Mehr als 1.000 Pflegekräfte haben in San Francisco gegen die Zusammenarbeit des Softwareunternehmens Palantir mit US-Einwanderungsbehörden demonstriert. Nach Angaben der Gewerkschaft National Nurses United (NNU) richtete sich der Protest insbesondere gegen den Einsatz von auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Analysewerkzeugen zur Identifizierung und Festnahme von Migrantinnen und Migranten.
Die Aktion war Teil einer internationalen Aktionswoche unter dem Motto "People vs. Palantir", wie die NNU Ende September mitteilte. Die Gewerkschaft fordert öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Universitäten und Pensionsfonds auf, bestehende Verträge mit dem Unternehmen zu beenden.
Kritik an Einsatz von Datenanalyse
Die Demonstrierenden zogen nach Gewerkschaftsangaben zum Abschiebezentrum der US-Einwanderungsbehörde ICE in San Francisco. Hintergrund ist die Zusammenarbeit von Palantir mit US-Bundesbehörden. Die eingesetzte Software werde genutzt, um Personen für Festnahmen zu identifizieren.
"Die Gewalt und Zerstörung, die durch Einwanderungsbehörden verursacht und durch Palantir ermöglicht werden, stehen in völligem Widerspruch zu den pflegerischen Werten von Fürsorge und Mitgefühl", sagte die Präsidentin der California Nurses Association/National Nurses Organizing Committee, Sandy Reding.
Weiter erklärte sie: "Unserer Verpflichtung, keinen Schaden zu verursachen, gerecht zu werden, bedeutet, dass Pflegekräfte die Rolle von Palantir in unseren Krankenhäusern und in unserer Regierung aktiv ablehnen müssen."
Gewerkschaft verbindet Kritik mit Gesundheitspolitik
Die Pflegegewerkschaft verknüpft ihre Kritik an Palantir auch mit der US-Gesundheitspolitik. Nach Ansicht der NNU verschärfen Einsparungen im Gesundheitssystem die Belastungen für Patientinnen und Patienten sowie für Krankenhäuser.
"Während unsere Patientinnen und Patienten sowie unsere Nachbarn in Angst vor Abschiebung und Inhaftierung leben, sind unsere Krankenhäuser mit massiven Kürzungen konfrontiert, und die Kosten der Gesundheitsversorgung steigen weiter", sagte NNU-Präsidentin Jamie Brown.
Die Gewerkschaft fordert stattdessen eine stärkere Finanzierung öffentlicher Leistungen und des Gesundheitssystems.
Debatte über KI auch im Gesundheitssektor
Palantir gehört zu den weltweit bekanntesten Anbietern datenbasierter Analyse- und KI-Systeme. Die Proteste zeigen, dass der Einsatz solcher Technologien zunehmend auch im Gesundheitssystem kontrovers diskutiert wird.
Die Gewerkschaft kritisiert neben der Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden auch Geschäftsbeziehungen des Unternehmens zu Krankenhäusern und anderen öffentlichen Institutionen.