• 19.05.2020
  • PflegenIntensiv
Versorgung von Patienten mit COVID-19

Schutzausrüstung: Hautirritationen vermeiden

PflegenIntensiv

Ausgabe 2/2020

Seite 28

Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist Schutzausrüstung für medizinisches Personal unabdingbar. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, Schutzmaske und Schutzbrille begünstigt jedoch Haut- oder Schleimhautdefekte, eine Dermatitis und Sekundärinfektionen. Die richtige Hautpflege hilft, dermatologische Komplikationen zu vermeiden.

71 Prozent des befragten medizinischen Personals in China, die Patientinnen und Patienten (im Folgenden: Patienten) mit der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit COVID-19 betreuen, weisen Hautschäden auf. Als Hauptsymptome werden Brennen, Jucken, Stechen und Rötungen beschrieben. Viele Betroffene leiden zudem unter einer Austrocknung der Haut mit Abschuppung, Papeln, Erytheme und Mazeration. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung der chinesischen Gesellschaft für Dermatologie und des chinesischen Forschungszentrums für Haut- und Immunerkrankungen [1].

Dass das Tragen von Schutzausrüstung Hautprobleme verursachen kann, wurde bereits 2002/2003 während der SARS-Pandemie beschrieben [2]. Bei Pflegenden, Ärzten und Assistenzpersonal kam es durch das Tragen von Schutzausrüstung zu vermehrter Akne (51,4 %), Juckreiz im Gesicht (59,6 %) und zu einer Kontaktdermatitis mit Ausschlag (35,8 %). Besonders betroffen waren Befragte, die FFP2- oder FFP3-Schutzmasken über einen längeren Zeitpunkt getragen hatten. Gehäuft traten zudem Druckschädigungen im Bereich der Nasenflügel, des Nasenrückens und der knöchernen Augenhöhle auf. Manche Schutzmasken werden zusätzlich mit einem Kleber auf der Haut des Trägers fixiert. Dies soll eine optimale Dichtigkeit der Maske garantieren. Beim Lösen der Maske besteht jedoch die Gefahr, dass die Haut durch den Kleber irritiert bzw. verletzt wird.

Druckprobleme, feuchtigkeitsbedingte Läsionen und das Entstehen einer Kontaktdermatitis sind auch bei Patienten unter CPAP-Masken-Therapie beobachtbar. Mit andauernder Therapie steigt die Gefahr einer Hautläsion.

Empfehlungen zur Hautpflege für medizinisches Personal

Hautpflege. Ein Mund-Nasen-Schutz, eine Schutzmaske und eine Schutzbrille beanspruchen die Haut der Trägerin bzw. des Trägers stark. Mit der richtigen Hautpflege kann das medizinische Personal die Haut widerstandsfähig halten und somit die Gefahr von Hautschäden verringern. Zur Hautreinigung sollten sanfte, pH-neutrale Reinigungsmittel zur Anwendung kommen. Die Reinigungsdauer mit Wasser sollte kurz gehalten und körperwarmes – nicht zu heißes – Wasser verwendet werden. Die Hautpflege sollte mit Hautpflegeprodukten ohne Duftstoffe und anderen reizenden Substanzen erfolgen. Die Creme ist dünn und möglichst mehrmals am Tag aufzutragen.

Während der Pausen und/oder patientenfreien Zeit sind Schutzbrillen und -masken möglichst abzusetzen. So wird die Haut vom Druck entlastet und die angefeuchtete Haut kann abtrocknen.

Vermeidung von Druckstellen. Medizinisches Personal sollte möglichst einen Maskentyp wählen, der den individuell besten Tragekomfort aufweist. Nach Möglichkeit sind unterschiedliche Maskentypen zu tragen, um Druck und Reibung an den gleichen Hautarealen zu vermeiden.

Fachpersonen sollten eine Schutzbrille auswählen, die sich gut der Gesichtskontur anpasst. Es ist darauf zu achten, dass Gesichtsmasken nicht zu eng sitzen.

Bei mechanischer Reizung der Haut durch Reibung oder Druck kann ein dünner Hydrokolloid-Verband, z. B. Comfeel® Plus Transparent, auf den Nasenrücken aufgeklebt werden (Abb. 1). Ein Hydrokolloid kann auch bei Patienten, die eine CPAP-Maske tragen, druckgefährdeten oder durch Reibung irritierten Hautarealen vorbeugen.

Hautvertiefungen durch den Zug von Gummibändern bilden sich meistens ohne Therapie selbstständig zurück.

 

 

Hautschutz bei Feuchtigkeit. Bei medizinischem Personal, das über mehrere Stunden einen Mund-Nasen-Schutz, eine Schutzmaske und/oder eine Schutzbrille trägt, bildet sich häufig Feuchtigkeit auf der Haut. Dies kann zu einer Hyperhydration der Haut führen. Wenn Schutzbrillen zu eng sitzen, kann es zu einer „Nebelbildung“ in der Schutzbrille kommen. Die durch die Ausatemluft abgegebene Feuchtigkeit lässt sich auf der Haut nieder und kann bei längerer Tragedauer der Schutzbrille in Kombination mit der Schutzmaske zu einer Aufweichung der Hornzellenschicht führen. Durch die erhöhte Feuchtigkeit wird der Verbund der Corenocyten aufgelockert und die Haut verliert ihren Schutz. Dringen jetzt Bakterien ein, führt dies meistens zu einer Dermatitis.

Um die Haut vor Feuchtigkeit zu schützen, ist bei noch intakter Haut eine Hautschutzcreme – z. B. 3M™ Cavilon™ Langzeit-Hautschutz-Creme, Remedy, CORYT Protect oder andere filmbildende Cremes – dünn aufzutragen.

Bei nicht mehr intakter Haut im Gesichtsbereich, z. B. bei Erosionen oder Ulzerationen, ist die Haut mit einem hochleistungsfähigen Hautschutz, z. B. 3M™ Cavilon™ Advance, abzudecken. Dabei ist zu beachten, dass der Hautschutzfilm vollständig abgetrocknet sein muss, bevor der Mund-Nasen-Schutz oder die Schutzbrille wieder getragen werden kann.

Vermeiden von Hautschäden durch Klebstoffe. Durch Kleber können Irritationen auf der Haut entstehen. Beim Entfernen der angeklebten Schutzmasken kann die Haut zudem verletzt werden. Solche Defekte werden als Hautverletzungen durch medizinische Klebstoffe (Medical Adhesive-Related Skin Injury, MARSI) bezeichnet.

Angeklebte Schutzmasken sind sehr vorsichtig zu entfernen. Vor dem Aufkleben einer Schutzmaske ist möglichst immer ein Hautschutzfilm zu verwenden. Dann löst sich der Kleber der Maske häufig gemeinsam mit dem Hautschutzfilm und die Haut bleibt intakt.

Risikominimierung von Kontaktdermatitis. Medizinisches Personal sollte darauf achten, dass Schutzmasken nicht durchfeuchtet und Schutzbrillen gereinigt sind. Sobald Jucken, Brennen oder Stechen auftritt, sollten Masken und Schutzbrillen aus anderem Material getragen werden. Der direkte Hautkontakt kann auch durch das Aufkleben von Hydrokolloiden oder durch das Auftragen von Hautschutzfilmen verhindert werden. Aus hygienischer Sicht sollten keine Mullstreifen in Mundschutz oder Schutzbrille eingelegt werden.

Auch bei Patienten, die auf das Material der CPAP-Maske reagieren, sollte zu einer Maske aus einem anderen Material gewechselt werden. Sollte dies nicht möglich sein, kann auch hier ein Hautschutz durch Hydrokolloide oder durch einen Hautschutzfilm erfolgen.

Schutz der Nasenschleimhaut. Hinweise gibt es darauf, dass eine intakte Basalschicht der Nase einen wichtigen Schutzmechanismus zur Verhinderung einer Coronavirus-Infektion darstellt. Die Reinigung und Pflege des Nasenvorhofs stellen daher wichtige Maßnahmen dar. Der Nasenvorhof ist sanft zu reinigen, z. B. mit einem mit NaCl getränkten Watteträger. Die Nasenschleimhaut kann z. B. mit einer Panthenol-Nasensalbe gepflegt werden.

Schutz der Mundmucosa. Lippen sollten nur nach vorangegangener Händedesinfektion berührt werden. Die Berührung der Mundschleimhäute ist zu vermeiden. Lippen und Schleimhäute sollten feucht gehalten werden. Es sollte eine Lippenpflege genutzt (auch die Männer) und zur Feuchthaltung der Schleimhäute ausreichend getrunken werden.

Interessenskonflikte: Der Autor hielt im Jahr 2019 wissenschaftliche Vorträge für die Unternehmen 3M Deutschland und Convatec. Er arbeitete 2019 in den Advisory-Boards der Unternehmen Mölnlycke und 3M Deutschland mit.

[1] National Health Commission of the People‘s Republic of China. Specification of Hand Hygiene for Healthcare Workers (WS/T 313–2019); 2019

[2] General Office of the National Health Commission of the People‘s Repubulic of China, & National Administration of Traditional Chinese Medicine. Diagnosis and Treatment of Novel Coronavirus Pneumonia (5th Edition for Trial Implementation); 2020

 

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