• News
Corona-Impfung für bestimmte Berufsgruppen

Ethikrat soll Empfehlung für oder gegen Impfpflicht abgeben

Soll es eine Impfpflicht geben? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert eine Positionierung des Deutschen Ethikrats.

Eine mögliche Impfpflicht in Deutschland ist umstritten, doch sie ist Gegenstand fortwährender Diskussionen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat nun die Bundesregierung aufgefordert, "den Deutschen Ethikrat zu beauftragen, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zu bewerten", heißt in einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung der DKG.

Deren Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß sagte:

"Die derzeitige seit nunmehr Wochen schwelende Debatte über eine Impfpflicht ist kontraproduktiv und wird die Impfbereitschaft sowohl in den betroffenen Berufsgruppen als auch in der allgemeinen Bevölkerung eher absenken als fördern."

Arbeitgeber und Beschäftigte würden mit der Frage nach der Impfpflicht allein gelassen. Gaß betonte:

"Es liegt in der politischen Verantwortung der Regierung, hier durch den Ethikrat Leitplanken einziehen zu lassen."

Fischbach: Impfverweigerer sollen Konsequenzen spüren

In der Vorwoche hatte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, die Diskussion erneut angestoßen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hatte er eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen für sinnvoll erachtet:

"Wenn viele Beschäftigte in Kitas, Schulen und Kliniken Impfungen weiter verweigern, sollte der Gesetzgeber ernsthaft über eine Impfpflicht in diesen sensiblen Bereichen nachdenken."

Der Verbandschef hatte auch Betriebsärztinnen und -ärzte in Kliniken in die Verantwortung gezogen, das medizinische Personal aufzuklären und diese an deren Fürsorgepflicht zu erinnern. Wer sich dem verweigere, der müsse Konsequenzen spüren. Krankenhäuser oder Pflegeheime könnten z. B. Impfverweigerer entlassen, da dürfe Fachpersonalmangel kein Gegenargument sein.

England: Tausende Pflegende könnten ihren Job verlieren

Dass dies eine potenzielle Konsequenz sein kann, zeigt die aktuelle Situation in England. Dort sollen vom 11. November an alle Beschäftigten in Pflegeheimen vollständig gegen Covid-19 geimpft sein, ansonsten drohe ihnen die Kündigung, schrieb die Deutsche Presseagentur (dpa) in einer Meldung vom vergangenen Freitag. Einer Auswertung des Nachrichtenportals "National World" anhand Daten des englischen Gesundheitsdienstes NHS zufolge könnten mehr als 40.000 Pflegende ihren Job verlieren – trotz des auch dort vorherrschenden Personalmangels in der Pflegebranche.

RKI: Hohe Impfquote unter Krankenhauspersonal

Eine Impfpflicht für Lehrpersonal, Erzieherinnen und Erzieher sowie Pflegepersonal lehnt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ab. Als Reaktion auf Fischbach sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am vergangenen Mittwoch die Impfquote bei Lehr- und Kita-Personal sei sehr hoch.

"Und da wir in den Gesundheitsberufen ebenfalls eine hohe Impfquote haben, sehe ich auch keinen Grund dafür, eine Impfpflicht für Ärzte und Pfleger einzuführen."

Laut den gestern vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Ergebnissen zur "Krankenhausbasierten Online-Befragung zur COVID-19-Impfung“ – kurz: „Kroco" – ist die Impfquote in den Gesundheitsberufen sehr hoch. Demnach sind 91% des teilnehmenden Krankenhauspersonals vollständig geimpft, 4% unvollständig geimpft und 5% ungeimpft.

Gründe gegen eine Impfung seien die Furcht vor bleibenden Schäden, Nebenwirkungen und unsicheren Impftechnologien sowie der Wunsch, noch abwarten zu wollen.

Dagegen hatten Stichproben unter Pflegenden in Niedersachsen auf unterdurchschnittliche Impfzahlen hingewiesen.

DKG: Ethikrat soll Empfehlung aussprechen

Laut DKG könne deshalb eine Positionierung des Ethikrats eine gute Basis für die Entscheidung zur Corona-Impfung sein. Gaß sagte:

"Wir brauchen jetzt Klarheit, wohin der Weg führt, damit die Diskussionen ein Ende nehmen und die Akzeptanz einer politischen Entscheidung für oder gegen eine Impfpflicht gestärkt wird."

Unabhängig davon sei die Impfkampagne weiter zu verbessern und genauer auf die Zielgruppen auszurichten.

Ethiker hatten bereits im Sommer eine Impflicht als letztes Mittel der Wahl bezeichnet und stattdessen an die moralische Pflicht der Menschen appelliert.

DIE SCHWESTER | DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester | Der Pfleger 
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Zeitschriftencover

PflegenIntensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Zeitschriftencover

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten