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Sepsisversorgung

Neue Sepsisleitlinien veröffentlicht

Die aktualisierten internationalen Leitlinien zur Behandlung von Sepsis und septischem Schock fordern schnellere Diagnostik, klare Standards und frühe Therapie. Studien zeigen zugleich große Defizite in der europäischen Sepsisversorgung.

Die aktualisierten internationalen Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign (SSC) zur Behandlung von Sepsis und septischem Schock sind veröffentlicht worden. Das umfassende Leitliniendokument wurde von einem internationalen und aus 69 Personen umfassenden Expertengremium erstellt.

Leitlinien fordern schnellere Diagnostik und konsequente Standards

Die neuen Empfehlungen betonen die Dringlichkeit früher Erkennung: Kliniken sollen verpflichtend strukturierte Screening‑Prozesse, Standard Operating Procedures und Qualitätsprogramme einführen. Als Screening‑Instrumente empfiehlt die Leitlinie NEWS, NEWS2, MEWS oder SIRS – qSOFA wird ausdrücklich nicht als alleinige Screening‑Option empfohlen. Zudem sollen Blutkulturen "so früh wie möglich" und idealerweise vor Antibiotikagabe abgenommen werden. Auch die frühe antimikrobielle Therapie bleibt ein Kernpunkt: Bei septischem Schock wird eine Antibiotikagabe innerhalb von einer Stunde gefordert.

Außerdem sollen mindestens 30 ml/kg Kristalloide in den ersten drei Stunden bei Schock oder Hypoperfusion gegeben werden. Für die hämodynamische Steuerung wird ein initialer MAP von 65 mmHg empfohlen – bei älteren Patientinnen und Patienten (≥ 65 Jahre) könne auch ein Zielbereich zwischen 60 und 65 mmHg geeignet sein.

Daten aus Europa zeigen deutliche Versorgungslücken

Wie dringend strukturelle Verbesserungen in Europa nötig sind, verdeutlichen aktuelle Studien der Universitätsmedizin Greifswald. Diese erfassten erstmals systematisch den Stand der Sepsisversorgung in über 1.000 Krankenhäusern aus 69 Ländern. Nur etwa die Hälfte der untersuchten Einrichtungen verfügt demnach allerdings über standardisierte Abläufe zur Sepsisfrüherkennung. "Unsere Ergebnisse zeigen klar: Sepsisversorgung ist ein Strukturproblem", sagte der Mitautor der Studien, Christian Scheer. Strukturierte Qualitätsprogramme existierten nur in 9,8 Prozent der Kliniken.

Auch die mikrobiologische Diagnostik sei häufig unzureichend: In 907 Kliniken seien zu wenige Blutkulturproben gewonnen worden, und 90 Prozent der Labore seien nachts geschlossen. Die Forschenden verweisen darauf, dass ein 24/7‑Service und ausreichende Probenvolumina entscheidend für richtige Diagnosen und zielgerichtete Therapien seien.

Leitlinien und Studien zeichnen ähnliches Bild

Die neuen internationalen Empfehlungen und die europäischen Studienergebnisse weisen in dieselbe Richtung: Sepsisversorgung bleibt vielerorts fragmentiert – insbesondere bei Früherkennung, Laborstrukturen und Schulungsprogrammen. Die Leitlinien fordern deshalb eine systematische Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen, dynamische Steuerung der Therapie sowie eine stärkere Individualisierung der Behandlung. Zudem wird die Bedeutung der Nachsorge betont, da viele Betroffene langfristige körperliche und kognitive Einschränkungen entwickeln.

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