Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will Angriffe auf Pflegekräfte und anderes medizinisches Personal künftig härter bestrafen. Vorgesehen sind strengere Sanktionen sowie beschleunigte Verfahren bei Übergriffen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems.
Unterstützung erhält der Vorstoß aus den Ländern. Während Niedersachsen am Mittwoch die Kampagne "Wer hilft, verdient Respekt" gestartet hat, begrüßte die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz die angekündigte Verschärfung des Schutzes von Pflegefachpersonen.
Niedersachsen startet Respektkampagne
Hinter der Initiative stehen das Niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerium, die Ärztekammer Niedersachsen, der Marburger Bund Niedersachsen, die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen. Sie soll auf verbale und körperliche Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitssystem aufmerksam machen. Geplant sind Plakate, Informationsmaterialien, Social-Media-Maßnahmen und Kinowerbung.
"Respekt gegenüber den Beschäftigten im Gesundheitswesen ist Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitswesen und eine sichere Versorgung der Bevölkerung", erklärte Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD).
Nach Angaben der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft berichten viele Einrichtungen von einer Zunahme von Übergriffen. Besonders betroffen seien Pflegefachpersonen und Mitarbeitende in Notaufnahmen.
Pflegekammer fordert zusätzliche Prävention
Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz unterstützt die von Linnemann angekündigte Null-Toleranz-Linie gegenüber Gewalt gegen Pflegende. Zugleich fordert sie weitere Maßnahmen zur Prävention.
Grundlage ist eine Allensbach-Studie der Kammer aus dem Jahr 2025. Demnach berichten rund 70 Prozent der befragten Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz von körperlichen Übergriffen durch Patientinnen, Patienten oder Angehörige. Fast die Hälfte der Befragten unter 30 Jahren gab zudem an, auf Gewalt- und Konfliktsituationen fachlich nicht ausreichend vorbereitet zu sein.
"Gewalt ist niemals hinnehmbar. Wer Menschen pflegt und versorgt, darf nicht damit rechnen müssen, bei der Arbeit beleidigt, bedroht oder angegriffen zu werden", sagte die Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Andrea Bergsträßer, am Mittwoch.
Die Kammer spricht sich neben härteren Strafen für den Ausbau von Deeskalationstrainings, Schutzkonzepten sowie Unterstützungsangeboten nach Gewalterfahrungen aus.
Debatte über Gewalt gegen Pflegende gewinnt an Bedeutung
Gewalt gegen Pflegekräfte und anderes Gesundheitspersonal wird seit Jahren von Berufsverbänden, Kammern und Krankenhäusern als wachsendes Problem beschrieben. Neben körperlichen Angriffen zählen verbale Beleidigungen, Drohungen und Einschüchterungen zu den häufigsten Vorfällen.
Linnemann hatte im August angekündigt, Angriffe auf Beschäftigte in Krankenhäusern und Notaufnahmen konsequenter zu verfolgen. Wer Menschen angreife, die andere versorgen und behandeln, müsse mit spürbaren Konsequenzen rechnen. Zudem sprach sich der Minister für schnellere Verfahren aus.