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Pflegeheim Rating Report 2022

Jedes fünfte Pflegeheim akut insolvenzgefährdet

Die wirtschaftliche Lage deutscher Pflegeheime ist angespannt, sie hat sich seit dem Jahr 2016 kontinuierlich verschlechtert.

Die wirtschaftliche Lage deutscher Pflegeheime ist angespannt, sie hat sich seit dem Jahr 2016 kontinuierlich verschlechtert. Grund dafür ist der zunehmende Kostendruck der Heime. Dies hat das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen ermittelt und am Montag mit dem "Pflegeheim Rating Report 2022" veröffentlicht.

Nach RWI-Angaben befanden sich im Jahr 2019 rund 20 % der Einrichtungen im "roten Bereich" mit erhöhter Insolvenzgefahr, weitere 42 % waren im "gelben Bereich". 38 % haben sich demnach im "grünen Bereich" befunden – mit geringer Insolvenzgefahr.

Verschlechtert habe sich auch die Ertragslage: Schrieben im Jahr 2016 rund 10 % der Pflegeheime einen Jahresverlust, seien es 2019 bereits 26,5 % gewesen.

Gegenüber anderen Teilbereichen des Gesundheitsmarkts ist der Pflegemarkt laut RWI am stärksten gewachsen. Sein Anteil am gesamten Gesundheitsmarkt habe sich zwischen 1997 und 2019 von 9,8 % auf 14,7 % erhöht. Damit rangiere die Pflege in ihrer Bedeutung aktuell an zweiter Stelle hinter den Krankenhäusern.

Erneut gestiegen sei der Anteil ambulant versorgter Pflegebedürftiger – von 20,6 % im Jahr 1999 auf 25,4 % im Jahr 2019. Die Zahl stationär gepflegter Menschen sei 2019 hingegen konstant geblieben.

Der Trend zur Privatisierung halte weiter an: Zwischen 1999 und 2019 sei der Anteil Pflegebedürftiger in privaten Einrichtungen um 15,5 Prozentpunkte auf 39,5 % angestiegen. In ambulanten Diensten sei der Anteil im gleichen Zeitraum von 35,6 % auf 52,3 % angewachsen.

Trotz einer Zunahme von 395.000 Vollzeitkräften zwischen 1999 und 2019 herrsche im Pflegebereich weiterhin Personalknappheit. Dem Report zufolge waren in der ambulanten und stationären Pflege im Jahr 2019 insgesamt 866.000 Vollkräfte beschäftigt, darunter 339.000 Pflegefachpersonen.

Pflegemarkt wächst weiter

Die Alterung der Gesellschaft sei der Hauptgrund für das Wachstum des Pflegemarkts. Das RWI erwartet bei konstanten Pflegequoten bis zum Jahr 2030 4,9 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland, bis 2040 5,6 Mio. Das wäre gegenüber 2019 ein Anstieg um 20 % bzw. 35 %.

Zur Versorgung der immer mehr werdenden Pflegebedürftigen seien bis 2040 163.000 bis 380.000 zusätzliche Vollzeitkräften in der stationären und 97.000 bis 183.000 Kräfte in der ambulanten Pflege erforderlich.

Um diesen Bedarf an Pflegefachpersonen zu decken, müsse die Attraktivität des Pflegeberufs steigen. Zum einen mittels höherer Löhne, zum anderen etwa über gute Führungskultur, gesellschaftliches Ansehen des Berufs, gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, möglichst wenig Bürokratie, Karrieremöglichkeiten sowie Übernahme von Verantwortung.

Weitere Möglichkeiten, den Fachpersonalmangel zu lindern, sind gemäß Report die Zuwanderung qualifizierter Pflegefachpersonen und der Einsatz arbeitssparender, innovativer Technik im Bereich Ambient Assisted Living (AAL).

Damit ein Kostenanstieg nicht zu einer erhöhten Insolvenzgefahr für Pflegeanbieter führe, prognostiziert das RWI einen Anstieg der Preise für Pflegeleistungen und damit der Belastung der Pflegebedürftigen. Inwieweit die Beitragszahler noch weiter belastet werden können, hänge von der gesamten Abgabenlast mit Steuern und Sozialabgaben ab.

Neben Personal werde ferner mehr Kapital benötigt, v. a. privates Kapital. Dazu sollte die Politik die Regulierungsdichte reduzieren und die unternehmerische Handlungsfreiheit ausweiten. So seien z. B. Vorgaben zur Heimgröße oder zum Anteil der Ein-Bett-Zimmer überflüssig. Wichtig sei vielmehr ein ausreichend großes Angebot an Einrichtungen, die miteinander in einem Preis- und Qualitätswettbewerb stehen.

Datengrundlage des "Pflegeheim Rating Reports 2022" sind 427 Jahresabschlüsse aus den Jahren 2014 bis 2019. Sie umfassen insg. 2.113 Pflegeheime bzw. rund 14 % des Markts. Der Report wird gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Evangelischen Bank eG und der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie mit Unterstützung der Terranus Consulting GmbH erstellt.

 

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