Pflegefachpersonen werden nach Einschätzung von Forschenden künftig deutlich erweiterte Kompetenzen benötigen. Eine qualitative Studie aus Deutschland hat dazu ein Kompetenzmodell mit 17 "Future Skills" entwickelt, die Pflegekräfte beim Umgang mit Digitalisierung, technologischen Innovationen und komplexeren Versorgungsanforderungen unterstützen sollen.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Pflege" veröffentlicht. Grundlage sind 29 Interviews mit 30 Pflegefachpersonen aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen sowie eine anschließende Validierung der Ergebnisse in Fokusgruppen und einem telefonischen Umlaufverfahren.
17 Fähigkeiten in drei Kompetenzbereichen
Die Forschenden identifizierten insgesamt 17 "Future Skills" mit 40 Ausprägungen. Diese ordneten sie drei Ebenen zu: der personalen, sozialen und kollektiven Ebene.
Zu den personalen Kompetenzen zählen unter anderem Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, die Fähigkeit zur Gestaltung von Veränderungsprozessen, technologisches Geschick und vertieftes Fachwissen. Auf sozialer Ebene verorten die Autorinnen und Autoren Fähigkeiten wie digitale Zusammenarbeit, strukturierte Kommunikation, Beziehungsarbeit, Delegation und den professionellen Umgang mit Technologien.
Die kollektive Ebene umfasst Kompetenzen in Organisationsentwicklung, Versorgungsgestaltung, Qualitätssicherung, wissenschaftlichem Arbeiten und Netzwerkarbeit.
Technologie soll Pflege unterstützen
Besondere Bedeutung messen die Forschenden dem Begriff der Professionalität bei. Diese sei keine einzelne Kompetenz, sondern bilde den Rahmen für die Anwendung aller "Future Skills".
Den Studienergebnissen zufolge hängt eine erfolgreiche Anpassung an den Wandel der Pflege nicht allein vom Einsatz neuer Technologien ab. Entscheidend sei vielmehr die Fähigkeit, technische Systeme professionell in die Versorgung einzubinden. Der kompetente Umgang mit Technologien gehe über deren reine Bedienung hinaus und umfasse den Einsatz zur Förderung von Patientensicherheit, Kommunikation und patientenzentrierter Pflege.
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass ihr Technologieverständnis deutlich breiter gefasst ist als in vielen internationalen Kompetenzmodellen. Neben Informations- und Kommunikationstechnologien werden auch Medizinprodukte, Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz, Assistenzsysteme und Robotik einbezogen.
Grundlage für Aus- und Weiterbildung
Nach Darstellung der Forschenden entwickeln sich die beschriebenen Kompetenzen stufenweise und lebenslang weiter. Die "Future Skills" bauten aufeinander auf und beeinflussten sich gegenseitig. Professionelle Entwicklung verlaufe von Wissens- und Handlungsfähigkeiten hin zur Ausbildung einer beruflichen Identität.
Die Studienautorinnen und -autoren sehen in dem Modell eine Grundlage für die Weiterentwicklung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten in der Pflege. Zugleich verweisen sie auf weiteren Forschungsbedarf, insbesondere zur Bedeutung professioneller Werte im Wandel der Pflegearbeit.