Eigenes „Abhusten“ ist bei beatmeten Patienten meist nicht möglich. Durch endotracheales Absaugen wird überschüssiges Sekret entfernt und für freie Atemwege gesorgt. Diese Maßnahme geht jedoch mit Risiken einher. Sie bedarf einer klaren Indikation und erfordert ein hohes Fachwissen.
Endotracheales Absaugen erfolgt auf Intensivstationen meist durch das Pflegepersonal. In der Regel wird auch die Entscheidung zur endotrachealen Absaugung von Pflegenden eigenverantwortlich getroffen (Isfort et al. 2012).
Irritationen und Verletzungen vorbeugen
Endotracheal bedeutet, dass der Absaugkatheter in die Trachea des Patienten vorgeschoben werden muss, um innerhalb der Luftröhre Sekret abzusaugen. Normalerweise kann ein Mensch durch einen Selbstreinigungsmechanismus, die sogenannte mukoziliäre Clearance, sein Sekret selbst mobilisieren und abhusten. Sobald ein Patient einen Endotrachealtubus oder eine geblockte Trachealkanüle hat, fehlt jedoch der Glottisverschluss. Deshalb kann der Patient nicht mehr suffizient husten, sondern nur noch forciert ausatmen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Sekret oft eingedickt und damit zähflüssig ist. Mögliche Gründe sind eine zu geringe Atemgasklimatisierung und/oder Hypovolämie. Zudem können verschiedene Erkrankungen die Beschaffenheit des Sekrets beeinflussen (Schwabbauer 2013, Riessen 2010). Das endotracheale Absaugen ist ein direkter invasiver Eingriff beim Patienten. Dies kann im Einzelfall und besonders bei unsachgemäßer Handlung zu Irritationen und Verletzungen der Schleimhaut, zu Schmerzen und auch zu vitalen Veränderungen beim Patienten führen. Auch können Ängste ausgelöst werden. Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden 25 langzeitbeatmete Intensivpatienten nach ihren Erfahrungen unter invasiver Beatmung befragt (Anbeh 2002). Sie gaben Unbehagen und Angst an, was durch das Absaugen verursacht wurde. Auch erwähnten die befragten Patienten Schmerzen während des endotrachealen Absaugens (Abb. 1 und 2). Ob ein Endotrachealtubus oder Tracheostoma vorliegt, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Darauf weist eine Studie hin, die die beiden unterschied- lichen Zugangswege der Beatmung in Bezug auf Befindlichkeit, Ängste und Schluckbeschwerden verglich (Saur et al. 2009).Was wird endotracheal abgesaugt?
Die Indikation zum endotrachealen Absaugen ergibt sich aus vielfältigen Ursachen. Zeichen einer Sekretansammlung können sein:- Patient gibt Bedarf an,
- grobe Rasselgeräusche bei der Auskultation,
- geräuschvolles Atmen oder Beatmen,
- Abfall des Atemhubvolumens bei druckkontrollierter Beatmung beziehungsweise Anstieg des inspiratorischen Drucks,
- sichtbare Sekrete, zum Beispiel im Tubus,
- Abfall der Sauerstoffsättigung,
- Verschlechterung der arteriellen Blutgaswerte,
- radiologische Hinweise,
- Tubuskontrolle,
- Entnahme von Untersuchungsmaterial.
Technik des Absaugens
Bei der Technik des endotrachealen Absaugens sind grundsätzlich ein paar wesentliche Aspekte entscheidend: Der Patient sollte – wenn möglich – informiert und einbezogen werden. Das gibt dem Patienten Sicherheit und reduziert das Stresslevel. Ein hygienisches Arbeiten, in diesem Fall steriles Arbeiten, ist eine Selbstverständlichkeit und wird auch vom Robert Koch-Institut (RKI) gefordert. Hierzu gehören insbesondere beim offenen endotrachealen Absaugen sterile Einmalhandschuhe. Laut dem RKI sind bei dieser Maßnahme „sterile Katheter und sterile Handschuhe zu verwenden und anschließend an die einmalige Nutzung zu verwerfen“ (RKI 2013). Der Eigenschutz steht an erster Stelle und darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Das bedeutet Einmalhandschuhe, Einwegschürze, eventuell Schutzbrille und, besonders wichtig, ein Mund-Nasen-Schutz. Bei Patienten mit Problemkeimen empfiehlt das RKI sogenannte geschlossene Absaugsysteme (RKI 2013). Die Soghöhe der Vakuumanlage sollte maximal 150 mmHg betragen, das entspricht zirka 200 mbar (AARC 2010). Eine Präoxygenierung mit erhöhter Sauerstoffzufuhr reicht in der Regel 30 bis 60 Sekunden aus (AARC 2010). Das Vorschieben des Absaugkatheters sollte maximal 0,5 bis 1 Zentimeter über die Tubusspitze hinausgehen. Hierzu muss die Tubus- beziehungsweise Trachealkanülenlänge bekannt sein und der Absaugkatheter muss eine Längenmarkierung haben. Die Absaugdauer sollte nicht länger als 15 bis 20 Sekunden betragen, wobei es hier nur Lehrbuchmeinungen und keine konkreten Empfehlungen gibt. Eine Lavage, zum Beispiel mit NaCl 0,9 %, muss heute als obsolet angesehen und sollte nicht mehr durchgeführt werden (AARC 2010). Auch sogenannte „Blähmanöver“ nach dem endotrachealen Absaugen sind äußerst kritisch zu sehen. Mit diesem Verfahren sollen von Atelektasen betroffene Lungengebiete mit kurzfristig hohem Beatmungsdruck wieder für den Gasaustausch zugänglich gemacht werden. Anschließend soll die freie Luftzirkulation durch einen hohen endexpiratorischen Druck sichergestellt werden. Blähmanöver bedürfen einer klaren Indikation und haben in der Regel nur Sinn bei invasiv und mit sehr hohen Drücken beatmeten Patienten.Komplikationen vermeiden
Das endotracheale Absaugen soll für den Patienten möglichst komplikationslos gestaltet werden. Denn wie alle Eingriffe in den menschlichen Körper können auch beim endotrachealen Absaugen Komplikationen auftreten:- Absinken der dynamischen Lungencompliance und der funktionellen Residualkapazität,
- Atelektasen,
- Hypoxie/Hypoxämie,
- Verletzungen der trachealen oder bronchialen Schleimhaut,
- Anstieg der mikrobiellen Kolonisation in den tieferen Atemwegen,
- Veränderungen des zerebralen Blutflusses und Anstieg des intrakraniellen Drucks,
- Hypertension und Hypotension,
- Herzrhythmusstörungen.