.11.2024
  • PflegenIntensiv
Intensivpflegepool am UKE

Kompetenzen nach Bedarf

PflegenIntensiv

Ausgabe 4/2024

Seite 60

Der Intensivpflegepool des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf ist eine zentrale Stütze der Intensivpflege und zeichnet sich durch seine Flexibilität, die Fachkompetenz seiner Mitarbeitenden sowie die bedarfsgerechte Verteilung seiner Ressourcen aus.

Der Intensivpflegepool des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) existiert bereits seit September 2003 und war deutschlandweit der erste Pool im Intensivpflegebereich. Der Pool startete zunächst mit nur sechs Mitarbeitenden, die sich von den unterschiedlichen Intensivstationen des UKE für den Pool gemeldet hatten.

Die Idee zur Einführung des Intensivpflegepools im UKE hatte Angelika Lux, heutige Leiterin des Intensivpflegepools, die für ihre Abschlussarbeit im Rahmen ihrer Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege ein entsprechendes Poolkonzept erarbeitete und sich dazu an Beispielen unterschiedlicher Kliniken in Deutschland und Europa bediente.

Das Konzept sah anfangs vor, dass die Stationsleitungen der unterschiedlichen Intensivstationen Mitarbeitende des Intensivpflegepools via Faxanforderungen anfragten. So war es bereits 2003 möglich, ein kurzfristiges Ausfallmanagement zu etablieren. Nach Zusammenschau der Besetzungen und dem anfallenden Arbeitsaufwand auf den damals sieben (heute zehn) Intensivstationen wurden, je nach Dringlichkeit, die vakanten Intensivpflegepoolmitarbeitenden verteilt. Das Konzept war so erfolgreich, dass der Intensiv­pflegepool nach und nach weiterwuchs.

Teamstruktur und -erwartungen

Zugangsvoraussetzungen. Sowohl der Intensivpflegepool damals als auch der heutige Pool verstehen sich als Expertenpool. Zugangsvoraussetzung ist die erfolgreich abgeschlossene Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege. Alternativ können Mitarbeitende mit einer Berufserfahrung von mindestens vier Jahren, die sie in zwei unterschiedlichen Segmenten der Intensivpflege erworben haben, Teil des Intensivpflegepools werden.

Einarbeitung. Externe Bewerberinnen und Bewerber für den Intensivpflegepool werden zunächst auf einer unserer Intensivstationen je nach Vollzeitäquivalent wochen- oder monatsweise eingearbeitet, rotieren im Anschluss über alle unsere Intensivstationen und erhalten dort eine weitere bedarfsgerechte Einarbeitung. Eine zusätzliche Besonderheit erleichtert die Einarbeitung und Rotation für Intensivpflegepoolkräfte: Alle Stationen werden einheitlich als Klinik für Intensivmedizin (KIM) von einem Klinikdirektor und intensivmedizinischen Chefarzt geführt, sodass viele Abläufe klinikweit vereinheitlicht sind. Darüber hinaus verfügen alle Stationen über einen identischen Gerätepool, einheitliche Medikamente, klinikweite Standard Operating Procedures (SOP), nahezu identische räumliche Ausstattungen sowie ein Team aus Ober- und Fachärztinnen und -ärzten, die ebenfalls über alle Intensivstationen rotieren.

Vielseitigkeit. Die Mitarbeitenden des Intensivpflegepools schätzen die Vielseitigkeit ihrer Einsätze. Sie haben die Möglichkeit, auf zehn verschiedenen universitären Intensivstationen zu arbeiten – mit einer Vielzahl an Fachrichtungen wie Neurochirurgie, Neurologie, Onkologie, Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie, operativer Intensivmedizin sowie auf den interdisziplinären Intensivstationen verorteten Schwerpunkten wie Lebererkrankungen oder akutem Lungenversagen (ARDS-Station) mit extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO-Therapie).

Das Intensivpflegepoolteam wünscht sich eine täglich wechselnde Stationseinteilung, sodass die Fachlichkeit in allen Bereichen sichergestellt ist. Genau dies ist auch für die meisten neuen Kolleginnen und Kollegen die Motivation, in den Intensivpflegepool zu wechseln, da sie im Rahmen ihrer Rotation in der Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder und Herausforderungen kennengelernt haben und diese Abwechslung in ihrem täglichen Arbeitsalltag wünschen.

Aufgaben des Intensivpflegepools

Sonderfunktionen. Mit den Jahren hat sich die Struktur des Intensivpflegepools immer wieder verändert und vergrößert. Dazu gehören auch gewisse Spezialaufgaben. Auch das Poolteam ist mit den Jahren enorm gewachsen und besteht inzwischen aus 58 Kollegen – das entspricht 41 Vollkräften. Viele haben Zusatzqualifikationen erworben wie Peer-Beraterin oder -Berater, Trainerin oder Trainer für das Team-Notfalltraining oder haben die Möglichkeit der Akademisierung genutzt und arbeiten als Advanced Practice Nurse (APN) in der Klinik.

Neben den Poolmitarbeitenden im direkten Patientenkontakt haben viele Poolkollegen Sonderfunktionen wie die Betreuung und den technischen Support der elektronischen Patientenakte, sind Atmungs- sowie Wundtherapeutinnen und -therapeuten. Nahezu alle Mitarbeitenden, die in den Sonderfunktionen tätig sind, arbeiten darüber hinaus weiterhin mindestens vier Dienste im direkten Patientenkontakt, um die Fachlichkeit in allen Bereichen der Klinik für Intensivmedizin zu sichern.

Praxisanleitung. Das größte Aufgabengebiet des Intensivpflegepools außerhalb der direkten Patientenversorgung ist die Praxisanleitung (PA). Das PA- Team im Intensivpflegepool ist in verschiedene Aufgabenfelder unterteilt:

  • Der größte Teil der Praxisanleiter beschäftigt sich mit den Teilnehmenden der Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege. Sie begleiten die Teilnehmenden in Praxisanleitungen und Prüfungsvorbereitungen und vermitteln ihnen intensivpflegerisch relevante Themen in Theorie und Praxis.
  • Die Praxisanleiter besprechen mit allen neuen Kollegen, die in der Klinik für Intensivmedizin als beruflich Pflegende starten, deren Einarbeitung zudem Mentorinnen und Mentoren übernehmen, in intermittierenden Anleitungssituationen auf den Stationen zuvor definierte Lernziele und evaluieren den Einarbeitungserfolg.
  • Ein weiterer Teil des PA-Teams begleitet die neuen pflegerischen Mitarbeitenden in unserer Klinik. Zusätzlich zu den Anleitungen durch die stationseigenen Mentorinnen und Mentoren erfolgen seitens des PA-Teams des Pools punktuelle Begleitungen, die den Einarbeitungsstand evaluieren und Lern­ziele für kommende Praxisanleitungen defi­nieren.
  • Darüber hinaus vermitteln die Praxisanleiter allen neuen Mitarbeitenden in sogenannten Baustein­tagen intensivpflegerische- und medizinische Fachkenntnisse wie das Erkennen von Herz­rhythmus­störungen, die Vorbereitung von Intubationen, die korrekte Maskenbeatmung und das Agieren in verschiedenen Notfällen.
  • Andere Mitglieder des PA-Teams kümmern sich um die dual Studierenden und die Auszubildenden zu Pflegefachpersonen und stellen sicher, dass diese die gesetzlich vorgeschriebenen Anleitungsstunden in der Klinik für Intensivmedizin einhalten. Auch sie veranstalten Schulungen zu intensivpflegerisch relevanten Themen. Das PA-Team begleitet zudem zugewanderte beruflich Pflegende mit internationalen Berufsabschlüssen im Rahmen ihrer Anpassungsqualifizierung – zusätzlich zu deren Einarbeitung auf den Stationen.

Ausfallmanagement. Zusätzlich sind sechs Mitarbeitende des Intensivpflegepools administrativ tätig. Sie kompensieren Ausfälle im Stationssekretariat und decken Arbeitsspitzen ab. Eine Mitarbeiterin arbeitet zusammen mit dem Leitungsteam des Pools im klinikweiten Ausfallmanagement. Darüber hinaus ist eine Mitarbeiterin im Bettenmanagement vertreten und koordiniert die Verlegungen von Patienten der Intensivstationen auf andere Stationen des UKE. Ferner gehört zum Intensivpflegepool eine pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, die seitens der KIM für Qualitätskontrollen und die korrekte Bestückung der Stationsapotheken verantwortlich ist.

Dem Verantwortungsbereich des Intensivpflegepools angegliedert sind der Bereich der Einsatzplanung der in der Intensivpflege eingesetzten Leiharbeitenden und der KIM-eigene Studierendenpool, der zurzeit aus knapp 100 Studierenden der Humanmedizin besteht. Diese werden je nach Bedarf als Sitzwache (zum Beispiel bei Delirpatienten oder während Fixierungsmaßnahmen) eingesetzt oder unterstützen die beruflich Pflegenden in der Patientenversorgung und erledigen Botengänge.

Die Leitungen des Intensivpflegepools sind – wie eingangs erwähnt – für das KIM-Ausfallmanagement zuständig. Die genannte administrativ tätige Mitarbeiterin des Intensivpflegepools fragt täglich die aktuellen Ausfälle und Besetzungen ab und dokumentiert sie im elektronischen System. Jeden Werktag zur Mittagszeit treffen sich alle Stationsleitungen zu einer gemeinsamen Sitzung. In dieser evaluieren die Führungspersonen aktuelle Besonderheiten auf den Stationen, beispielsweise erhöhtes Arbeitsaufkommen, besondere Isolationssituationen, Patienten im Delir, aufwendige Interventionen oder spezielle, intensiv­medizinische Geräte und damit einhergehend die benötigte Fachlichkeit.

Anschließend besprechen sie die optimale Verteilung der vorhandenen Ressourcen – Leiharbeitende, In­tensivpflegepoolmitarbeitende und studentische Hilfskräfte. Dieses Ausfallmanagement ist ausschließlich kurzfristig für die taggleichen Schichten und den Folgetag angelegt. Die Einteilung der Leiharbeitenden und Intensivpflegepoolmitarbeitenden wird dann im Anschluss via E-Mail an die Mitarbeitenden ver- sendet.

Bei der Verteilung der Mitarbeitenden des Intensivpflegepools ist eine Person pro Schicht weder einem Patienten noch einer Station zugeordnet, sondern als Springer eingeplant, um im Bedarfsfall schnellen fachlichen Support zu leisten. Etwa bei besonderen, nicht auf allen Stationen routinierten Interventionen wie Bauchlagerungen bei Patienten mit ARDS, fieberoptischen Wachintubationen oder der Bereitstellung und Inbetriebnahme von selteneren, hochkomplexen intensivmedizinischen Geräten.

Hohes Ansehen

Die Poolmitarbeitenden genießen in der Klinik aufgrund ihrer Fachkompetenz und ihrer Flexibilität ein hohes Ansehen. Das Poolbüro dient als Treffpunkt und Austauschort für die Mitarbeitenden und um den kollegialen Zusammenhalt im Poolteam zu fördern. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Intensivstationen.

Intensivpflege am UKE: Pool und Stationen

Jukebox zum Intensivpflegepool des UKE mit vielen Informationen, Bildern und weiterführenden Links: https://jukebox.uke.de/station/intensivpflegepool

Zum Internetauftritt der Intensivpflege mit Angaben zu Stationen, Sonderaufgaben und Pflegeexperten: www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/intensivmedizin/ intensivpflege/index.html

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