• News
DAK-Pflegereport

Zwei Drittel der jungen Menschen wollen Angehörige pflegen

Der aktuelle DAK-Pflegereport zeigt, dass die Mehrheit der jungen Menschen sich vorstellen könnte, einen Angehörigen zu pflegen.

Ca. zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren können sich vorstellen, Angehörige zu pflegen, wenn es in ihrer Familie zu einem Pflegefall kommen sollte. Unter jenen, die bereits pflegen oder gepflegt haben, sind dies sogar 84 %. Das hat eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für den DAK-Pflegereport 2021 ergeben.

Nur ein Drittel kann sich die Pflege von Angehörigen nicht vorstellen

Rund ein Drittel der jungen Menschen kann sich dem Report zufolge allerdings nicht vorstellen, Angehörige zu pflegen. Unter ihnen traut sich ein Großteil Pflegetätigkeiten nicht zu (63 %). Für die Hälfte ist die Pflege nicht mit dem Beruf vereinbar (49 %) und 44 % fürchten seelische Belastungen.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sagte während der Vorstellung des Berichts am Dienstag in Hamburg:

"Die hohe Bereitschaft junger Menschen, sich bei der Pflege zu engagieren, ist bemerkenswert."

Dem Bericht zufolge hat ein Viertel der jungen Menschen in Deutschland bereits Pflegeerfahrungen gesammelt. Bei mehr als der Hälfte von ihnen war die zu pflegende Person die Großmutter oder der Großvater.

Der wissenschaftliche Betreuer der Studie, Thomas Klie, von der Evangelischen Hochschule Freiburg erläuterte, dass die Pflege weniger als moralische Pflicht gesehen werde, sondern aus familiärer Verbundenheit geschehe.

Zwei Fünftel der für den Report Befragten wünschen sich die Pflege eines nahen Angehörigen zu Hause durch die Familie gemeinsam mit einem Pflegedienst oder einer festen Pflegefachperson.

Ambulante Pflege stärker in Blick nehmen

Klie zufolge nehmen rd. 70 % der zu Hause versorgten Menschen allerdings keine Beratungsangebote oder Unterstützung von einem ambulanten Pflegedienst in Anspruch. Er forderte deshalb von der kommenden Bundesregierung, die Pflege zu Hause stärker in Blick zu nehmen, und warnte:

"Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werden wir bald an die Kapazitätsgrenzen in Pflegeheimen stoßen. Wir müssen sicherstellen, dass pflegende Angehörige umfassend unterstützt werden, um ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen zu können. Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, wird die Situation der Pflege weiter eskalieren."

DAK-Vorstandschef Storm forderte, pflegende Angehörige besser vor Armut zu schützen und von der Haushaltsarbeit zu entlasten.

Es sei nicht selbstverständlich, dass junge Menschen aufgrund der Pflege ihrer Angehörigen berufliche und finanzielle Nachteile in Kauf nehmen müssten.

"Wir müssen einen festen Rahmen schaffen, in dem es kein Entweder-Oder gibt."

Pflegende Angehörige entlasten

Eine stärkere Unterstützung in der Weiterführung des Haushalts und der Kinderbetreuung für jüngere pflegende Angehörige könne ein Ansatzpunkt sein; ebenso ein gesetzlicher Anspruch auf Zuschüsse zu Weiterbildungskosten und unterstützende Angebote, um einen Pflegemix von Angehörigenpflege und professioneller Fachpflege zu ermöglichen.

Es sei Aufgabe der kommenden Bundesregierung, eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu schaffen.

Für die Untersuchung befragte das Institut für Demoskopie Allensbach 1.310 Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren. Darunter waren 443 Personen, die bereits Angehörige gepflegt haben.

Laut Statistischem Bundesamt wurden Ende 2019 von den 4,1 Mio. Menschen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhielten, 80 % zu Hause gepflegt.

DIE SCHWESTER | DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester | Der Pfleger 
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Zeitschriftencover

PflegenIntensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Zeitschriftencover

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten