• 14.05.2024
  • PflegenIntensiv
Neue Intensivstation am Clemenshospital Münster

Hilfreiche Pflegeexpertise

PflegenIntensiv

Ausgabe 2/2024

Seite 48

Im Clemenshospital Münster ist im Jahr 2021 ein neues Bettenhaus mit Intensivstation errichtet worden. Für die Planung, Entwicklung und Inbetriebnahme der neuen Intensivstation mit 16 Betten war die Erfahrung der Intensivpflege von großer Bedeutung.

Als der Bau des neuen Bettenhauses im Jahr 2019 mit dem ersten Spatenstich begann, war in der Planung der neuen Stationen keine Intensivstation vorgesehen. Stattdessen war zunächst eine neue Weaningstation am Standort geplant. Der Baukörper war bereits fertiggestellt, als die Geschäftsführung entschied, auf eine Weaningstation zu verzichten und stattdessen eine neue interdisziplinäre Intensivstation in den Neubau zu integrieren. Entsprechend musste die weitere architektonische Planung der Intensivstation die Vorgaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erfüllen. Diese verlangen unter anderem eine Einzelzimmergröße von mindestens 22 Quadratmetern mit Vorschleuse und eine Doppelzimmergröße von 40 Quadratmetern [1].

Mit Pflegewissen Lösungen kreieren

Diese Vorgaben zu erfüllen, stellte das gesamte Projektteam vor große Herausforderungen, da der schon zu großen Teilen fertiggestellte Baukörper zu klein war. Für die Vorgabe, 16 Intensivbetten bereitzustellen, galt es, Lösungen zu finden. Von sehr großem Vorteil war, dass im Projektteam auch erfahrene Mitarbeitende aus der Intensivpflege von Beginn der Planung an fest integriert waren. Denn um die Vorgaben zu erfüllen, einen logischen, praxistauglichen und den geforderten Normen entsprechenden Bereich zu erschaffen, braucht es Expertise aus der Praxis.

Zimmerbeleuchtung. Die DIVI-Vorgabe umfasst ein Beleuchtungssystem an Bettplätzen bis 1.000 Lux. Ohne die Mitarbeit der Pflegeexpertinnen und -experten wäre zwar eine DIVI-Vorgaben entsprechend dimmbare, aber nur sehr sterile Deckenbeleuchtung eingebaut worden. Dank der Pflegeexpertise verfügt die gesamte Station heute über ein patienten- und mitarbeiterfreundliches Lichtkonzept.

Deckenversorgungseinheiten. Auch für die Platzierung der neuen Deckenversorgungseinheiten (DVE) war das Erfahrungswissen der Pflegeexperten von entscheidender Bedeutung. Die ursprüngliche Planung der Architekten hätte es den Pflegenden unmöglich gemacht, im Alltag das Kopfende der Patientenbetten zu erreichen. In der Phase der Umsetzung gab noch viele weitere Elemente, für die das Wissen der Intensivpflegenden unabdingbar war für den Bau der Intensivstation.

Da der Baukörper zu klein war für die geforderten 16 Intensivbetten mit Nebenräumen, waren tragbare Lösungen gefragt. Die Materiallagerräume, Geräte­lager, Entsorgungslager, die Apotheke sowie der Sta­tionsstützpunkt durften nicht verkleinert werden. Eine Dezentralisierung von essenziellen Versorgungs- und Überwachungsstrukturen kam nicht infrage. So blieb nur, die Arztzimmer der Anästhesisten und Internisten sowie den Pflegeaufenthaltsraum um einige Quadratmeter zu verkleinern.

Heute verfügt die Intensivstation über zwei parallel zueinander laufende Fluren mit dazwischenliegendem Stationsstützpunkt, Schockraum und Material­lager. Die Zimmerverteilung auf jeder Flurseite hauswandseitig und bis auf ein Zimmer haben alle Patientenzimmer Anschluss an einen Pflegearbeitsraum mit Spülautomaten für Pflegeutensilien und Waschbecken zur Wasserversorgung. An jedem Bettplatz ist zusätzlich jeweils ein PC für Dokumenta­tionszwecke fest installiert und in jedem Doppel­zimmer befindet sich noch ein extra PC mit Sitzmöglichkeit für die Pflege.

Die Eröffnung der Intensivstation war für März 2021 geplant. Die Fertigstellung der Station war Anfang Februar abgeschlossen. In den knapp vier Wochen bis zur Eröffnung haben die Pflegefachkräfte und die Hilfskräfte gemeinsam die Lagerräume in einem für den praktischen Einsatz logischen System bestückt. Hier wurde der Zeitaufwand deutlich unterschätzt, die abschließende Bestückung war erst nach Eröffnung beendet.

Ein weiterer Baustein war die zu diesem Zeitpunkt am Standort eingeführte elektronische Patientenakte. Das Roll-out erfolgte eine Woche nach Bezug der neuen Station und sorgte für eine zusätzliche Belastung des Teams. Der Zeitpunkt stellte sich dennoch als günstig heraus, denn das Feedback aus dem Team war, dass zu einer modernen Intensivstation auch ein modernes EDV-System gehört. Diese Einstellung vereinfachte die Implementierungsprozesse ungemein.

Beim Bezug der Station kam es zu keinen Komplikationen, da sich der Umzug der Patienten in Etappen und schichtübergreifend vollzog.

Sämtliche Stolpersteine und Probleme während des Baus und der Planung der interdisziplinären Intensivstation im Clemenshospital ließen sich zu einem signifikanten Anteil dadurch lösen oder sind gar nicht erst entstanden, weil Pflegeexperten der Intensivsta­tion von Anfang an beteiligt waren. So ist nicht nur eine sterile Station, sondern mit viel Herzblut und Freude auch ein wirklich schöner Arbeitsplatz entstanden.

[1] Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfall­medizin (DIVI). Empfehlung zur Struktur und Ausstattung von Intensivstationen 2022 (Erwachsene). Im Internet: www.divi.de/joomlatools-files/docman-files/publikationen/intensivmedizin/230419-divi-strukturempfehlung-intensivstationen-langversion.pdf

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