Die adäquate Betreuung von Intensivpatienten ist für das Pflegefachpersonal psychisch und insbesondere körperlich belastend. Daher sollte der Arbeitsplatz auf einer Intensivstation – und speziell im OP – den Anforderungen und Bedürfnissen der Mitarbeitenden Rechnung tragen.
Laut Barmer Pflegereport 2020 ist Pflegepersonal im Vergleich zu anderen Berufen deutlich unzufriedener mit den physischen Arbeitsbedingungen [1]. Dazu gehören z. B. das Lagern und Heben von Patientinnen und Patienten (im Folgenden: Patienten) und anderen Lasten, das Arbeiten in Zwangshaltungen und schlechte Lichtverhältnisse [1, 2]. Demografiebedingt ist mit einer weiteren Zunahme der physischen Belastungen auf den Stationen zu rechnen, die sich v. a. im Bereich der Wirbelsäule und Gelenke auswirken [3].
Klinische Arbeitsumgebungen müssen daher technische Voraussetzungen bieten, die helfen, solchen Entwicklungen vorzubeugen. Statt medizinische und pflegerische Arbeitsplätze allein auf Prozesse und Arbeitsabläufe zu optimieren, sollten Krankenhausplaner zusätzlich ergonomische, die Arbeitskraft erhaltende Aspekte bis auf die Mikroebene ins Anforderungsprofil schreiben. Darüber hinaus sind die Gebote des Arbeitsschutzes zu beachten [1, 4] und in die Planung zu integrieren, um Risiken für Unfälle und Verletzungen zu minimieren.
Technik an körperliche Voraussetzung anpassen
Auch die Medizintechnik sollte ergonomischen Erfordernissen entsprechen. So kann eine in der individuell richtigen Arbeitshöhe eingestellte Deckenversorgungseinheit (DVE) helfen, Fehlhaltungen zu reduzieren. OP-Personal benötigt Höhenverstellbarkeit und Flexibilität für das Arbeiten mit schwereren Komponenten bzw. Instrumenten an der richtigen Stelle und in einer möglichst natürlichen Körperhaltung [5] – nicht zuletzt auch, um Fehler zu minimieren. Kein Operateur würde in einer nicht genau angepassten Höhe eines OP-Tisches einen Eingriff vornehmen.
Intuitive Bedienung und leichtgängige Repositionierung sind essenziell, um auf wechselnde Szenarien im OP oder der Intensivstation eingehen zu können. Dazu gehört auch die Integrierbarkeit von Gerätemedizin und ein möglichst effektives Kabelmanagement, ohne dass Kabel oder Netzteile auf dem Boden liegen. So können Mitarbeitende einen kompletten Arbeitsplatz mit nur einer Bewegung und ohne die Gefahr von Diskonnektierungen an eine geänderte Situation anpassen. Einhandbedienmöglichkeiten lassen zudem mehr Flexibilität beim Arbeiten zu.
Patientenlifter bieten neben etablierten Hilfsmitteln wie höhenverstellbaren Hockern oder Patientenbetten eine noch viel zu selten genutzte Option zur Entlastung des Pflegepersonals [3]. Raumdeckende oder in die DVE integrierte Deckenlifter unterstützen effektiv die tägliche Pflege, die Umlagerung und auch die Mobilisierung der Patienten. Zudem lassen sich mit modernen Systemen Liftvorgänge auswerten, um Hinweise auf das Nutzerverhalten und die Basis für effektive Schulungen und Nachschulungen zum Einsatz der Patientenlifter zu erhalten.
Auch die Wahrnehmung des Arbeitsumfelds spielt für Pflegepersonal eine Rolle. Gut organisierte Arbeitsplätze können sich positiv auf das Arbeitsergebnis auswirken [6]. Medizintechnik kann, z. B. mit Regalen oder Schubladen zur Organisation des Arbeitsplatzes ausgestattet, dazu beitragen. Generell sind Bedürfnisse des Pflegepersonals für das Design von Intensivstationen stärker zu berücksichtigen [7] und viel stärker in die Planung der Arbeitsplätze einzubeziehen.
[1] Barmer Pflegereport 2020 – Belastungen der Pflegekräfte und ihre Folgen (Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse – Band 26); 143–147. Im Internet: www.barmer.de/presse/infothek/studien-und- reporte/pflegereport/pflegereport-2020-1059012
[2] Nasirizad MK, Chehrzad MM, Reza MS et al. Nursing physical workload and mental workload in intensive care units: Are they related? Nurs Open. 2021; 8: 1625–1633. doi.org/10.1002/nop2.78
[3] Rypicz Ł, Karniej P, Witczak I, Kołcz A. Evaluation of the occurrence of workrelated musculoskeletal pain among anesthesiology, intensive care and surgical nurses: An observational and descriptive study. Nurs Health Sci. 2020; 22: 1056–1064. doi.org/10. 1111/nhs.12767
[4] www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/ Gefaehrdungsbeurteilung/Expertenwissen/Arbeitsumgebungs bedingungen/Unzureichende-Gestaltung-der-Arbeitsstaette/ Autorenbeitraege/gefaehrdungsart.html
[5] Berentzen J, Lennartz S. Arbeitsplatz Operationsabteilung: Physische Belastungen für OP-Personal – Möglichkeiten der Gesundheitsförderung und Prävention. OP-JOURNAL 2010; 26 (01): 48–53
[6] Reiling J, Hughes RG, Murphy MR. Patient Safety and Quality: an evidence-based handbook for nurses. Chapter 28, The Impact of facility design on patient safety, 2008. Im Internet: www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK2633/
[7] Huisman ERCM, Sotomayor Morales E, van Hoof J, Kort HSM. Healing environment: A review of the impact of physical environmental factors on users. Building and Environment 2012; 58: 70–80