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Demenzforschung

Zoster-Impfung senkt Demenzrisiko

Studien zeigen: Eine Zoster-Impfung kann das Demenzrisiko senken und möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Die DGN empfiehlt eine entsprechende Impfung ab 60.

Eine Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV) kann das Risiko für eine Demenz deutlich verringern. Das zeigt eine Reihe aktueller internationaler Studien, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in dieser Woche berichtet.

Bereits 2025 hätten Untersuchungen aus Wales und Australien Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Zoster-Impfung und geringerer Demenzrate geliefert. In Wales sei das Risiko innerhalb von sieben Jahren um 3,5 Prozentpunkte gesunken. Die relative Risikoreduktion habe bei 20 Prozent gelegen. Vergleichbare Effekte habe ein ähnliches Impfprogramm in Australien gezeigt.

Neue kanadische Analyse bestätigt Effekt

Eine nun veröffentlichte Studie aus Kanada stärke diese Evidenz. Forschende nutzten ein natürliches Experiment zur Einführung der Herpes-zoster-Impfung in Ontario. Dabei habe bereits die Impfberechtigung – unabhängig vom tatsächlichen Impfstatus – eine signifikante Senkung des Demenzrisikos um zwei Prozentpunkte innerhalb von fünfeinhalb Jahren gezeigt.

Laut Studienautoren lassen die Daten auf einen kausalen Zusammenhang schließen. "Zusammengenommen stellen alle drei Studien eine solide Datenbasis dar und zeigen populationsbasiert, dass die Impfung gegen Herpes zoster mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden ist", sagte DGN-Generalsekretär Peter Berlit.

Hinweise auf spezifischen Schutzmechanismus

Die beobachteten Effekte deuten nach Einschätzung der DGN auf einen spezifischen Schutz vor Zoster-Viren hin. "Meines Erachtens sprechen die Daten eher für einen spezifischen Zoster-Effekt", sagte der Sprecher der Kommission Demenzen der DGN, Jörg Schulz. Andere Impfungen – etwa gegen Influenza oder Tetanus – zeigten in Studien keinen vergleichbaren Einfluss auf die Demenzentwicklung.

Unklar bleibt, warum antivirale Medikamente wie Valacyclovir den Krankheitsverlauf nicht beeinflussen konnten. Laut Schulz könnte dies an einem zu späten Behandlungszeitpunkt liegen.

Möglicher Nutzen auch bei bestehender Demenz

Eine aktuelle Analyse der Daten aus Wales und Australien zeige zudem, dass die Impfung nicht nur vor Demenz schützen, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen könnte. Die Zahl neuer MCI-Diagnosen ("mild cognitive impairment") sei um drei Prozent gesunken; demenzbedingte Todesfälle hätten sich um 30 Prozent reduziert.

"Die VZV-Impfung könnte somit auch bei beginnender Demenz eingesetzt werden, um den neurodegenerativen Prozess zu verlangsamen", so Berlit.

Empfehlung für Menschen ab 60 Jahren

Obwohl die Studien mit einem inzwischen nicht mehr verfügbaren Lebendimpfstoff durchgeführt wurden, geht die DGN von vergleichbaren Effekten des heute gebräuchlichen rekombinanten Impfstoffs aus. Die DGN und die Ständige Impfkommission empfehlen die Impfung deshalb allen Menschen ab 60 Jahren – auch bei bereits bestehenden kognitiven Einschränkungen.

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