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Karriere in der Pflege

Pflegewissenschaftlerin zurück auf Intensivstation

Pflegewissenschaftlerin Johanna Altenburg am Klinikum Stuttgart: Die akademisierte Pflegefachperson verbindet direkte Patientenversorgung mit Pflegewissenschaft.

Karriere in der Pflege muss nicht vom Patientenbett wegführen, sondern kann auch am Patientenbett erfolgen. Davon ist die Pflegewissenschaftlerin Johanna Altenburg überzeugt. Nach mehreren Jahren in der Pflegewissenschaft und Stabsstellenarbeit am Klinikum Stuttgart kehrte sie teilweise in die direkte Patientenversorgung zurück. Warum sie sich für die Arbeit auf einer Intensivstation entschieden hat und welche Rolle akademisierte Pflegefachpersonen in der Praxis spielen können.

 

Als Pflegewissenschaftlerin arbeitete Johanna Altenburg an Strukturen, Versorgungsqualität und pflegefachlichen Projekten. Doch nach einer Stationsanalyse traf sie eine Entscheidung, die in der Pflege (noch) eher ungewöhnlich ist: Sie kehrte zurück in die direkte Patientenversorgung. Heute arbeitet sie am Klinikum Stuttgart sowohl auf einer herzchirurgischen Intensivstation als auch in der Pflegedirektion in der Stabsstelle Pflegewissenschaft. Warum sie diesen Weg gewählt hat und was das über Karrierewege für akademisierte Pflegefachpersonen aussagt, hat sie BibliomedPflege erzählt.

"Die drei Dienste haben etwas in mir ausgelöst"

Eigentlich sollte es eine Analyse werden. Im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Stabsstelle Pflegewissenschaft war Altenburg für drei Dienste auf einer herzchirurgischen Intensivstation eingesetzt, um Abläufe und mögliche Verbesserungspotenziale zu untersuchen.

Doch die Hospitation veränderte ihren Blick auf die eigene berufliche Situation. "Während der drei Dienste habe ich nicht nur die Abläufe beobachtet, sondern auch bei mir selbst etwas festgestellt", sagt Altenburg. "Ich habe gemerkt, dass ich das Gefühl vermisse, unmittelbar als Pflegekraft tätig zu sein."

Besonders der direkte Kontakt zu Patientinnen und Patienten habe sie erneut für ihren Beruf begeistert. Anders als in der Stabsstellenarbeit werde dort schnell deutlich, welche Auswirkungen die eigene Arbeit auf den Genesungsprozess und das Erleben der Betroffenen haben kann. "In der direkten Patientenversorgung wird unmittelbar sichtbar, was pflegerisches Handeln bewirken kann. Rückmeldungen erfolgen direkt und die Auswirkungen pflegerischer Maßnahmen lassen sich unmittelbar erleben."

Hinzu komme die besondere Kombination aus Pflegefachlichkeit, Technik, Kommunikation und menschlicher Begleitung, die insbesondere die Intensivpflege auszeichne.

"Die Begleitung von Menschen in hoch vulnerablen und teilweise lebensverändernden Situationen hat mir erneut vor Augen geführt, wie sinnstiftend der Pflegeberuf ist."

Warum Karriere auch am Patientenbett erfolgen kann

Seit Anfang 2023 arbeitete Altenburg in der Pflegedirektion in der Stabsstelle Pflegewissenschaft am Klinikum Stuttgart. Zuvor war sie unter anderem in der Intensivpflege tätig und absolvierte ein Studium im Bereich Management und Versorgung im Gesundheitssystem.

Statt sich vollständig für die Pflegepraxis oder die Wissenschaft zu entscheiden, wählte sie einen Mittelweg: Heute teilt sie ihre Arbeitszeit zwischen Intensivstation und Stabsstellenfunktion auf.

"Mir ist klar geworden, dass ich die pflegewissenschaftliche Perspektive nicht aufgeben möchte. Gleichzeitig wollte ich aber wieder direkt mit Patientinnen und Patienten arbeiten." Von einem Karriererückschritt könne deshalb keine Rede sein. "Ich möchte die unmittelbare Realität auf der Station kennen und gleichzeitig die wissenschaftliche und strukturelle Perspektive behalten."

Die Vorstellung, dass beruflicher Aufstieg in der Pflege zwangsläufig vom Patientenbett wegführe, hält Altenburg für überholt. Am Klinikum Stuttgart seien akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen bereits in unterschiedlichen Rollen in die Versorgung eingebunden. Neben Bachelorabsolventinnen und -absolventen arbeiten dort auch zahlreiche Advanced Practice Nurses (APN) direkt in der Patientenversorgung. Mittlerweile ist mit Juliane Spank auch eine erste promovierte Pflegewissenschaftlerin am Klinikum Stuttgart tätig.

"Am Klinikum Stuttgart wird Karriere in der Pflege nicht als Gegenentwurf zur direkten Patientenversorgung verstanden", beschreibt Altenburg.

Akademisierte Pflege: Theorie und Praxis verbinden

Deutschlandweit sei die Situation jedoch noch sehr unterschiedlich. Häufig fehle es an klar definierten Rollen, geeigneten Einsatzkonzepten und struktureller Unterstützung für akademisierte Pflegefachpersonen.

"Es reicht nicht, akademisierte Pflegekräfte einzustellen und dann nicht zu wissen, welche Aufgaben sie übernehmen sollen." Entscheidend sei, dass Kliniken den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Pflegepraxis aktiv förderten. Am Klinikum Stuttgart zeigt sich, wie die Verbindung von Pflegepraxis und Pflegewissenschaft gelingen kann, wenn die entsprechenden strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden.

Von ihrem Studium profitiert Altenburg nach eigenen Angaben bis heute. Dabei gehe es nicht nur um wissenschaftliche Methoden oder Literaturrecherche.

"Heute hinterfrage ich deutlich häufiger, warum bestimmte Prozesse etabliert sind und ob sie sich wissenschaftlich begründen lassen."

Früher seien pflegerische Routinen oft selbstverständlich gewesen. Heute prüfe sie häufiger, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse hinter bestimmten Maßnahmen stehen und ob Verbesserungen möglich seien.

Darüber hinaus habe ihr das Studium geholfen, unterschiedliche Perspektiven im Gesundheitssystem besser zu verstehen. "Ein vertiefter Blick auf das Gesundheitssystem schafft ein anderes Verständnis für Führungsaufgaben, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und organisatorische Entscheidungen."

Warum akademisierte Pflegefachpersonen in der Praxis wichtig sind

Aus Sicht von Johanna Altenburg können akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen wesentlich dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Versorgung zu übertragen.

Sie können:

  • Leitlinien und Studien in die Praxis übersetzen,
  • Qualitätsentwicklungsprojekte begleiten,
  • Delirprävention und Wundmanagement stärken,
  • Ethikberatungen unterstützen,
  • die Patientensicherheit verbessern,
  • evidenzbasierte Pflege fördern.

Aber: "In der Pflege wird das Rad oft neu erfunden", sagt Altenburg. Mehr Austausch zwischen Kliniken und stärkere Netzwerke von APN sowie Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftlern könnten helfen, erfolgreiche Konzepte schneller zu verbreiten.

Viele denken über eine Rückkehr in die Pflegepraxis nach

Mit ihrem Schritt scheint Altenburg kein Einzelfall zu sein. Nachdem sie auf LinkedIn über ihre Rückkehr in die direkte Patientenversorgung berichtet hatte, erhielt sie zahlreiche Rückmeldungen von anderen akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen.

"Viele haben mir geschrieben, dass sie schon länger darüber nachdenken, wieder zumindest anteilig in die Praxis zurückzukehren." Besonders häufig würden Fragen zur Einarbeitung, zu Arbeitszeitmodellen und zur Vereinbarkeit wissenschaftlicher und praktischer Tätigkeiten gestellt. "Der Wunsch ist bei vielen da. Oft fehlen aber die passenden Rahmenbedingungen."

Für die Zukunft plant Altenburg einen Masterstudiengang im Bereich Intensive Care, der mit einer Fachweiterbildung verbunden ist.

An ihrer Grundidee ändert das nichts: "Pflege ist ein unglaublich wertvoller Beruf. Mir ist wichtig zu zeigen, dass Karriere und Arbeit in der direkten Patientenversorgung keine Gegensätze sind."

Zur Person: Johanna Altenburg

  • Realschulabschluss
  • Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegehelferin am Robert Bosch Krankenhaus sowie zur Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Sieben Jahre Intensivpflege an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Bachelorstudium "Management und Versorgung im Gesundheitswesen" an der Alice Salomon Hochschule Berlin
  • Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung
  • Seit 2023 in der Pflegedirektion der Stabstelle Pflegewissenschaft am Klinikum Stuttgart
  • Weiterbildungen in Digital Health und Ethikberatung im Gesundheitssystem an der DHBW Stuttgart
  • Seit 2026 zusätzlich Pflegefachperson in der erweiterten klinischen Pflegepraxis auf der herzchirurgischen Intensivstation am Klinikum Stuttgart

Über das Klinikum Stuttgart

Das Klinikum Stuttgart zählt zu den größten Gesundheitsversorgern Deutschlands. An den Standorten Katharinenhospital, Krankenhaus Bad Cannstatt und Olgahospital arbeiten rund 9.500 Beschäftigte, darunter mehr als 3.000 Pflegekräfte. Jährlich werden dort etwa 90.000 Menschen stationär und über 600.000 ambulant behandelt; zudem betreut das Klinikum rund 65.000 Operationen pro Jahr.

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