Bei der Versorgung schwerverletzter Patienten im Schockraum zählt jede Minute. Eine optimal aufeinander abgestimmte Teamarbeit ist deshalb entscheidend, um das bestmögliche Outcome zu erreichen.
Der Schockraum dient der Erstversorgung schwerverletzter und polytraumatisierter Patienten. Es gilt, vital bedrohliche Verletzungen und Erkranken schnellstmöglich zu erkennen und Therapieprioritäten festzulegen. Alle Maßnahmen müssen dabei so koordiniert werden, dass eine strukturierte Notfalldiagnostik erfolgen kann. Die Arbeitsabläufe sollten synchronisiert sein, damit Zeitverluste minimiert und Sekundärschädigungen vermieden werden können.
Bereits bei Eintreffen in der Notaufnahme hat die zeitkritische, prioritätenorientierte Entscheidungsstruktur einen hohen Stellenwert für den weiteren Ablauf der Patientenversorgung. Deshalb haben sich im Schockraum-Management definierte Strukturen etabliert, zum Beispiel in Form von Algorithmen für den Behandlungsprozess. Bewährt hat sich ein sogenanntes Schockraum-Team. Dieses setzt sich aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und Berufsgruppen zusammen und hat den Ablauf für eine effektive und effiziente Zusammenarbeit gemeinsam trainiert.
Das sogenannte Schockraum-Basisteam für Trauma-Patienten besteht aus den Fachdisziplinen Anästhesie, Chirurgie/Unfallchirurgie, Neurologie, Neurochirurgie, Radiologie sowie aus Anästhesie- und OP-Pflegenden, Pflegepersonal der Notaufnahme und Medizinisch-Technischen Radiologie-Assistenten (MTRA). Je nach Art der Verletzung oder Schwere der Erkrankung kann dieses Team durch weitere Experten zum sogenannten erweiterten Schockraum-Team ergänzt werden, zum Beispiel Innere Medizin, Herz-Thorax-Gefäßchirurgie, Urologie, Kinderchirurgie, Gynäkologie, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO), Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie (MKG).
Die Etablierung eines strukturierten Schockraum-Managements wird hausintern initiiert. Grundlagen dafür sind in der Regel Empfehlungen von Fachgesellschaften und Leitlinien, zum Beispiel die AWMF S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung (www.awmf.org).
Jeder im Team kennt seine Funktion
Die Etablierung eines Schockraum-Teams trägt dazu bei, typische Störgrößen in der Versorgung von Notfallpatienten zu vermeiden. Dadurch können wichtige, manchmal entscheidende Minuten gewonnen werden:- Die Alarmierung des Schockraum-Teams erfolgt durch einen Sammelruf (Gruppenruf) über ein gemeinsames Signal. Alle treffen sich im Schockraum. Damit können Zeitverzögerungen vermieden werden, die durch Einzel- und wiederholte Nachalarmierungen sowie individuelle Rückfragen wie „Wer kommt denn?“, „Ruf mich nochmal an, wenn der Notarzt da ist“ üblich sind.
- Jeder, der an der Behandlungskette beteiligt ist, kennt den Ablauf und seine „Funktion“ im Schockraum-Szenario. Akzeptanzprobleme der Akteure untereinander werden dadurch vermieden.
- Die Prozessorientierung steht im Vordergrund, nicht die Hierarchie. Es ist nicht der geeignete Ort (und die Zeit), um zu diskutieren, wer wem etwas zu sagen hat und wer was machen soll. Das Denken in Zuständigkeiten ist somit handlungsleitend.
- Nach dem Schockraum-Einsatz ist vor dem Einsatz: Der Arbeitsplatz Schockraum muss zeitnah wieder voll funktionstüchtig und aufnahmebereit sein.
- Behandlungsalgorithmen unterstützen die prioritätenorientierte Entscheidungsfindung. Sie bieten Entscheidungshilfen und zeigen – auch unter Zeitdruck – strukturierte Lösungswege. Das verbessert die Prozessqualität.
- Nach dem Schockraumeinsatz erfolgt ein gemeinsames Debriefing und/oder eine Fallkonferenz. Damit können Standards analysiert und weiterentwickelt werden. Es dient darüber hinaus dem Feedback an die Teammitglieder sowie der Bewältigung von belastenden Ereignissen im Rahmen der Schockraum-Phase.
- Es werden Teamtrainings etabliert, beispielsweise zur Kommunikation in besonderen Situationen, Umlagerungssituationen, Transport von Schockraum-Patienten sowie zu diagnosebezogenen Übungssequenzen am Simulator. Damit können Schwachstellen in der Teamarbeit gemeinsam überwunden werden.