Eine Dokumentation des Norddeutschen Rundfunks machte ihn über Nacht bekannt: Krankenpfleger Bert Ivers. Auf Youtube und Facebook wird der Bericht auch heute noch zehntausendfach geklickt und geliked, und selbst die pflegewissenschaftliche Prominenz findet Gefallen am „Notfallpfleger“ aus dem hohen Norden.
Das Telefon klingelt laut in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel. Ein kleiner Junge, der von einem Auto angefahren wurde, wird angekündigt. Höchste Alarmstufe. Krankenpfleger Bert Ivers eilt in den Schockraum, um die Erstversorgung vorzubereiten. Fünf Minuten hat er dafür Zeit. Ein Krankenwagen bringt das Kind und seine Eltern kurze Zeit später in die Kieler Notaufnahme. Nach den ersten Untersuchungen stellt sich heraus, dass der Junge Glück gehabt hat. Keine bleibenden Schäden. Die Eltern sind erleichtert, Bert Ivers auch – und eilt wenige Augenblicke später zum nächsten Patienten.
Mit wenig viel erreichen
Situationen wie diese charakterisieren Ivers´ Arbeitsplatz. Jeden Tag geht es um Leben und Tod – wie in jeder Notaufnahme. Der Norddeutsche lässt sich selbst bei größter Hektik nicht aus der Ruhe bringen. „Mein Prinzip ist stets, Patienten und Angehörige aus den schwierigen Situationen ein Stück weit herauszuholen und sie abzulenken“, sagt Ivers. „Dazu gehört auch, Stress von ihnen fernzuhalten und auch mal einen lockeren Spruch einzuwerfen. Mit Kleinigkeiten lässt sich häufig viel erreichen.“
Ivers ist ein Sympathieträger. Kollegen, Ärzte, Patienten – alle mögen den junggebliebenen 50-Jährigen. Seit dem vergangen Jahr ist der Kreis der Sympathisanten sprunghaft angestiegen: Durch Zufall wurde Ivers von einem Filmteam des Norddeutschen Rundfunks für eine Reportage ausgewählt, die die Arbeit von Pflegenden in einer Notaufnahme berichtete. Die Dokumentation „Uni-Klinik Notaufnahme: Pfleger Bert im Dauereinsatz“ ist seitdem mehrfach im Fernsehen bei guten Einschaltquoten gezeigt worden, und auch im Internet wird sie zehntausendfach geklickt und geliked. Die Kommentare – etwa bei Youtube – sind durchweg positiv: „Der ist voll sympathisch und kompetent“, „Bert, du bist ein Engel“ und „Was für ein toller, wunderbarer Krankenpfleger“ lauten einige der virtuellen Wortmeldungen.
Selbst prominente Vertreter der Pflegewissenschaft haben an Ivers Gefallen gefunden. Angelika Zegelin, mittlerweile pensionierte Professorin für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke, setzte sich nach Ausstrahlung der Reportage mit der Kieler Klinikleitung in Verbindung, um mit dem „berühmten Notfallmenschen“ in Kontakt treten zu können. Nach einem persönlichen Treffen stand Zegelins Urteil fest: „Bert Ivers ist professionell, menschlich und witzig – ein gutes Symbol für die Pflege in Deutschland.“ Besonders positiv hebt die renommierte Forscherin aus dem Ruhrgebiet hervor, dass Ivers kein „Jammertyp“ ist und seine Arbeit sichtlich gern macht – trotz drei Kindern und einer berufstätigen Frau, die ebenfalls in der Pflege arbeitet.
„Fünfter Job“
Ivers ist kein ein alter Hase in der Pflege. Erst mit Mitte 30 hat er seine „wahre Berufung“ gefunden, wie er selbst sagt. Der Auslöser war ein eigener Krankenhausaufenthalt, bei dem er sich von den vielfältigen positiven Einflussmöglichkeiten der Pflegenden auf den Gesundheitszustand von Patienten überzeugte. Es folgte ein Praktikum in der Diakonissenanstalt in Flensburg und kurze Zeit später die Ausbildung.
„Pflege ist mein fünfter Beruf“, verrät Ivers. „Vorher war ich Kfz-Mechaniker, bei der Bundeswehr, Berufskraftfahrer, Busfahrer und Fahrlehrer.“ Doch nun möchte er der Pflege treu bleiben. Mit der Arbeit in der Notaufnahme habe er „seine Baustelle“ gefunden. Mit Spannung erwartet Ivers den Bau der neuen zentralen UKSH-Notaufnahme. „Sie wird 2018 eröffnen“, so der Norddeutsche. „Das ist zwar noch etwas hin, aber ich freue mich schon sehr darauf. In neuen Räumlichkeiten können wir dann noch mehr Gas geben. Zum Wohle des Patienten.“