Der Professor für Klinische Pflege an der Hochschule Neubrandenburg, Stefan Schmidt, hat die geplante Pflegereform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bemängelt. In einem Beitrag auf LinkedIn schreibt er am Mittwoch: Einiges deute darauf hin, dass auf Pflegebedürftige stärkere Belastungen zukämen und Zugänge zu Leistungen eingeschränkt werden könnten. Aus pflegewissenschaftlicher Perspektive sei dieser Ansatz aber „in seiner Grundlogik fasch“. Pflegebedürftigkeit sei kein „individuelles Versagen“, sondern „Ausdruck von Vulnerabilität“.
Destabilisierung statt Stabilisierung
Und sozialstaatliche Sicherungssysteme hätten genau hier ihre Legitimation: „Risiken zu kollektivieren“. „Werden stattdessen Eigenanteile erhöht oder Zugänge begrenzt, wird dieses Prinzip faktisch umgekehrt“, erklärt Schmidt. Die Versorgungsforschung belege, dass eingeschränkter Zugang nicht spare, sondern Probleme verschiebe. So führten Versorgungslücken zu Komplikationen, mehr Klinikaufenthalten und langfristig höheren Kosten, bei gleichzeitig schlechteren Outcomes.
Am Ende seines Postings auf LinkedIn resümiert der Pflegewissenschaftler: Es entstehe „der Eindruck einer kurzfristig fiskalisch motivierten Reform“, „die zentrale Erkenntnisse der Pflege- und Versorgungsforschung ignoriert.“ Statt einer Stabilisierung drohe eine Destabilisierung des Systems – „mit langfristigen Folgen für Qualität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.“