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Gewalt in Pflegeheimen

"Kultur des Hinschauens" trainieren

Ein dementer Heimbewohner soll seinen Zimmergenossen umgebracht haben. Der Prozess um den Fall wirft ein Schlaglicht auf die Zukunft der Pflege.

Vor dem Landgericht Traunstein beginnt an diesem Montag der Prozess gegen einen dementen Altenheimbewohner, der seinen Zimmergenossen umgebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 93-Jährigen, der als schuldunfähig eingestuft wird, Totschlag vor. Er soll – zwei Tage nach dessen Einzug – massiv auf den Kopf des 84 Jahre alten Mitbewohners eingewirkt, seine Nase und seinen Mund zugedrückt haben.

Sicherheit in Pflegeheimen und der Schutz von und auch vor dementen Menschen ist immer wieder Thema – und dürfte in den kommenden Jahren ein noch größeres werden.

Hohe Ansprüche an Pflegepersonal 

"Pflegeheime sind weder Orte der permanenten Glückseligkeit, des Grauens oder rechtsfreie Räume. Auch leben hier Menschen, die nicht nur körperliche, sondern oft kognitive Einschränkungen haben", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Rund 80 Prozent der Heimbewohner in Deutschland leiden seinen Angaben zufolge unter Demenz.

"An die Beschäftigten stellt das hohe Ansprüche", sagte er. "Auch müssen sie Konflikte erkennen, ebenso eigene Frustrationen bewältigen." Eine "Kultur des Hinschauens" müsse trainiert werden. "Offenheit im Umgang mit Defiziten gehört dazu. Ergänzt durch Supervision." Er kritisierte: "Träger und Gesellschaft schauen viel zu sehr weg. Politisch ist das ein heißes Eisen, denn die Pflegeversicherung finanziert eine Mangelverwaltung. Eine bundesweite einheitliche Statistik zu Gewalt in der Pflege wäre hilfreich."

Quelle: dpa

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