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Pflegewissenschaft

Studie plädiert für breiteren Blick auf Vulnerabilität

Eine neue Studie zeigt, dass Vulnerabilität meist zu eng als individuelles Risiko verstanden wird und fordert eine stärkere Berücksichtigung sozialer, institutioneller und politischer Einflussfaktoren.

Der Begriff der Vulnerabilität gehört zu den meistverwendeten Konzepten in der Pflegewissenschaft. Doch was genau damit gemeint ist, bleibt häufig unklar. Eine jetzt in der Fachzeitschrift BMC Nursing veröffentlichte Konzeptanalyse von Miriam Läpple und Martina Hasseler will hier für mehr Klarheit sorgen.

In ihrer Open-Access-Publikation "Vulnerability in nursing science: a principle-based concept analysis" haben die Autorinnen untersucht, wie Vulnerabilität in der pflegewissenschaftlichen Literatur verstanden und verwendet wird. Grundlage der Analyse waren 49 internationale Publikationen aus den Jahren 1983 bis 2024.

Die Forscherinnen identifizieren drei zentrale Perspektiven auf Vulnerabilität: Zum einen wird sie als universelle menschliche Grundbedingung verstanden, die jeden Menschen betrifft und stets in Beziehung zu seinem sozialen Umfeld steht. Eine zweite Sichtweise betrachtet Vulnerabilität vor allem als individuelles Risiko, Schaden zu erleiden. Die dritte Perspektive versteht Vulnerabilität als multifaktorielles Phänomen, das durch soziale Determinanten, institutionelle Rahmenbedingungen und gesundheitspolitische Faktoren geprägt wird.

Aus diesen Ansätzen entwickelten Läpple und Hasseler ein integratives Konzept. Demnach ist Vulnerabilität eine inhärente menschliche Eigenschaft, die durch individuelle, soziale, institutionelle und kulturelle Faktoren beeinflusst wird. Die konkreten Lebensumstände eines Menschen können diese Verwundbarkeit sowohl verstärken als auch abmildern.

Konzept der Vulnearbilität noch nicht ausgereift

Kritisch sehen die Autorinnen, dass in der Pflegewissenschaft bislang vor allem die individuelle Risikoperspektive dominiert. Diese Sichtweise laufe Gefahr, die Verantwortung für gesundheitliche Probleme primär bei den Betroffenen selbst zu verorten. Stattdessen plädieren Läpple und Hasseler für ein umfassenderes Verständnis von Vulnerabilität, das auch gesellschaftliche Strukturen, Versorgungssysteme und politische Rahmenbedingungen in den Blick nimmt.

Nach Einschätzung der Autorinnen ist das Konzept der Vulnerabilität in der Pflegewissenschaft zwar bereits etabliert, jedoch noch nicht vollständig theoretisch ausgereift. Weitere Forschungsarbeiten seien notwendig, um den Begriff deutlicher von verwandten Konzepten abzugrenzen, valide Messinstrumente zu entwickeln und seine praktische Anwendbarkeit in unterschiedlichen Versorgungssettings zu überprüfen.

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