„Gemeinsam besser werden“ – so lautete das Motto der Konferenz Frühmobilisierung, die Mitte September im Klinikum Kassel stattfand. 200 Fachleute verschiedener Disziplinen tauschten sich in vier Sessions zum Stand des Wissens, zur interprofessionellen Zusammenarbeit und zur konkreten Umsetzung aus.
Im Eröffnungsvortrag stellte Ulf Günther, Leitender Anästhesist am Universitätsklinikum Bonn, die hohe Bedeutung der Frühmobilisierung im Delir-Management heraus. Die gezielte Bewegung der Patienten sei hier „die wichtigste Säule“, wobei besonders der ABCDEF-Ansatz einen hohen Nutzen für Praktiker aufweise. Günther wies darauf hin, dass ein Delir-Screening mehrfach täglich durch alle Berufsgruppen erfolgen müsse, um Veränderungen rasch wahrzunehmen.
Auch Dr. Rebecca von Haken, Oberärztin der Anästhesie am Universitätsklinikum Heidelberg und Mitbegründerin des Netzwerks Delir, konstatierte, dass Frühmobilisierung im Delir-Management das A und O sei – neben einer zielgerichteten medikamentösen Therapie.
Interprofessionelle Zusammenarbeit nötig
Der niederländische Physiotherapeut Cees Castelejin vom Krankenhaus St. Antonius bei Utrecht stellte ein interessantes Konzept zur Durchführung der Frühmobilisierung vor. Es enthält Kriterien zur Einstufung, die sich aus der Kombination von Funktion, Fähigkeit und Vitalität ergeben.
Arnold Kaltwasser, Leiter der Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege an der Akademie der Kreiskliniken Reutlingen, machte die Notwendigkeit interprofessioneller Zusammenarbeit deutlich. Würden hier Probleme auftreten, sei dies häufig auf Vorurteile zurückzuführen. Silke Klarmann vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein plädierte in diesem Zusammenhang für mehr sachliche Kommunikation. „Das bestmögliche Zusammenspiel wird erzielt, wenn man miteinander redet“, sagte Klarmann.
Zum viel diskutierten Thema der Zuständigkeiten und Verantwortungen stellte der Anästhesist Ulf Günther klar: „Der Hauptverantwortliche ist der Arzt, der mit seiner Delegation die Aufgabe weitergeben kann. Der Beauftragte hat Pflichten zu erfüllen wie Mitsprache, Aufgabenübernahme und Verantwortungsübernahme sowie diesbezügliche Rechte wie die begründete Weigerung.“
Praxisfragen evaluiert
Zum Abschluss der Fachtagung wurden konkrete Fallbeispiele und Praxisfragen aufgegriffen. Physiotherapeut Mirko Kapulica aus Bad König zeigte die Möglichkeiten der Frühmobilisierung mittels bestimmter Hilfsmittel wie dem Deckensystem auf.
Claudia Rottensteiner, Physiotherapeutin aus Wien, imponierte mit Beispielen zur Mobilisation an der Extrakorporalen Membranoxygnierung (ECMO). Es komme hier auf ein gut eingespieltes und personell gut ausgestattetes Team an.
Damit die Frühmobilisation an der Beatmung funktioniert, müssten die Einstellungen stimmen, sagte Fachkrankenpfleger und Atmungstherapeut Norbert Schwabbauer vom Universitätsklinikum Tübingen. Er erläuterte abschließend die Möglichkeiten, damit die adaptierten Einstellungen die Mobilisation unterstützten und nicht erschwerten.