• News
Analyse

Studie: Fachkräftemangel gefährdet Versorgung

Die Widerstandsfähigkeit von Gesundheitssystemen wird nach Einschätzung vieler Fachleute künftig an Bedeutung gewinnen. Zu den größten Risiken zählen Fachkräftemangel und demografischer Wandel.

Der Fachkräftemangel gehört nach Einschätzung von Fachleuten zu den größten Gefahren für die Stabilität von Gesundheitssystemen. Das zeigt die aktuelle "Future of Health"-Studie der Strategieberatung Roland Berger. Für die Untersuchung wurden 486 Expertinnen und Experten aus Politik, Krankenversicherungen, Gesundheitsversorgung sowie der Pharma- und Medizintechnikbranche befragt.

In Deutschland erwarten 86 Prozent der Befragten, dass die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitssystems künftig weiter an Bedeutung gewinnt. Damit liegt der Wert über dem internationalen Durchschnitt von 81 Prozent. Gleichzeitig werden die Gesundheitssysteme ausgerechnet bei den als besonders kritisch bewerteten Herausforderungen am schlechtesten eingeschätzt: demografischer Wandel, Fachkräftemangel und geopolitische Konflikte.

Für die Pflege besonders relevant: Die Studie verweist auf Prognosen, wonach der Europäischen Union bis 2030 rund 4,1 Millionen Gesundheitsfachkräfte fehlen könnten. Personalmangel gilt damit als eine der zentralen Bedrohungen für die Versorgungssicherheit.

Wer wurde befragt?

Für die Studie "Future of Health 8: Healthcare System Resilience" befragte Roland Berger 486 Fach- und Führungskräfte aus:

  • Politik und Verwaltung
  • Krankenversicherungen und Kostenträgern
  • Krankenhäusern und weiteren Leistungserbringern
  • Pharma- und Medizintechnikunternehmen

Die Befragten kamen aus Europa, den USA, Asien und dem Nahen Osten. Länderspezifische Ergebnisse weist die Studie unter anderem für Deutschland, die Schweiz, Japan, China, Singapur, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aus.

Personalengpässe bedrohen die Versorgung

Nach Einschätzung der Studienautoren stehen Gesundheitssysteme vor einer doppelten Herausforderung: Während der Versorgungsbedarf aufgrund der alternden Bevölkerung steigt, verschärfen Fachkräftemangel, Burnout und der Verlust erfahrener Beschäftigter die Situation zusätzlich.

Die Vorbereitung auf diese Entwicklung bewerten die Befragten als unzureichend. Gleichzeitig sehen sie fehlende personelle Ressourcen als Hindernis beim Aufbau krisenfester Strukturen.

Aus Sicht der Autoren werden Investitionen in Personalbindung, Qualifizierung und flexible Personalkonzepte deshalb zu einem entscheidenden Faktor für die Belastbarkeit von Gesundheitssystemen. Resilienz sei nicht allein eine Frage von Infrastruktur und Finanzierung, sondern auch der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte.

Mehrheit fordert mehr Investitionen in Vorsorge

73 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, stärker in Vorsorge und Widerstandsfähigkeit zu investieren, statt erst im Krisenfall zusätzliche Ressourcen bereitzustellen. In Europa unterstützen 78 Prozent diesen Ansatz.

Als größte Hürden nennen die Fachleute knappe Budgets (54 Prozent) sowie regulatorische und politische Barrieren (47 Prozent). Hinzu kommen fehlende Investitionsanreize (41 Prozent) und mangelnde Ressourcen (37 Prozent).

"Widerstandsfähigkeit darf kein Schalter sein, den Gesundheitssysteme erst in der Krise umlegen. Sie muss im Alltag fest verankert, klar finanziert und eindeutig verantwortet werden. Wer Reservekapazitäten, sichere Lieferketten und digitale Frühwarnsysteme erst aufbaut, wenn die Versorgung bereits unter Druck steht, handelt zu spät", sagt der Senior Partner bei Roland Berger, Thilo Kaltenbach.

Digitalisierung soll Engpässe früher sichtbar machen

Viele Organisationen setzen beim Aufbau widerstandsfähigerer Strukturen auf digitale Technologien. 48 Prozent haben nach eigenen Angaben strukturierte Risikoanalysen eingeführt oder geplant. 43 Prozent investieren in Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz.

Nach Einschätzung der Studienautoren können digitale Frühwarnsysteme, interoperable Datenstrukturen und vorausschauende Analysen dabei helfen, Versorgungsengpässe früher zu erkennen, Personal gezielter einzusetzen und Lieferketten besser abzusichern.

Allerdings wird die Krisenfestigkeit bislang nur selten systematisch überprüft: Lediglich 22 Prozent der Befragten vergleichen die Widerstandsfähigkeit ihrer Organisation mit anderen Einrichtungen.

Newsletter abonnieren

  • 2x wöchentlich News erhalten
  • garantiert kostenlos, informativ und kompakt

Bedingungen für Newsletterversand
Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons "Anmelden" erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Bibliomed-Verlag mir regelmäßig pflegerelevante News aus Politik, Wissenschaft und Praxis zusendet. Dieser Newsletter kann werbliche Informationen beinhalten. Die E-Mail-Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben. Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an info(at)bibliomed.de gegenüber dem Bibliomed-Verlag widerrufen.