Der neue Intubationslarynxtubus Suction Disposable (iLTS-D) wurde für Patienten mit schwierigem Atemweg entwickelt. Seine Praktikabilität und Effektivität im klinischen Alltag wurden in einer aktuellen Studie von Bergolt und Kollegen umfassend getestet.
Laut aktueller S1-Leitlinie zum Atemwegsmanagement soll im Fall einer „Cannot ventilate – cannot intubate“-Situation, ähnlich wie bei der Intubationslarynxmaske (ILMA), primär ein supraglottischer Atemweg etabliert werden, der im Verlauf durch die endotracheale Intubation ersetzt wird (1). Hierfür hat die Firma VBM Medizintechnik den Intubationslarynxtubus Suction Disposable (iLTS-D) entwickelt. Es handelt sich um einen doppellumigen Larynxtubus mit einem großen Lumen für die Ventilation und Tubusleitung sowie einem schlanken Lumen für die Platzierung einer Magensonde.
Der Tubus ist in zwei Größen erhältlich und muss je nach Körpergröße unterschiedlich tief eingeführt werden. Nach Platzierung des iLTS-D kann beatmet werden. Der Spiraltubus wird auf ein flexibles Bronchoskop aufgeschoben und kann durch das Lumen des Larynxtubus in der Trachea platziert werden. Anschließend können zuerst das Bronchoskop und nach Entfernung des ISO-Konnektors am Spiraltubus auch der iLTS-D entfernt werden. Um den Endotrachealtubus hierbei nicht zu dislozieren, wird er mittels eines festen Plastikstabs fixiert. Im Gegensatz zur ILMA darf der Tubus mit dem Stab keinesfalls aktiv vorgeschoben werden.
Studie untersuchte Praktikabilität
In einer aktuellen Originalarbeit haben Bergold et al. die Praktikabilität und Effektivität des iLTS-D im klinischen Alltag untersucht (2). Hierzu testeten sie ihn bei 30 erwachsenen Patienten ohne Hinweis auf einen schwierigen Atemweg im Rahmen HNO-ärztlicher Elektiveingriffe. Nach Einleitung der Narkose mittels Narkotikum und Opiat wurde der iLTS-D platziert, eine suffiziente Ventilation war hiermit in allen Fällen möglich.
Bei vier der Patienten war die anhand der Herstellerangaben gewählte Einführtiefe zu tief und musste korrigiert werden. Nach Applikation eines Relaxans gelang die anschließende endotracheale Intubation bei 29 von 30 Patienten, in sechs Fällen konnten Glottis und Eingang der Trachea nicht sicher dargestellt werden. In zwei Fällen half eine Lagekorrektur des iLTS-D, um die bronchoskopische Darstellung des Tracheaeingangs zu ermöglichen. In zwei weiteren Fällen war nach der Lagekorrektur weiterhin eine Einstellung der Glottis nicht möglich, die Intubation erfolgte blind und atraumatisch. Weitere zwei Fälle eines blinden, atraumatischen Intubationsversuchs endeten mit eindeutig ösophagealer Tubuslage. Nach weiterem Zurückziehen von iLTS-D und Endotrachealtubus war die Glottis eindeutig sichtbar und eine fieberoptische Intubation problemlos möglich. Dier bronchoskopische Darstellung der laryngealen und trachealen Strukturen gelang bei einem Patienten trotz Lagekorrekturen nicht; hier wurde der Versuch abgebrochen und eine klassische Intubation mittels Laryngoskop vorgenommen. Diese gelang beim ersten Versuch problemlos.
Zusätzlich identifizierten die Autoren drei Apnoe-Phasen. Die erste wurde zwischen Ende der Maskenbeatmung und dem ersten suffizienten Atemhub mittels iLTS-D gemessen und betrug durchschnittlich 17 Sekunden. Die zweite trat zwischen Beendigung der Beatmung mittels iLTS-D und dem ersten suffizienten Atemhub mittels Endotrachealtubus auf und betrug durchschnittlich 32 Sekunden. Die dritte Apnoe-Phase entstand während der Entfernung des iLTS-D bei liegendem Endotrachealtubus und betrug durchschnittlich 20 Sekunden.
Final vergleichen die Autoren die Untersuchungen mit den ersten Untersuchungen zur ILMA, bei denen die Intubation in 93 von 100 Fällen gelang (3). Die meisten fehlerhaften Versuche erfolgten dabei zu Beginn, sodass man diese Fehler auch als Ausdruck einer Lernkurve interpretieren kann. Ebenfalls wird auf die Arbeit von Ott et al. verwiesen, die bereits im Juli vergangenen Jahres die Effektivität des iLTS-D mit der einer ILMA gleichsetzten (4).
Ein lebensgefährlicher Notfall trat nur einmal während der Studie ein. Hier wurde der Endotrachealtubus – entgegen der Herstelleranweisung – aktiv über den iLTS-D vorgeschoben. Nach Entfernung des iLTS-D war der Spiraltubus so tief in die Trachea eingesunken, dass er gerade noch am Cuff-Kontrollballon herausgezogen werden konnte. Es ist also gemäß den Herstellerangaben zu beachten, dass der Stab lediglich zur Fixierung, keinesfalls aber zum aktiven Vorschieben des Tubus genutzt werden darf.
Weitere Untersuchungen notwendig
Der iLTS-D scheint bei Patienten ohne Hinweis auf einen schwierigen Atemweg eine gute Alternative zur ILMA darzustellen. Der Einsatz bei Patienten mit schwierigem Atemweg erfordert jedoch weitere Untersuchungen, um die erzielten Ergebnisse zu bestätigen. Eine präklinische Anwendung scheint aufgrund der fieberoptischen Platzierung des Endotrachealtubus keine Option zu sein.
(1) Piepho T, Cavus E, Noppens R, Byhahn C, Dörges V, Zwissler B, Timmermann A (2015) S1-Leitlinie Atemwegsmanagement/Airwaymanagement. Anaesth Intensivmed 56: 505–523
(2) Bergold MN, Kahle S, Schultzik T, Bücheler M, Byhahn C. Intubating laryngeal tube suction disposable: Initial clinical experiences with a novel device for endotracheal intubation. Anaesthesist 2015 Oct 19 Epub ahead of print
(3) Kapila A, Addy EV, Verghese C, Brain AI (1997) The intubating laryngeal mask airway: an initial assessment of performance. Br J Anaesth 79: 710–713
(4) Ott T, Fischer M, Limbach T, Schmidtmann I, Piepho T, Noppens RR (2015) The novel intubating laryngeal tube (iLTS-D) is comparable to the intubating laryngeal mask (Fastrach) – a prospective randomised manikin study. Scand J Trauma Resusc Emerg Med 23: 44