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Pflegewissenschaft

Fachgesellschaften fordern Geld für Cochrane

Evidenzsynthesen und wissenschaftliche Übersichtsarbeiten dienen Pflegefachpersonen als Grundlage für Leitlinien und qualitätsgesicherte Versorgung.

Mehrere wissenschaftliche Fachgesellschaften drängen die Bundesregierung, die Finanzierung der Cochrane Deutschland Stiftung über das Jahr 2027 hinaus fortzusetzen. In einer gemeinsamen Erklärung reagieren sie auf die bereits angekündigte Entscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die Förderung der Einrichtung Ende 2027 auslaufen zu lassen.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), die Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie sowie das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin fordern in der sogenannten Göttinger Erklärung, die jährliche Bundesförderung von rund 1,3 Millionen Euro fortzuführen. Die Organisationen sehen die Arbeit von Cochrane Deutschland als wichtigen Bestandteil einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung.

Warnung vor Folgen für die Versorgung

Die Erklärung knüpft an die Debatte an, die Ende September durch das Bekanntwerden des Förderstopps ausgelöst wurde. Wie BibliomedPflege berichtete, endet die bisherige Finanzierung durch das BMG Ende 2027. Die Stiftung hatte davor gewarnt, dass damit zentrale Angebote für Wissenstransfer, Qualifizierung und Evidenzaufbereitung gefährdet sein könnten.

Nach Angaben der Fachgesellschaften bereitet Cochrane Deutschland internationale Forschungsergebnisse für Gesundheitsberufe, Patientinnen und Patienten sowie politische Entscheidungsträger auf. Die Einrichtung erstellt unter anderem verständliche Zusammenfassungen wissenschaftlicher Erkenntnisse und vermittelt Kompetenzen zur Bewertung von Evidenz.

„Wer evidenzbasierte Gesundheitsversorgung ernst nimmt, darf nicht ausgerechnet dort sparen, wo unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse für die Versorgung aufbereitet und zugänglich gemacht werden“, sagte DEGAM-Präsidentin Eva Hummers.

Bedeutung für professionelle Pflege

Für Pflegefachpersonen sind systematische Evidenzsynthesen eine wichtige Grundlage für Leitlinien, Qualitätsentwicklung und evidenzbasierte Versorgung. Die Fachgesellschaften verweisen darauf, dass Cochrane Deutschland wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur bewertet, sondern auch Wissenslücken sichtbar macht und Gesundheitsberufe bei der Nutzung von Evidenz unterstützt.

In ihrer Erklärung argumentieren die Unterzeichner, der geplante Förderstopp stehe im Widerspruch zu politischen Bestrebungen, Entscheidungen im Gesundheitssystem stärker an wissenschaftlicher Evidenz auszurichten. Die Finanzierung von Cochrane Deutschland sei daher keine freiwillige Zusatzleistung, sondern Teil der Infrastruktur für eine evidenzbasierte Versorgung.

Appell an Bund und Ministerium

Die vier Organisationen fordern die Bundesregierung und das BMG auf, die Förderung über 2027 hinaus sicherzustellen und Cochrane Deutschland dauerhaft als unabhängige Einrichtung der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung zu etablieren.

„Die Förderung von Cochrane Deutschland ist keine freiwillige Zusatzleistung, auf die man angesichts angespannter Haushalte einfach verzichten kann“, betonte Hummers. „Sie ist eine Investition in die Qualität und Effizienz unserer Gesundheitsversorgung.“

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