Mehr sachbezogene Kommunikation im Operationsteam senkt das Wundinfektionsrisiko für Patienten – so lautet das Ergebnis einer soeben im „British Journal of Surgery“ veröffentlichten Studie des Inselspitals Bern und der Universität Neuenburg.
Wundinfektionen nach operativen Eingriffen treten vor allem im Bauchbereich relativ häufig auf. Längere Krankenhausaufenthalte und damit auch höhere Kosten sind die Folge. Hauptrisikofaktoren sind der Zustand des Patienten sowie die Art und Dauer der Operation. Beides lässt sich vom OP-Team nicht oder nur bedingt beeinflussen. Es gibt aber qualitative Elemente wie Ablenkung und Lärm während der OP, die sich steuern lassen. Die Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern forscht und publiziert zu diesem Thema seit Jahren.
Die neueste Studie erschien in der Oktober-Ausgabe der renommierten britischen Chirurgenzeitschrift „British Journal of Surgery“. Auf Initiative der Berner Bauchchirurgen haben Fachleute des Instituts für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Neuenburg und des Instituts für Psychologie der Universität Bern von 2010 bis 2013 während 167 Operationen am offenen Bauch die Gespräche im Berner OP-Team beobachtet und analysiert.
Fallrelevante Kommunikation hilft
Das Ergebnis ist eindeutig. „Mehr fallrelevante Kommunikation während der gesamten Operation hatte weniger Wundinfektionen zur Folge“, bewertet Prof. Guido Beldi, leitender Arzt der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, die Studienergebnisse. „Smalltalk mit Maß ist wichtig für das Klima im Team. Zu viel Smalltalk während des Verschließens der Operationswunde bedeutete dagegen eine höhere Infektionsrate.“Auch Prof. Franziska Tschan vom Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Neuenburg betont die Bedeutung fallbezogener Kommunikation. Sie helfe allen Beteiligten im Operationssaal, immer im Bild zu sein, das erleichtere die Kooperation. „Das Zunähen der Operationswunde als Routinevorgang verleitet stärker zum Smalltalk, zu viel davon kann ablenken“, so Tschan.
Verhalten ändert sich
Brigitte Dubach, Pflegedienstleitung der untersuchten OP-Abteilung, freut sich über die Studienergebnisse. „Grundsätzlich warten wir ab, bis die Untersuchung komplett abgeschlossen ist und machen erstmal weiter wie bisher“, so Dubach, „doch schon jetzt ist zu beobachten, dass OP-Team aufgrund der Studienergebnisse bewusster kommuniziert. Das verändert in der Konsequenz auch das Verhalten des interdisziplinären Teams.“
Im OP sei es laut Dubach erforderlich, dass die Kommunikation während der Eingriffe auf das Nötige reduziert wird. „Alles andere schadet der Konzentration“, so die Führungskraft, die bereits seit 20 Jahren in der operativen Abteilung des Inselspitals Bern tätig ist. Das Team-Time-Out vor der OP trage erheblich dazu bei, Diskussionen während des Eingriffs zu vermeiden, weil alle über dieselben Informationen verfügten. Zudem seien klare Aussagen wichtig: „Alle Teammitglieder müssen wissen, was gerade läuft und zu tun ist. Zuhören ist eine weitere wichtige Notwendigkeit“, so Dubach.
In einer weiteren Studie wird derzeit untersucht, ob ein interoperatives Briefing dazu beitragen kann, dass alle Teammitglieder optimal informiert sind.
Mail: stephan.luecke@bibliomed.de
Tschan, F. et al.: Impact of case-relevant and case-irrelevant communication within the surgical team on surgical site infection, BJS 9927, Oct. 2015. www.bjs.co.uk/details/article/8430101/Impact- of-caserelevant-and-caseirrelevant-communication-within-the- surgical-team.html