Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G‑BA) fördert das neue Versorgungsprojekt optiSEP mit 7,5 Millionen Euro. Das teilte die Universitätsmedizin Leipzig (UML) am Mittwoch mit. Sie übernimmt die Konsortialführung des Projekts. Der Projektstart ist für September 2026 vorgesehen, die Laufzeit beträgt 42 Monate.
Ziel des Verbunds ist, die Behandlung von Sepsispatienten sektorenübergreifend zu verbessern. Trotz verschiedener Initiativen zählt Sepsis in Deutschland weiterhin zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. optiSEP soll Defizite entlang der Versorgungskette – vom Rettungsdienst über die Intensivmedizin bis hin zur Rehabilitation – gezielt adressieren.
Fokus auf digitale Routinedaten und klare Behandlungspfade
Kern des Projekts ist die interoperable Nutzung klinischer Routinedaten aus allen Behandlungsphasen. Auf dieser Basis sollen datengestützte Entscheidungshilfen entstehen, die kritische Verläufe früher erkennen lassen und klinische Entscheidungen beschleunigen. Ergänzend entwickelt der Verbund standardisierte Behandlungspfade, damit aktuelle Leitlinien umfassend umgesetzt werden können.
"Mit optiSEP schaffen wir die Voraussetzungen, moderne Diagnostik, digitale Datenströme und strukturierte Behandlungspfade so zu verbinden, dass Patient:innen schneller und zielgerichteter profitieren", sagte Projektinitiatorin Alexandra Ramshorn‑Zimmer vom Universitätsklinikum Leipzig. Ziel: Informationsverluste an Schnittstellen minimieren und die Behandlungsqualität messbar erhöhen.
Molekulardiagnostik soll Therapien beschleunigen
Eine besondere Rolle spielt die molekulare Erregerdiagnostik mittels Next‑Generation Sequencing (NGS). Anders als klassische Kulturen könne NGS Krankheitserreger direkt über ihr genetisches Material identifizieren. Dadurch sollen antiinfektive Therapien – vor allem bei zeitkritischen Verläufen – schneller angepasst werden können.
"Sepsis kennt keine Sektorengrenzen", sagte Felix Walcher von der Universitätsmedizin Magdeburg. "Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen."
Projekt baut auf DigiSep und NUM‑Infrastruktur auf
Das optiSEP‑Konsortium umfasst Partner aus Intensiv- und Notfallmedizin, Infektiologie und Medizininformatik. Die technische Basis liefert die AKTIN‑Infrastruktur des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), die eine standardisierte Erfassung und Verknüpfung von Notaufnahmedaten ermöglicht.
Die Förderentscheidung fällt in eine Phase, in der das Budget des Innovationsfonds für 2026 halbiert wurde. Das Projekt setzt zudem Anforderungen des 2026 gestarteten Qualitätssicherungsverfahrens "Diagnostik und Therapie der Sepsis" um.