Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wird die Förderung der Cochrane Deutschland Stiftung Ende 2027 beenden. Nach Angaben der Stiftung steht damit die Zukunft einer zentralen Einrichtung für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Qualifizierung und Wissenstransfer auf dem Spiel.
Die Stiftung erhält derzeit eine jährliche Förderung von gut einer Million Euro aus dem Haushalt des BMG. Mit diesen Mitteln wurde seit 2017 die Arbeit des Deutschen Cochrane Zentrums fortgeführt, das wissenschaftliche Erkenntnisse für Gesundheitsberufe, Politik und Öffentlichkeit aufbereitet.
Folgen für evidenzbasierte Pflege
Für Pflegefachpersonen, Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler sind die von Cochrane erstellten Evidenzsynthesen eine wichtige Grundlage für Leitlinien, Qualitätsentwicklung und evidenzbasierte Pflege. Die Stiftung bereitet Forschungsergebnisse auf Basis sogenannter Cochrane Reviews auf. Dabei handelt es sich um systematische Übersichtsarbeiten zur internationalen Studienlage. Mehr als 9.000 solcher Reviews sind inzwischen verfügbar.
Nach eigenen Angaben hat die Stiftung in den vergangenen zehn Jahren zudem mehr als 2.300 Teilnehmende in Workshops, Webinaren und Fachtagungen zu Methoden der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung geschult.
"Zugleich bedauern wir sehr, dass die Förderung nicht erneuert wird. Ohne eine tragfähige Finanzierung ab 2028 drohen wichtige Leistungen der Stiftung wegzufallen: der Transfer vertrauenswürdiger Cochrane-Evidenz in die Gesellschaft und die Versorgung, die Qualifizierung von Fachkräften und anderen Multiplikator:innen sowie die Entwicklung und Vermittlung wissenschaftlicher Methoden", sagte der wissenschaftliche Vorstand der Stiftung, Jörg Meerpohl, am Montag.
Warum das Ministerium die Förderung beendet
Nach Angaben der Stiftung hat das BMG die bisherige Arbeit als "wertvoll und erfolgreich" gewürdigt. Die Entscheidung gegen eine Fortsetzung der Förderung begründe das Ministerium mit veränderten Rahmenbedingungen und haushaltspolitischen Vorgaben.
Die Cochrane Deutschland Stiftung wurde 2017 in Freiburg gegründet und vertritt das internationale Cochrane-Netzwerk in Deutschland. Dieses Netzwerk arbeitet daran, medizinische und gesundheitswissenschaftliche Erkenntnisse systematisch auszuwerten und für Entscheidungen in der Versorgung nutzbar zu machen.
Stiftung sucht neue Geldgeber
Bis zum Auslaufen der Bundesförderung Ende 2027 will die Stiftung neue Finanzierungsquellen erschließen. Ziel sei, die Arbeit zur Vermittlung wissenschaftlicher Evidenz und zur Unterstützung einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung fortzuführen.
"Die Cochrane Deutschland Stiftung wird die verbleibende Zeit bis Ende 2027 nutzen, um neue Förderer zu finden, damit sie ihre Arbeit auch mittel- und langfristig fortsetzen kann", so Meerpohl.