In drei Jahren zieht das Delme Klinikum Delmenhorst in einen Neubau um. Gerade für die intensivpflichtigen Patienten bedarf dieser Umzug einer guten Planung und Vorbereitung. Unser Autor gibt einen ersten Einblick.
Der Neubau des Delme Klinikums Delmenhorst, eines Grund- und Regelversorgers, der in der 83.000-Einwohner-Stadt zwischen Oldenburg und Bremen aktuell entsteht, soll bis Ende 2026 fertiggestellt sein. 2027 soll der Umzug der verschiedenen Abteilungen ins neue Gebäude erfolgen. Für das Team der Intensivstation (ICU) und der Station für Intermediate Care (IMC) wird das eine große Herausforderung, denn nicht nur logistisch ist es eine Mammutaufgabe, eine Vielzahl schwer kranker Patientinnen und Patienten auf eine neue Station zu verlegen.
Auch menschlich gibt es einiges zu beachten, um den uns anvertrauten Menschen und ihren Angehörigen in so einer herausfordernden Situation Ängste zu nehmen und Vertrauen zu vermitteln. Daher werden wir diese im Vorfeld des Umzugs umfassend informieren, sodass sie einschätzen können, was sie an diesen Tagen erwarten wird.
Umzugsphase über mehrere Tage
Wir befinden uns in einer sehr frühen Planungsphase: Es werden noch rund drei Jahre ins Land ziehen, bis wir die neue Station beziehen können. Doch schon jetzt ist zu überlegen, was beim Bezug des Neubaus und davor zu beachten ist. Der Umzug des gesamten Delme Klinikums wird auf jeden Fall mehrere Tage bis hin zu einer Woche dauern.
In dieser Phase ist geplant, den OP-Bereich herunterzufahren. Denkbar ist auch, die Zahl der Intensivpatienten in dieser Zeit zu reduzieren, das heißt, Betten zu sperren, und die Intensivstation abzumelden. Üblicherweise ist die ICU die letzte Abteilung eines Krankenhauses, die umzieht. Denn so ist gewährleistet, dass im Neubau bereits die komplette Infrastruktur betriebsbereit ist, wenn die schwer kranken Patienten dort eintreffen.
Für die Mitarbeitenden auf ICU und IMC gilt während der Umzugstage eine Urlaubssperre. In dieser Phase wird jede Hand gebraucht, damit alles nahtlos funktioniert. Wir werden eng mit Stadt und Land kooperieren und hoffen auf Unterstützung durch die Feuerwehr und soziale Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz. Denn die Patienten müssen nicht nur ein Stockwerk hinab, sondern auch rund 400 Meter bis zum Neubau gebracht und dort wieder eine Etage hinauf transportiert werden. Dabei werden Rettungsdienst und Intensivtransporte unterstützen. Unterwegs ist sicherzustellen, dass, zum Beispiel bei kreislaufinstabilen Patienten, die Überwachung nahtlos funktioniert.
Beatmete Patienten sind mithilfe transportabler Systeme gesichert in die neuen Räumlichkeiten zu verlegen. Beim gesamten Transport werden sie eine zugewiesene pflegerische Betreuerin oder einen zugewiesenen pflegerischen Betreuer beziehungsweise eine Intensivmedizinerin oder einen -mediziner an ihrer Seite haben. Je nach Belegungssituation am Umzugstag könnten auch Isolationstransporte notwendig sein.
Generell ist so ein Umzug für alle Patienten eine Stresssituation. Das werden wir abfedern, indem jeder Kranke durch die ihm vertraute, betreuende Pflegefachkraft in seinem Zimmer vorbereitet, unterwegs begleitet und auf der neuen Intensivstation beim Ankommen unterstützt wird.
Begehungen zum Kennenlernen der Räume
Im Neubau steht dann alles bereit, was wir für die Versorgung benötigen: Medikamente, Materialien und Geräte sind in der Übergangsphase teilweise an beiden Orten doppelt vorzuhalten. Aktuell werden die Versorgungsstrukturen so aufgebaut, dass sie mit in die neuen Räumlichkeiten umziehen können.
Dies hat neben dem zeitlichen Vorteil auch den Aspekt, dass dem Team eine Umgewöhnung an eine neue Lagerhaltung erspart bleibt. So finden sich auch in den neuen Räumlichkeiten alle Materialien am gewohnten Ort. Auch die Dokumentation muss lückenlos erfolgen. Die Grundlage dafür haben wir geschaffen, indem wir die Papierkurve schon im Jahr 2023 durch eine digitale Kurve ersetzt haben.
Unser Team werden wir aufteilen. Während die einen die Patienten im Altbau betreuen, sind die anderen für die bereits verlegten Kranken verantwortlich. Damit das problemlos funktioniert, werden die Kolleginnen und Kollegen vor dem Bezug einen Probebetrieb ohne Patienten durchlaufen. Es sind zusätzlich Begehungen und Schulungen in den neuen Räumlichkeiten vorgesehen. Eine solche groß angelegte Verlegung einer gesamten Intensivstation ist mit zahlreichen Risiken behaftet. Daher werden wir noch in diesem Jahr Projektgruppen etablieren, die Checklisten zur Fehlerprävention erstellen sollen.
Schon bei der Planung des Neubaus waren alle Mitarbeitenden eng eingebunden. In zahlreichen Nutzergesprächen – mit der Geschäftsführung und den Planern – haben die Kollegen ihre Anforderungen definiert und eigene Ideen dafür eingebracht, wie sich die Prozesse verbessern lassen und den schwer kranken Patienten die Zeit auf der ICU und ICM angenehmer gestalten lässt. Dazu wurden Fragen erörtert:
- Wie ist der tägliche Ablauf bei Intensivpatienten?
- Wo kommen Betten hin und wo welche Geräte?
- Wie sind dazu die entsprechenden Versorgungsleitungen und Steckdosen anzuordnen?
Das alles sind Details, die beim Neubau berücksichtigt und uns künftig die Arbeit erleichtern werden.
Erkenntnisse der Delirprophylaxe fließen mit ein
Die ICU wird im Neubau 14 Betten umfassen und die IMC 18 ( 2) Betten. Beide Bereiche sind künftig im ersten Obergeschoss im Neubau nicht mehr räumlich getrennt gelegen. Die Patienten haben also künftig weniger Stress durch Verlegungen und dürfen sich bei einem einheitlichen, ihnen vertrauten Behandlungsteam gut aufgehoben fühlen. Direkt gegenüber der sechs Operationssäle wird die Intensivmedizin verortet sein.
Dank der benachbarten Anordnung der IMC mit fließendem Übergang (Floating) soll die Patientenbelegung flexibel sein. Die Überwachung der Intensivpatienten erfolgt abseits des Stationsflurs über vorgelagerte Schleusenzonen.
Neben einem direkten Zugang zu den Operationssälen werden auch Anästhesie und Zentrale Notaufnahme besser angebunden sein. So verkürzen sich die Laufwege; die Logistik wird effizienter. Innerklinische Transporte werden über Versorgungsgänge, getrennt vom Besucherverkehr, bewerkstelligt.
Das Neubauprojekt
Das Delme Klinikum Delmenhorst realisiert auf dem Grundstück an der Wildeshauser Straße in Delmenhorst einen autarken Krankenhausneubau, der optimale Arbeitsbedingungen und kurze Wege bieten wird. Architektonisch wurde das 1928 errichtete, denkmalgeschützte Bestandsgebäude in das aktuelle Entwurfskonzept integriert. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf insgesamt rund 185 Millionen Euro. Auf sechs Etagen werden die Patientinnen und Patienten künftig in 290 Planbetten versorgt und profitieren von einer modernen Infrastruktur und Medizintechnik auf allerneuestem Stand. So wird das neue Klinikum die Radiologie, die Funktionsdiagnostik, die Endoskopie, die Urologie, die Geriatrie und Neonatologie sowie ein Herzkatheterlabor, eine Kinderklinik und die Gynäkologie samt Geburtsmedizin beherbergen. Darüber hinaus wird ein OP-Bereich mit insgesamt sechs Operationssälen entstehen, der direkt an die Intensivstation angrenzt.
Die Zimmer werden
- mehr Platz bieten,
- technisch aufgerüstet und modernisiert sein, zum Beispiel mit Versorgungsanschlüssen an der Decke,
- mit wenig festem Mobiliar ausgerüstet, um flexibler auf individuelle Pflegebedürfnisse eingehen zu können,
- mit Klimaanlage ausgestattet, damit sich Mitarbeitende und Patienten im Sommer wohler fühlen,
- an jedem Patientenbett eine eigene Multimediaeinheit vorhalten,
- über ein innovatives Beleuchtungssystem und Verdunklungsmöglichkeiten an den Fenstern verfügen, um in Sinne der Delirprophylaxe einen Tag-Nacht-Rhythmus zu ermöglichen.
Auch eine geräuscharme Umgebung dient der Delirprophylaxe. Daher werden wir zum Beispiel teilweise an Checkpoints vor den Zimmern arbeiten und haben laute Bereiche von den Patientenzimmern abgetrennt.
Das Team ist in Aufbruchsstimmung und voller Vorfreude, auf der hochmodernen Station zu arbeiten. Trotzdem haben alle Kollegen auch einen gesunden Respekt vor dem Umzug. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Herausforderung als Team meistern.