Ein neues Grundsatzpapier des Verbands der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken Deutschlands (VPU) zeigt deutliche Defizite bei Strukturen und Prozessen des Pflegecontrollings in deutschen Akutkrankenhäusern. Laut VPU ist das Pflegecontrolling derzeit stark heterogen organisiert. Unterschiede in Aufgabenprofilen, Ressourcenausstattung und organisatorischer Anbindung führten zu fehlender Vergleichbarkeit und reduzierter Steuerungsfähigkeit. Besonders problematisch sei das Fehlen standardisierter Kennzahlen. Die Erhebung aus dem Netzwerk Pflegecontrolling des VPU im Jahr 2024 habe gezeigt, dass die bestehenden Modelle "den heutigen Anforderungen nicht gerecht" werden.
Ein zentrales Hindernis seien unzureichende Datenstrukturen. Uneinheitliche Definitionen, unterschiedliche IT-Systeme und redundante Datenerhebungen erschwerten eine konsistente Analyse. "Pflegecontrolling ist ein wesentlicher Schlüsselfaktor zur langfristigen Sicherung der Handlungsfähigkeit in einem zunehmend komplexen und regulierten Gesundheitssystem", heißt es im Papier.
Daten als Grundlage für Personal- und Qualitätssteuerung
Im Grundsatzpapier betont der VPU, dass Pflegecontrolling eine zentrale Voraussetzung für datenbasierte Steuerung, Qualitätssicherung und Transparenz darstellt. Insbesondere für Personalbemessung, Ressourcenplanung und pflegerische Outcome-Messung sei ein funktionierendes Controllingsystem notwendig. Der VPU formuliert die klare Erwartung, dass pflegerische Daten künftig stärker in politische Entscheidungen einfließen.
In den befragten Einrichtungen reichen die für das Pflegecontrolling eingesetzten Vollzeitäquivalente von 1 bis 6. Der Verband mahnt eine bessere personelle und technische Ausstattung an. Pflegecontrolling müsse zudem interdisziplinär arbeiten und Kompetenzen aus Pflegewissenschaft, Ökonomie, IT und Management vereinen.
VPU sieht Bedarf nach verbindlichen Rahmenbedingungen
Der VPU fordert verlässliche strukturelle und prozessuale Standards. Dazu gehörten klare Zuständigkeiten, abgestimmte Schnittstellen, einheitliche Kennzahlen und die strategische Verankerung des Pflegecontrollings in der Pflegedirektion. Digitale Dashboards und perspektivisch KI-gestützte Prognosen sollen die Steuerungsfähigkeit verbessern.
Pflegerische Daten seien Voraussetzung, "um pflegerische Leistungen und Ressourcenplanung sichtbar zu machen und in Entscheidungen einfließen zu lassen", betonte der VPU auf LinkedIn.